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Bemannte Mission Warum Bakterien von der ISS Hoffnung für die Ernährung von Mars-Astronauten machen

20th Century Fox
Der Mensch will zum Mars, doch dort muss er sich selbst versorgen können. Wie - noch unklar. Fest steht: Alles Nötige von der Erde auf den Roten Planeten zu transportieren, ist illusorisch. Hilfe könnte nun von der ISS kommen - in Form von Bakterien.

Wer den Kino-Film "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" gesehen hat, erinnert sich sicherlich daran, wie es der von Matt Damon gespielten Hauptfigur gelingt, durch den Anbau von Pflanzen auf dem Roten Planeten zu überleben. Besonders beeindruckend: Watney produziert dabei auch die nötigen "Düngestoffe" selbst. Ob das genauso im wahren Leben klappen würde, sei dahingestellt. Eines aber ist sicher: Sollen sich Menschen zeitweise oder gar dauerhaft auf dem Mars aufhalten, müssen sie sich selbst versorgen können. Um nochmals Filmfigur Watney zu zitieren: Sie brauchen "Wasser und Nahrungsmittel auf einem Planeten, auf dem nichts wächst". Da kommt nun womöglich Hilfe von der ISS.

Obwohl die Raumstation ein weitgehend steriler Ort ist, in der alles dem Überleben der Astronauten im Weltraum untergeordnet werden muss, konnten Nasa-Wissenschaftler bei Untersuchungen auf der Erde jetzt vier von Bord stammende Bakterienstämme isolieren, wie sie in der Fachzeitschrift "Frontiers in Microbiology" berichten. Es handelt sich um Methylobakterien-Arten, von denen nur eine bisher bereits bekannt war. Das Entscheidende daran: Will man unter den lebensfeindlichen Bedingungen außerhalb der Erde beispielsweise pflanzliche Lebensmittel anbauen, ist Hilfe von Bakterien nötig. Und Methylobakterien bringen nach Angaben der Forscher alles mit, um Pflanzen unter widrigen Bedingungen gedeihen zu lassen.

Potenzial für Pflanzenanbau auf dem Mars

Die Entdeckung lässt aufhorchen, weil sie den Traum von einer bemannten Mars-Mission in nicht allzu ferner Zukunft wieder ein kleines Stück realistischer erscheinen lässt. Auf vielen Ebenen wird experimentiert, wie man den Rohstoffen des eigentlich lebensfeindlichen Planeten entreißen kann, was man zum Leben und für die Raumfahrt braucht - beispielsweise die Bestandteile für Raketentreibstoff. Oder eben Nahrungsmittel. "Um Pflanzen an extremen Orten mit minimalen Ressourcen zu züchten, ist die Isolierung neuartiger Mikroben, die das Pflanzenwachstum unter stressigen Bedingungen fördern, unerlässlich", kommentieren Kasthuri Venkateswaran und Nitri Kumar Singh vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa ihre Entdeckung.

Laut den beiden Forschern müssen aber noch reichlich Experimente betrieben werden, um zu belegen, dass die neu entdeckten Bakterien tatsächlich "ein Game-Changer für das Space-Farming" sein können. Da kommt die ISS wieder ins Spiel. Künftig soll die nötige Forschung direkt auf der Station betrieben werden können. "Anstatt Proben zur Analyse auf die Erde zurückzubringen, benötigen wir ein integriertes mikrobielles Überwachungssystem, das Proben im Weltraum mithilfe molekularer Technologien sammelt, verarbeitet und analysiert", fordern Venkateswaran und Singh. Dann könne sich zeigen, ob die Hoffnung auf einen "Treibstoff" für das Pflanzenwachstum auf dem Mars berechtigt ist. Es wird offenbar noch seine Zeit dauern bis tatsächlich ein Mars-Astronaut Filmheld Watney mit dem Satz zitieren kann: "Ich bin der größte Botaniker auf diesem Planeten."

Quelle: "Frontiers in Microbiology"; "EurekAlert"-Mitteilung

dho

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