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"Stillwater" Amanda Knox kritisiert neuen Film mit Matt Damon scharf – und spricht ein größeres Problem an

Amanda Knox
Amanda Knox übt scharfe Kritik am Film "Stillwater"
© Massimo Paolone / Picture Alliance
In einem langen Beitrag hat sich Amanda Knox über "Stillwater" mit Matt Damon ausgelassen. Der Film fiktionalisiert ihre eigene Geschichte. 

In ihrem langen Twitter-Beitrag, den sie auch als Artikel veröffentlichte, spricht Amanda Knox mehr an als nur den Film "Stillwater" mit Matt Damon. Doch der ist Anlass für ihre Aufregung. 

Amanda Knox übt Kritik an Film "Stillwater"

Damon spielt in dem Blockbuster einen Vater, der seine Tochter aus dem Gefängnis holen will. Sie wurde während eines Austauschjahres in Marseille verhaftet, nachdem ihre Freundin tot aufgefunden wurde. Die Geschichte soll lose auf der von Amanda Knox basieren, die mehrere Jahre unschuldig in Perugia, Italien, in Haft saß, nachdem ihre Mitbewohnerin, die Britin Meredith Kercher, brutal ermordet wurde. Knox wurde 2015 freigesprochen.

"Gehört mein Name zu mir? Mein Gesicht? Was ist mit meinem Leben? Meiner Geschichte? Warum wird mein Name verwendet, um auf Ereignisse hinzuweisen, an denen ich nicht beteiligt war? Ich komme auf diese Fragen zurück, weil andere weiterhin ohne meine Zustimmung von meinem Namen, meinem Gesicht und meiner Geschichte profitieren. Erst kürzlich der Film 'Stillwater'", schreibt die Amerikanerin. In einer Beschreibung der Zeitschrift "Vanity Fair" hieß es, der Film basiere auf der "Amanda Knox Saga". 

Immer wieder Kritik an ihr

"Bezieht es sich auf etwas, das ich getan habe? Nein. Es bezieht sich auf die Ereignisse, die aus dem Mord an Meredith Kercher durch einen Einbrecher namens Rudy Guede resultierten. [...] Auf die schlampige Polizeiarbeit, den Tunnelblick der Staatsanwaltschaft und die Weigerung, ihre Fehler zuzugeben, die dazu geführt haben, dass die italienischen Behörden mich zweimal zu Unrecht verurteilt haben", führt Knox fort. 

Vier Jahre saß sie im Gefängnis, der Prozess zog sich insgesamt über acht. In der Zeit habe sie nichts zu sagen gehabt, so Knox. "Im Gefängnis hatte ich keine Kontrolle über mein öffentliches Bild, kein Mitspracherecht bei meiner Geschichte", erklärt sie. Das habe dazu geführt, dass die voreingenommene Polizei sowie die Presse ihr Image prägen konnten.

Seit Jahren wird Knox dafür kritisiert, dass das eigentliche Opfer, Meredith Kercher, nie Erwähnung finde. "Irgendwie war es meine Schuld, dass sich die Polizei und die Medien auf Kosten von Meredith auf mich konzentrierten", sagt Knox und zeigt zum Beweis eine Schlagzeile der "New York Post" nach Freilassung von Rudy Guede: "Mann, der die Mitbewohnerin von Amanda Knox tötete, freigelassen." 

Vergleich mit Monica Lewinsky

Im Zuge ihrer Kritik an "Stillwater" spricht Knox ein größeres Problem an: Machtgefälle. "Im Zuge von #metoo begreifen immer mehr Menschen, wie die Machtdynamik eine Geschichte prägt. Wer hatte die Macht in der Beziehung zwischen Bill Clinton und Monica Lewinsky? Der Präsident oder die Praktikantin? Es kommt darauf an, wie man eine Sache nennt. Wenn man dieses Ereignis 'Lewinsky-Skandal' nennt, verkennt man das enorme Machtgefälle, und ich bin froh, dass immer mehr Menschen es als 'Clinton-Affäre' bezeichnen, um es nach der Person zu benennen, die in dieser Reihe von Ereignissen am meisten Einfluss hatte", erklärt sie.

"Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als dass man die Ereignisse in Perugia als 'Der Mord an Meredith Kercher durch Rudy Guede' bezeichnet, was mich zu der Randfigur machen würde, die ich eigentlich hätte sein sollen, die unschuldige Mitbewohnerin", führt sie fort. 

Regisseur hat sie nie kontaktiert

Sie kritisiert außerdem, "Stillwater"-Regisseur Tom McCarthy habe sie nie kontaktiert, um herauszufinden, wie sie die Zeit erlebt habe. Er habe stattdessen eine Geschichte erfunden, die stark an ihre erinnere, aber an den entscheidenden Punkten davon abweicht. Vermarktet wird sie allerdings mit der Referenz zu Knox. "Diese Geschichte, meine Geschichte, handelt nicht von einer Amerikanerin, die im Ausland studiert und 'in ein sensationelles Verbrechen verwickelt' ist. Sie handelt von einer Amerikanerin, die NICHT in ein sensationelles Verbrechen verwickelt ist und dennoch zu Unrecht verurteilt wurde", erklärt Knox. 

Mehr noch, der Film spiele auf eine Theorie an, die immer wieder erwähnt wird. "Ich wurde beschuldigt, in eine Todesorgie verwickelt gewesen zu sein, ein schief gelaufenes Sexspiel, obwohl ich mit Meredith nur platonisch befreundet war. Aber das fiktionalisierte Ich in Stillwater hat eine sexuelle Beziehung zu ihrer ermordeten Mitbewohnerin", schreibt die heute 34-Jährige. "Ich werde weiterhin beschuldigt, 'etwas zu wissen, was ich nicht preisgebe', 'irgendwie beteiligt gewesen zu sein, auch wenn ich das Messer nicht angesetzt habe'. Tom McCarthys fiktionalisierte Version von mir ist also nichts anderes als die Version der Verschwörungsjournalisten."

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Paparazzi jagen sie

Am Ende gibt Knox einen Einblick in ihr Leben. Noch immer hat die große Medienaufmerksamkeit Folgen. "Ich wurde von Paparazzi gejagt, meine Geschichte und mein Trauma wurden (und werden) endlos zu Unterhaltungszwecken recycelt, und dabei wurde ich beschuldigt, die Aufmerksamkeit von der Erinnerung an Meredith Kercher abzulenken und eine Medienhure zu sein", schreibt sie. "Man hat mir nicht erlaubt, in die relative Anonymität zurückzukehren, die ich vor Perugia hatte. Ich habe nur die Wahl, tatenlos zuzusehen, wie andere meinen Charakter weiter verdrehen, oder dafür zu kämpfen, meinen guten Ruf wiederherzustellen, der zu Unrecht zerstört wurde."

Außerdem bietet sie Regisseur McCarthy sowie Matt Damon an, sich für ihren Podcast "Labyrinths" zu treffen. Bislang hat sich keiner der beiden zu ihrer Kritik geäußert. 

Verwendete Quelle: "Medium"

ls

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