Schneefälle im Norden Extremwetterexperte erklärt: So gefährlich ist die Wetterlage

Extremwetter in Deutschland
Glatte Straßen, Schneeregen, Unfälle: Das Wetter in Deutschland zeigt sich extrem
© Imago Images
"Wetterkrimi", "Bomben-Zyklon", "Schneeorkan". Die Medien überschlagen sich mit Prognosen für ein Schneechaos. Extremwetterexperte Frank Böttcher erklärt, was wirklich droht. 

Herr Böttcher, der Deutsche Wetterdienst warnt in den kommenden Tagen vor einem "Wetterkrimi". Dabei soll es auch zu einem sogenannten "Bomben-Zyklon" kommen. Was genau ist das?
Es gibt Tiefdruckgebiete, die sich extrem schnell zu einem Orkantief entwickeln können. Entsteht ein solcher Sturm innerhalb eines Tages fast wie aus dem Nichts, dann beschreibt man die Entwicklung als Bombogenese und spricht von einem Bomben-Zyklon.

Frank Böttcher: Der Klimaexperte lächelt in die Kamera
© Christian Bittcher

Zur Person

Frank Böttcher ist Wetter- und Klimaexperte, Buchautor und TV-Moderator sowie Vorsitzender der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft. Seit 2006 veranstaltet er einmal jährlich den Extremwetterkongress

Zu den bereits bestehenden Schneehöhen sollen in Norddeutschland noch einmal bis zu 25 Zentimeter Neuschnee fallen. Der herannahende Sturm soll diesen zu 50 Zentimeter hohe Schneeverwehungen auftürmen. Droht eine Wetterkatastrophe wie im Winter 1978/79?
Ich erwarte wetterseitig keine Katastrophenlage. Die Wetterlage ist nicht vergleichbar mit der von 1978/79, und das vor allem, weil sie viel schneller abläuft. Es kommt individuell einfach sehr darauf an, wie man mit der Wetterlage umgeht, damit es für einen selbst keine Katastrophe wird. Da ist zunächst die Glätte zu nennen: Es wird am Freitag früh für ein paar Stunden bei starkem Wind in Niedersachsen teilweise dichtes Schneetreiben geben. Die Sicht ist schlecht, die Straßen sind glatt, und die anderen können nie so gut fahren wie man selbst. 

Was empfehlen Sie daher?
Um sicher ans Ziel zu kommen, empfiehlt es sich, in dieser Zeit aufs Fahren zu verzichten. Die Temperatur ist der nächste Punkt: Auch bei der Bahn sind Verspätungen zu erwarten. Um nicht auf ungeschützten Bahnsteigen im eiskalten Wind zu frieren, ist Planung und Information der beste Garant, um möglichst entspannt durch diese Wetterlage zu kommen.

Wie kam es 1978/79 zur legendären Schneekatastrophe?
Entscheidend für die Frage der Schneemengen ist die Zuggeschwindigkeit und die Dauer der Zufuhr von Warmluft gegen das Kaltluftbollwerk im Norden. Im aktuellen Fall dauert der Vorgang etwa sechs Stunden. 1978/79 kamen immer wieder neue milde Luftmassen hinterher, sodass die Schnee-Wetterlage vier Tage andauerte. Das ist eine ganz andere Dimension. Am Ende lagen damals in Norddeutschland 30 bis 80 Zentimeter Schnee mit Schneewehen von bis zu zwei Metern Höhe. Jetzt werden "nur" noch einmal 10 bis 20 Neuschnee fallen und die Schneewehen selten über 50 Zentimeter hoch sein. Damit ist die Lage viel besser zu beherrschen als die Jahrhundertlage vor fast 50 Jahren.

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