HOME

Streit um Papst-Satire: Klagen statt lachen

Aufregung um die MTV-Serie "Popetown": Nach heftigen Protesten hat der Sender die Werbung für die Papst-Satire eingestellt und die Kirche will die Ausstrahlung nun per Klage verhindern.

Das Erzbistum München und Freising überlegen den Musiksender MTV wegen der umstrittenen Papst-Satire "Popetown" zu verklagen. Das erzbischöfliche Ordinariat prüfe derzeit, in welcher Weise gegen die Werbung und gegen die beabsichtigte Ausstrahlung der Sendung vorgegangen werden könne, teilte das Bistum mit. Die Kirche werde sich auf den Straftatbestand der Störung des öffentlichen Friedens berufen.

In der Anzeige hat der Sender für die BBC-Produktion "Popetown" geworben, dargestellt wird ein vom Kreuz herabgestiegener Christus, der sich über die im Fernseher laufende Zeichentrickserie amüsiert, und dem Slogan "Lachen statt rumhängen".

Die Reklame sei von MTV nach Eingreifen des Deutschen Werberats gestoppt worden, teilte das Selbstkontrollgremium mit. "Die Anzeige hatte eine Beschwerdeflut ausgelöst." Zugleich rügte der Werberat den Sender.

In der Serie, die ab dem 3. Mai auf die Bildschirme kommen soll, lösten dem Sender zufolge ein "durchgeknallter Papst und ein krimineller Kardinal ungewollt-gewollte Todesfälle, die Versklavung von Kindern und weitere, äußerst seltsame Vorfälle in Popetown" aus.

Die Werbung und die Serie seien eine schwere Provokation gläubiger Christen, sagte Kardinal Friedrich Wetter. Die Auseinandersetzungen der jüngsten Zeit um Mohammed-Karikaturen, die von gläubigen Moslem als verletzend empfunden worden seien, "verlangten eine neue Sensibilität im öffentlichen Umgang mit Glaubensinhalten und religiösen Symbolen". Wetter forderte MTV auf, die Serie nicht auszustrahlen.

Zuletzt hatten sich in Deutschland auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die CSU gegen die Werbung und die Serie gewandt. CSU-Generalsekretär Markus Söder forderte eine Ausweitung des Paragrafen 166 im Strafgesetzbuch, in dem Störung des öffentlichen Friedens strafrechtlich geregelt ist. Der Schutztatbestand müsse auf religiöse Symbole erweitert werden, forderte er.

Die britische BBC gab die Produktion von "Popetown" ursprünglich für 2003 in Auftrag, verschob allerdings nach Protesten den Start der Serie und verzichtete schließlich ganz auf eine Ausstrahlung. Der Cartoon war bislang nur in Neuseeland zu sehen.

Reuters / Reuters
Themen in diesem Artikel