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Hörbuch-Tipp

Dennis E. Taylor: "Ich bin viele": Der Spaß am Leben fängt nach dem Tod erst an

Robert Johansson ließ sich nach seinem Tod einfrieren. Vielleicht kann man ihn in ferner Zukunft ja wiederbeleben. Konnte man, doch völlig anders als er sich das vorgestellt hatte. Körperliche Freunden sind ihm nicht mehr vergönnt. Ein kleiner Preis für seine neue Fähigkeiten.

Von Henry Lübberstedt

Der Weltraum, unendliche Weiten... Die Erforschung des Weltalls ist seit jeher einer der großen Menschheitsträume. Im Roman "Ich bin viele" von Dennis E.Taylor erfüllt sich dieser Traum für einen Science-Fiction-Fan. Dafür musste er allerdings zunächst sterben und als eine Art Computer neu geboren werden.

Der Weltraum, unendliche Weiten... Die Erforschung des Weltalls ist seit jeher einer der großen Menschheitsträume. Im Roman "Ich bin viele" von Dennis E.Taylor erfüllt sich dieser Traum für einen Science-Fiction-Fan. Dafür musste er allerdings zunächst sterben und als eine Art Computer neu geboren werden.

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Worum geht es im Hörbuch "Ich bin viele"?

Was sagt Ihnen der Name Riker, Commander Riker? Da klingelt nichts? Würden Sie denn bitte diesen Text verlassen und Platz für Leute machen, die hier mitreden können. Welche Leute? Na, Nerds. Solche Typen, die "Star Trek" und "Star Wars" sauber auseinander halten können. Die "Galaxy Quest" erst beim zweiten Anschauen deutlich sehen konnten, weil sie beim ersten Mal ständig Lachtränen in den Augen hatten. Und die sich mit Stolz VIP-Karten für Science-Fiction-Conventions gönnen.

Eben solche Typen wie Robert Johansson. Der kreative Softwareentwickler hatte mit seiner kleinen Firma InterGator ein Produkt entwickelt, das dem Branchenriesen Terrasoft echte Konkurrenz bescherte. Terrasoft unterbreitete Johnson darauf ein unverschämt gutes Übernahmeangebot. Arbeiten würde Bob, wie Robert alle nannten, so schnell nicht mehr müssen. Ein Teil des Geldes investierte er gleich in die "Altersvorsorge" – auf seine Weise. Er beauftragte eine Cryofirma, nach seinem Tod seinen Kopf einzufrieren. In ferner Zukunft, war Bob als echter Science-Fiction-Fan überzeugt, könne man Köpfe auf eigens gezüchtete Körper transplantieren. Er hatte Recht, also jedenfalls beinahe.

Nur wenige Stunden später wird Bob von einem Auto angefahren. Ein Kühlergrill ist das letzte, was er sieht, dann einen Arzt in einem weißen Raum. Irgendetwas ist anders. Er ist körperlos. Und er denkt schneller, fokussierter. Seit seinem Unfall sind über 130 Jahre vergangenen. Köpfe transplantieren kann man in der Zukunft zwar nicht, wohl aber Gehirne digitalisieren. Bobs Kopf wurde verkauft, digitalisiert und mit einer künstlichen Intelligenz verschmolzen. Eine Auferstehung als digitales Wesen, als Bob 2.0 sozusagen.  

Den Science-Fiction-Roman "Ich bin viele" von Dennis E. Taylor gibt es auch bei Audible als Hörbuch. Gelesen wird es von Simon Jäger, der deutschen Stimme von Matt Damon.

Den Science-Fiction-Roman "Ich bin viele" von Dennis E. Taylor gibt es auch bei Audible als Hörbuch. Gelesen wird es von Simon Jäger, der deutschen Stimme von Matt Damon.

Seine Aufgabe: Als Von-Neumann-Sonde eine neue Bleibe für die Menschheit suchen und, Achtung Anspielung, dabei in Galaxien vorzudringen, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Bobs kühnste Nerd-Träume werden wahr, auch wenn er dabei auf jede Körperlichkeit verzichten muss. Ein kleiner Preis, wie er findet. Die Von-Neumann-Sonde ist ein Gedankenspiel des Mathematikers John von Neumann über autonome, sich selbst replizierende Raumschiffe. Ohne Einwirkung des Menschen können sie Kopien von sich bauen. So viele sie wollen. Bob wird eine Raumsonde, die so richtig Bock auf ihren Job hat und dabei so charmant, witzig und clever wie Robert Johansson ist.

Für wen ist das Hörbuch geeignet?

"Ich bin Viele" versteht eigentlich nur, wer "Enterprise", "Voyager" und "Deep Space Nine" verinnerlicht hat. Das Buch lebt von seinen vielen Bezügen auf das "Star Tek"-Franchise und spielt mit dem Bild vom typischen Nerd, dem natürlich auch Homer Simpson und "Big Bang Theory" vertraut sind. Eine geschlossene Gesellschaft, die jedoch gerade deswegen auf ihre Kosten kommt. Der Autor Dennis E. Taylor greift den Traum aller Trekkies auf: Was wäre, wenn es eines Tages doch möglich wäre?

Wer spricht?

Matt Damon, also seine deutsche Stimme: Simon Jäger. Die perfekte Besetzung für Bob. Jäger spricht schnell, ist sicher in der Betonung und hat ein gutes Timing beim Witzeerzählen.

Der Autor

Der US-Amerikaner Dennis E. Taylor war wie sein Protagonist Robert ebenfalls Software-Entwickler und liebt Science-Fiction-Conventions aller Art. Seine Geschichten schrieb er früher in seiner Freizeit, meist nachts. Nach dem großen Erfolg von "Ich bin viele" lebt er heute von Schreiben.

Was nervt?

Selbst als Science-Fiction-Fan können einem die ausführlichen Erläuterungen über Bewaffnung, Munitionsherstellung und Kampfsituationen zu viel des Guten werden. Insbesondere weil demgegenüber die psychologische Ebene insgesamt zu kurz kommt. "Ich bin viele" ist ein rasanter sehr witziger Science-Fiction-Roman, dem leider erzählerische Tiefe fehlt. Der Stoff hätte es hergegeben. Aber vielleicht kommt es ja noch in den Fortsetzungen. Den nächsten Band "Wir sind Götter" gibt es bereits als Buch.

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