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Serienclub: "Grace&Frankie" So brüllend komisch haben Sie Jane Fonda noch nie gesehen


"Grace&Frankie" macht da weiter, wo im Kinoland längst abgeschaltet wird: nach der Hochzeit, nach den Kindern, nach der Menopause. Jane Fonda, Lily Tomlin, Martin Sheen und Sam Waterston werden Sie für den Winter erwärmen.
Von Sophie Albers Ben Chamo

Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, wenn man sich nicht mal mehr vorstellen kann, dass man gerade noch barfuß durch die Wohnung laufen konnte, dann ist "Grace&Frankie" genau das Richtige für eine Runde Binge-Watching: wohlig zieht man die Decke enger um sich. Und hat die einstelligen Temperaturen draußen prompt vergessen - angesichts perfekter Unterhaltung.

In der Netflix-Serie, deren zweite Staffel gerade entsteht, liefern sich die Grandes Dames des US-Kinos, Jane Fonda und Lily Tomlin, eine scharfzüngige Schlacht der Lebensvorstellungen, die nicht nur lustig und skurril, sondern auch nachdenklich und zutiefst herzerwärmend ist. Und das geht so:

Robert Hanson (Martin Sheen) und Saul Bergstein (Sam Waterston) sind seit Jahrzehnten beste Freunde, Chefs einer erfolgreichen Scheidungskanzlei - und ein heimliches Liebespaar. Mittlerweile haben sie die 70 überschritten und beschließen, endlich zu ihrer Liebe zu stehen. Also laden sie ihre Frauen, Grace (Fonda) und Frankie (Tomlin), zum Italiener ein, verkünden ihre Heiratspläne - und plötzlich wirft die elegante, stets so sehr auf Außenwirkung bedachte Grace mit Brot um sich, während Althippie Frankie in sprachloser Trauer versinkt.

Die Würde der Geschassten

Die Welt, wie Grace und Frankie sie kannten, liegt in Scherben, und die beiden Frauen flüchten ins Strandhaus, das die befreundeten Paare sich einst gemeinsam gekauft haben. Hier kollidieren funkensprühend zwei menschliche Charaktere, die nur eines gemeinsam haben: den Schmerz und den verletzten Stolz. Grace findet die esoterische Kunstlehrerin peinlich und Frankie die Fassadenpflegerin, die einst einem kleinen Kosmetikunternehmen vorstand, verklemmt. Unter anderem mit Hilfe vom Peyote (yup!) kommen sie einander schließlich näher. Allerdings nur bis zum Waffenstillstand.

In diesem fragilen Status Quo dekliniert die erste Staffel von "Grace&Frankie" die Verarbeitungsphasen der Verlassenen durch: von Schock, Wut und Trauer bis zu Einsicht, Trotz und Rückfällen. Und auch die Ex-Gatten müssen erst mal mit ihrem neuen Leben klar kommen, das sich zuweilen weniger frei anfühlt als erwartet. Natürlich mischen sich dann auch noch die Kinder ein - mit ihrem ganz eigenen Neurosen. Die Dialoge haben es wirklich in sich, schließlich geht es um Gefühle. Und die sind eben unberechenbar.

"Grace&Frankie" erhöhen die Temperatur

Marta Kauffman, Miterfinderin der Über-Serie "Friends", hat hier ihre Finger mit im Spiel. Und manchmal könnte man fast meinen, Phoebe und Rachel zu erkennen. Aber dann sind sie sofort wieder verschwunden, weil Fonda und Tomlin einfach viel zu stark sind, als dass ihre Figuren für irgendwelche Vergleiche herhalten müssten.

"Grace&Frankie" ist ein emotionales Rundum-Paket. Und wenn die letzte Folge von Staffel eins vorbei ist, sind Sie auf jeden Fall aufgeheizt.


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