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Sarah Silverman und Tina Fey: Am Ende lacht die Vagina

Die britische "Times" wählte sie gerade zu den zwei lustigsten Menschen der Welt: Tina Fey und Sarah Silverman. Sie stehen in den USA für eine neue Generation von Comedians: Sie sind weiblich, witzig, sexy - und erfolgreich. Und das, obwohl man ihnen prophezeit hat, dass ihnen etwas Entscheidendes dafür fehlt.

Von Katharina Miklis

Jerry Lewis behauptete vor einigen Jahren in der CNN-Talkshow "Larry King Live", dass Frauen einfach nicht komisch sein könnten: "Wir sprechen von einem Wunder Gottes, das Kinder hervorbringen kann." "You need a big hunk of meat between the legs", sagte einst auch der inzwischen verstorbene Michael O'Donoghue, erster Chefautor der Kult-Comedyshow "Saturday Night Live". Übersetzt heißt das soviel wie: Um Comedy zu machen braucht man Eier. Wenn er wüsste. Die Vagina hat die Eier längst überholt.

Die weiblichen Comedians haben ihre männlichen Kollegen in den USA längst eingeholt. An der Spitze: Tina Fey und Sarah Silverman. Die britische Tageszeitung "The Times" kürte die beiden gerade zu den "Queens of Comedy" und schreibt: "Die Comedy-Welt befindet sich im Umbruch - Die zwei lustigsten Menschen der Welt sind Frauen". Die amerikanische "Vanity Fair" fragt: "Wer sagt, dass Frauen nicht witzig sind?" und spricht von der "neuen Generation von Comediennes". Sie schauspielern, machen Stand-up-Comedy, schreiben und produzieren selbst. Und sind dabei unheimlich sexy.

Sarah Palin und der "Tina-Fey-Faktor"

Tina Fey, Darstellerin der republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin aus der berühmten Late Night Show "Saturday Night Life", war die erste weibliche Chefautorin in der Geschichte der NBC-Sendung. Mit ihrer Palin-Parodie bricht Fey derzeit alle Zuschauerrekorde. Ihr Palin-Zitat "ich kann Russland von meinem Haus aus sehen" ist in den USA zum Running Gag geworden. Mittlerweile spricht man sogar von dem "Tina-Fey-Faktor", der die Wähler nachhaltig beeinflussen könnte.

Die Quoten sind um 50 Prozent gestiegen, bis zu zehn Millionen Menschen schalten samstags um 23.30 Uhr ein zur Kandidaten-Parodie. Außerdem wird die Show bis zur Wahl nicht mehr nur einmal wöchentlich gesendet, sondern es gibt Sonderausgaben zur Primetime am Donnerstagabend. Bei den diesjährigen Emmy Awards, dem bedeutendsten Fernsehpreis der USA, war Tina Fey die Abräumerin des Abends. Die von ihr selbst entwickelte Comedyserie "30 Rock" erhielt gleich vier der wichtigsten Auszeichnungen - Fey selbst wurde als beste weibliche Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Die Charlotte Roche der amerikanischen Comedy

Sarah Silverman ist die Charlotte Roche der amerikanischen Comedy. Schon seit Jahren suhlt sie sich in den Feuchtgebieten des Fäkalhumors. Ihre Lieblingsthemen: das Furzen und die Vagina. Lange bevor bei uns Lady Bitch Ray den Vagina-Style für sich entdeckte, unterschrieb Silverman in den USA schon ihre Autogrammkarten mit "Vagina Silverman". Mit Witzen auf Kosten von Juden, Schwulen, Schwarzen oder Behinderten sorgt sie in den USA für Aufsehen. "Jeder gibt den Juden die Schuld am Tod Christi. Und die versuchen, es den Römern zuzuschieben", sagte sie einmal. "Ich bin eine der wenigen, die glauben, dass es die Schwarzen waren." Den durchbrechenden Erfolg hatte die 37-jährige Jüdin Anfang des Jahres mit ihrem Musikvideo "I'm fucking Matt Damon". Darin gestand sie ihrem damaligen Freund, dem US-Moderator Jimmy Kimmel, einen angeblichen Seitensprung mit dem Hollywoodstar. Das Video lief nicht nur in Kimmels Sendung sondern wurde mehr als 17 Millionen Mal im Internet angeklickt. Und erhielt einen Emmy - während ihr Freund Jimmy Kimmel leer ausging.

Seit Anfang 2007 hat sie beim US-Sender Comedy Central ihre eigene Show "The Sarah Silverman Program" - die erfolgreichste Sendung des Spartensenders. Die Premiere der Show zählt zu den erfolgreichsten Programmstarts des Senders und wird dort mittlerweile mit der dritten Staffel fortgesetzt. "Näher an eine Vagina werdet Ihr nicht kommen!" warb sie in einem US-Spot für ihre Sendung. Jetzt können auch deutsche Zuschauer in ihre Feuchtgebiete abtauchen.

Die Grundregeln der Comedy werden neu geschrieben

Warum gerät das Genre, das seit man denken kann fest in männlicher Hand ist, so langsam aus den Fugen? Die US-amerikanische Drehbuchautorin und Filmregisseurin Nora Ephron ("Harry und Sally") sieht den Grund im Kabelfernsehen: "Es gibt so viele Stunden zu füllen", erklärt sie in der "Vanity Fair", "so viele Männer gibt es gar nicht. Und die Frauen nutzen ihre Stunde". Timing ist alles bei Comedy. Vielleicht ist es auch das Prinzip "Quotenfrau": Ursprünglich nur als weiblicher Gegenpol bestimmt, merkt man plötzlich, dass sie viel lustiger sind, als viele ihrer männlichen Kollegen.

Während in den USA längst die neue Ära der Comedy angebrochen ist, sind in Deutschland die erfolgreichsten Comedians nach wie vor Männer. Mario Barth, Michael Mittermaier, Dieter Nuhr, Atze Schröder... Seit Anke Engelke mit "Ladykracher" 2004 aufhörte, kam nichts Vergleichbares mehr nach. Die einzigen Frauen, die zurzeit im Fernsehen als Comedians zu sehen sind, sind Penisbesingerin Mirja Boes und der der fleischgewordene Fun-Freitag Cindy aus Marzahn. Nicht witzig!

Die US-amerikanische "Vanity Fair" ließ vor einigen Wochen die witzigsten und besten Comediennes des Landes von Starfotografin Annie Leibovitz fotografieren. Die Entertainerin Sandra Bernhard war dabei, Kirsten Wiig ("Saturday Night Live"), Jenna Fischer ("The Office"), Maya Rudolph ("Saturday Night Live"), Chelsea Handler (Latenight-Talkshow "Chelsea Lately") oder Amy Poehler ("Blades of Glory"). Und natürlich Tina Fey und Sarah Silverman. Eier waren nicht zu sehen.

stern.de zeigt einmal pro Woche ein Best-of der Sarah-Silverman-Show auf dem Humor-Portal

Katharina Miklis