HOME

Schleichwerbung bei Kerner: Einfach nur mal googeln

TV-Moderatorin Andrea Kiewel hat in der Talkshow "Kerner" Werbung für die "Weight Watchers" gemacht und ihren Fehler mittlerweile eingestanden. Ebenso schlimm: Die "Kerner"-Redaktion hätte vom Treiben Kiewels schon vor der Sendung wissen können.

Von Björn Erichsen

Kein schönes Weihnachtsfest für Andrea Kiewel: Am Mittwoch kam heraus, dass die TV-Moderatorin in der "Kerner"-Show Anfang des Jahres Schleichwerbung für die Weight Watchers machte. Einen Tag später entschuldigt sie sich nun, "selbstverständlich hätte ich einräumen müssen, dass es eine PR-Vereinbarung gab", gibt sie sich reumütig in einer Verlautbarung ihres Managements. "Das war ein Fehler, für den ich mich ausdrücklich bei den Zuschauern und den Kollegen vom ZDF entschuldigen möchte." Helfen wird ihr das wohl nicht mehr, Kiewel droht die fristlose Kündigung beim Mainzer Sender.

Unschön für Kiewel, peinlich aber auch für Johannes B. Kerner: Zwar wurde er misstrauisch, als Kiewel in seiner Sendung am 23. Januar wieder und wieder den Firmennamen "Weight Watchers" nannte und hakte im Gespräch nach - jedoch ließ sich Kiewel mit ihrer Werbeshow davon nicht bremsen. Beim ZDF betont man derzeit die eigene Unwissenheit: "Damals war niemandem bekannt, dass es eine vertragliche Vereinbarung zwischen Frau Kiewel und den 'Weight Watchers' gab", sagt ZDF-Sprecher Peter Bogenschütz zu stern.de. "In der Kerner-Redaktion wurde alles richtig gemacht, der journalistischen Sorgfaltspflicht wurde nachgekommen."

"Davon kann wohl kaum die Rede sein", sagt dagegen Horst Müller, Professor im Fachbereich Medien an der Fachhochschule Mittweida. In seinem TV-Blog "Blogmedien" hatte er bereits am 27. Januar, also nur vier Tage nach der Kerner-Sendung, auf die mögliche Schleichwerbung aufmerksam gemacht: "Frau Kiewel war bis dahin wiederholt für die Weight Watchers in Erscheinung getreten, hat Galas für das Unternehmen moderiert, ebenfalls erschien zeitnah zur Sendung ein Interview in einer Firmenzeitung." Müller ist entsetzt darüber, wie einfach es ist, verbotene Werbung bei öffentlich-rechtlichen Sendern unterzubringen. "Die zuständigen Redakteure bei "Kerner" hätten doch nur einmal 'Weight Watchers' und 'Andrea Kiewel' bei Google eingeben müssen, dann wäre ihnen sofort aufgefallen, dass es da eine Verbindung gibt."

Inzwischen hat sich Andrea Kiewel öffentlich entschuldigt: Geld sei für die penetrante Firmennamennennung bei Kerner nicht geflossen. Aber "selbstverständlich hätte ich einräumen müssen, dass es eine PR-Vereinbarung gab, in deren Rahmen es zu einem Foto-Shooting und einem Interview-Termin kam", ließ die TV-Moderatorin nun über ihr Management verbreiten. "Das war ein Fehler, für den ich mich ausdrücklich bei den Zuschauern und den Kollegen vom ZDF entschuldigen möchte."

Doch unter ZDF-Kollegen beschränkte man sich lieber auf freundliches Nachfragen, denn auf eine ernsthafte Recherche bei der Gästeauswahl: "Wir haben Frau Kiewel im Vorfeld der Sendung noch einmal befragt, ob es eine Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen gebe, was sie verneinte", sagt Redaktionsleiter Markus Heidemanns zum Medienmagazin DWDL. Damit war der Schleichwerbungsverdacht für das ZDF abgehakt. Und außerdem verließ man sich darauf, dass alle Moderatoren ihre Werbeverträge offen legen würden - eine Regelung, die nach dem Bavaria-Skandal in der ARD um die Serie "Marienhof" eingeführt wurde. Doch Kiewel hatte dies offenbar versäumt, überprüft werden die Angaben des ZDF-Personals scheinbar auch nicht.

Beim ZDF ist man alles andere als erfreut über den Ärger so kurz vor dem Fest. Programmdirektor Thomas Bellut spricht im Fall Kiewel jedenfalls von einem "gravierenden Problem" und will eine Stellungnahme der Moderatorin abwarten, bevor Konsequenzen folgen sollen. Und so kann man die schlanke Kiewel wohl mindestens noch zweimal im ZDF-Programm erleben. Nach stern.de-Informationen sollen die Sendungen "Andrea Kiewel präsentiert: Advent in den Bergen - Zillertal" sowie "Mein allerschönstes Weihnachtslied" wie geplant am 23. bzw. 24. Dezember ausgestrahlt werden.

Peinlich ist den Mainzern der neue Schleichwerbungsskandal dennoch. (Un-)sichtbares Indiz: In der umfangreichen ZDF-Mediathek, in der ansonsten sämtliche Kerner-Sendungen zum Ansehen bereit stehen, fehlen ausgerechnet die Sendungen aus jener Woche, in der Kiewel ihr gut bezahltes Loblied wider die Speckröllchen sang.

  • Björn Erichsen