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"Gottschalk Live"-Premiere: Die Egoshow des Altmeisters

Gottschalks erstes Mal bei der ARD war eine Katastrophe. Ein Gockel, der vor lauter Egomanie seine eigene Sendung nicht sieht. Da entgleisten sogar Bully Herbig die Gesichtszüge.

Von Sophie Albers

Am Ende scheint auch dem Turbo-Egomanen Thomas Gottschalk aufgefallen zu sein, wie schlecht er war. Darum wohl ging "DER Entertainer Deutschlands" (ARD-Chefin Monika Piel) am Schluss seines "Wohlfühlhalbestunde"-Debüts auf die Knie. Er brauche jeden Zuschauer, bettelte er. Allerdings ohne es tatsächlich zu meinen. Die erste Folge von "Gottschalk Live" war eine reine One-Man-Orgie.

Die Bühne dieser erschreckend konzeptlosen ARD-Vorabendsendung sollte in eine Radrennbahn verlegt werden, denn Gottschalk kreiste ausschließlich um sich selbst. Diese komplett schmerzbefreite Selbstbeweihräucherung hing nicht nur als riesiges Popart-Porträt im Studio, sie fand eine verwirrende Fortsetzung mit der Richtigstellung einer Klatschmeldung über einen angeblichen Cousin Gottschalks in Polen ("Manche klagen, aber ich doch nicht"). Und brach Rekorde mit hässlichem Gepose über Gottschalks Nähe zu den Stars ("Ich habe Heidi Klum entdeckt"), weshalb er sich befugt sah, die anstehende Scheidung des Supermodels zu bewerten. Erstaunlicherweise spricht der Wahlamerikaner Seal aber immer noch aus wie ein deutsches Fleckensalz. Die Peinlichkeit gipfelte in Bully Herbigs kurzzeitig entgleisten Gesichtszügen, weil Gottschalk einfach nicht aufhörte, seinen einzigen Studiogast kleinzureden.

"Ich Ich Ich"

Statt um Gottschalk sollte es eigentlich um Herbigs neuen Film "Zettl" gehen. Den Streifen nahm der mit jeder Minute schrumpfende Übermoderator jedoch zum Anlass für seltsame Sprüche über das Niveau des Werks, das er dann dankenswerterweise doch für gut befand. Sätze wie "Das ist der Unterschied zwischen uns: Wenn die Paparazzi dich sehen, sagen sie 'Schade ums Blitzlicht'", sollten lustig sein. Doch ließ Gottschalks "Ich Ich Ich" dafür einfach keinen Platz. Überdosis.

Und als wäre das nicht schlimm genug, war "die halbe Stunde Durchatmen" (Gottschalk) brutalstmöglich von Werbung zerhackt. Die Produktinformationen kündigten sich mit Musik an, die Gottschalk zuerst in alter Manier ignorierte, um sich dann doch davon verwirren zu lassen. Verloren und alt sah der 61-Jährige aus mit seinem Fünftagebart, der Tweedweste über dem weißen Hemd und der hängenden Krawatte.

Abgesoffen

"Es hat schon geschmerzt, dass Gottschalk so abgesoffen ist", schreibt Darkphan auf Twitter, wo sich heftig Enttäuschung breit macht. Die Online-Anmerkungen wird angeblich auch Gottschalk lesen, denn in seiner Sendung gibt es an Stelle von Studiogästen einen mehr oder weniger direkten Draht zum Zuschauer über die Sozialen Medien. Auf diesem Wege erhofft sich der "TV-Titan" Kritik. Allerdings fragt man sich nach diesem Auftritt, ob er überhaupt fähig ist, diese anzunehmen.

"Es kann gefährlich glatt werden", sagte der Wettermann in der letzten Werbepause.