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Spitzenpolitiker im Kulturcheck (5): Künast liebt Hepburn und Hübchen

Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast gibt im stern-Kulturcheck eine gute Figur ab. Wäre da nur nicht ihre peinliche Schwärmerei für Prinz Charles.

Kulturgeschichte
Kindheit in Recklinghausen, dennoch fern der Ruhrfestspiele. Jugend, Studium. Sozialarbeit, Jura. Da hatte sie anderes zu tun. Aber dennoch: LESEN (wenn nicht gerade gegärtnert wird).

Kulturbeutel


Musik:

Beethoven. Jazz. Da vor allem Quadro Nuevo. Die kennt (fast) keiner, und wirklich gut sind sie auch. Letztlich ist aber vieles politisch und das Lieblingslied also sehr parteilinienkorrekt: "Die Gedanken sind frei".

Kino:

Audrey Hepburn und Henry Hübchen - eine interessante, überraschende Kombination. Hübchen hat ja was Anarchisches, und Audrey ist ein Kult-Frauchen.

Buch:

Uwe Tellkamps "Der Turm", Orhan Pamuks "Istanbul". Geschichte und Weltoffenheit, völlig okay. All-time-Lieblinge: Jorge Amado und Tschingis Aitmatow. Gehobene Klasse, aber ein Hauch von Kitsch. Etwas Warmes braucht der Jurist.

Kunst:

Lotte Laserstein (Porträts) und Walasse Ting (Blumen, Tiere, Nackte, schön bunt). Originelle, uneitle Vorlieben (vgl. Westerwelle).

Sonstiges:

In ihrer Freizeit (wann immer das sein mag) möchte sie sich "gern öfter kreativ betätigen - malen, dekorieren, basteln." Das klingt ernsthaft bedrohlich. Möge die Frau weiter ordentlich zu rackern haben.

Sympathisanten


Niemand Spezielles, soweit man weiß. Aber grün ist immer noch chic in diesen Kreisen - für die Partei legen sich u. a. Nina Hagen, Inga Humpe, Mousse T. und Volker Brandt ins Zeug.

Kulturpanne


Künast hat sich außer einer unerhörten Schwärmerei für Prince Charles (wg. Öko-Lebensmittel) nichts Gravierendes zuschulden kommen lassen. Oder ist es vielleicht doch gravierend?

Fazit


Angenehm neugierig, ohne zu protzen. Solche Aussetzer wie die des Co-Spitzenkerls Jürgen Trittin, der raffinierte Theater-Inszenierungen wie Jürgen Goschs Berliner "Onkel Wanja" als irgendwie zu ästhetisch bemäkelt, passieren ihr nicht.

Agnes Fazekas, Helge Hopp, Hannes Roß, Matthias Schmidt, Bernd Teichmann