Matt Damon (55) steht gerade mit seinem Cop-Thriller "The Rip" an der Spitze der Netflix-Charts. Gemeinsam mit Kumpel Ben Affleck (53) spielt er darin Miami-Polizisten, die 20 Millionen Dollar in einem verlassenen Haus finden und danach gegeneinander arbeiten. Im Podcast von Joe Rogan überraschte Damon aber mit ungewöhnlich offenen Worten darüber, wie der Streaming-Gigant seine Filme mittlerweile haben will.
Netflix verlange heute, dass bereits in den ersten fünf Minuten ein großer Knall komme - nicht mehr am Ende als Finale, wie früher üblich. Der Grund liegt für Damon auf der Hand: "Weil die Leute an ihren Handys sind, während sie zuschauen." Noch drastischer sei die Vorgabe, die Handlung "drei- bis viermal im Dialog zu wiederholen", damit auch nebenbei scrollende Zuschauer der Geschichte folgen können. "Das wird sich zunehmend darauf auswirken, wie wir Geschichten erzählen", betonte Damon.
Damon vergleicht Kino mit einem Kirchgang
Der Unterschied zwischen Kino und Streaming werde mittlerweile besonders deutlich. Das Kino sei eher "wie ein Kirchgang - man erscheint zur vereinbarten Zeit. Es wartet nicht auf einen." Zudem sitze man im Saal mit Fremden aus der eigenen Gemeinde zusammen und teile eine gemeinsame Erfahrung.
Zu Hause sehe das völlig anders aus. "Die Kinder rennen herum, die Hunde laufen herum", beschrieb Damon die Ablenkungen im heimischen Wohnzimmer. Es sei schlicht eine andere Art von Aufmerksamkeit, die man einem Film dort schenken könne - oder wolle.
"Adolescence" zeigt, dass es auch anders geht
Als Gegenentwurf für die neue Vorstellung von Netflix-Produktionen brachte Ben Affleck im gleichen Gespräch die britische Netflix-Miniserie "Adolescence" ins Spiel. Die Serie über einen 13-Jährigen, der des Mordes beschuldigt wird, breche alle typischen Netflix-Regeln, also keine Action am Anfang, lange ruhige Einstellungen, kaum erklärende Dialoge. "Die Serie hat nichts von diesem Scheiß gemacht - und sie ist fantastisch", so Affleck. Sie mache eindrucksvoll deutlich, dass man auch beim Streaming "diese Tricks" nicht brauche.
Dass die beiden Hollywoodstars aber nicht komplett nach den Netflix-Regeln spielen wollen, zeigt ein besonderer Deal: Als Produzenten von "The Rip" handelten Damon und Affleck mit der Plattform eine Vereinbarung aus, die ihrer Crew Erfolgsboni einbringt, sollte der Film gut laufen - was jetzt definitiv der Fall ist. Der Bonus ist eine Seltenheit in der Streaming-Welt, denn normalerweise zahlt Netflix seine Gagen ausschließlich im Voraus, wie die "New York Times" schreibt.