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"Tatort"-Kritik Jagd auf einen toten Mann


Polizeiarbeit kann richtig mühsam sein. Aber will man das im "Tatort" sehen? Die Kölner Kommissare sichten in "Benutzt" fleißig Akten. Das ist zwar realistisch - aber wenig spannend für den Zuschauer.

Unweigerlich möchte man jeden "Tatort" aus Köln an ihrer Folge "Franziska" messen. Die Episode um den Mord an der beliebten Assistentin (Tessa Mittelstädt) war ein Ausnahme-Krimi, hervorragende schauspielerische Leistung traf auf ein fesselndes Drehbuch. Doch die Glanz-Folge liegt nun schon fast zwei Jahre zurück und das Team um die Kommissare Ballauf (Klaus Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) dümpelt seither im Mittelmaß. Oft ein Problem: der langatmige Fall, wie diese Woche in "Benutzt". 

Weil der Mord, den die Kommissare aufklären, mit einem alten Fall in Verbindung steht, sehen wir Ballauf und Schenk die erste Hälfte des Films fast nur beim Aktenwälzen zu. Es geht um unsaubere Geschäfte: Nicht nur die alte Mordakte muss durchwühlt werden, sondern auch Unterlagen vom Zollkriminalamt. Zahlen hier, Fakten dort - mag sein, dass das realistische Polizeiarbeit ist, aber Spannung entsteht so nicht. Auch wenn sich das Drehbuch alle Mühe gibt, den Zuschauer abzuholen. Immer wieder fassen Ballauf und Schenk die Ermittlungen zusammen, wiederholen das aus den Unterlagen Gelernte.  Im Auto bei Currywurst, im Büro vor der Ermittlungs-Wand. Erst eine Verfolgungsjagd auf einem Dach bringt etwas Action - und auch einen guten Dreh.

"Ich sag dir, der lebt!"

Denn das Mordopfer aus dem alten Fall taucht plötzlich quicklebendig wieder auf. "Ich sag dir, der lebt!", war sich Schenk schon früh sicher. Wie der Totgeglaubte seine Schachzüge plant und sein Umfeld und die Polizei austrickst, bringt tatsächlich Spannung in den Krimi. Schade nur, dass die anderen Charaktere blass und klischeehaft bleiben. So lässt sich die langweilige Zollkriminalamts-Leiterin natürlich vom Charme eines Betrügers zu Schummeleien hinreißen und muss deshalb ihre Büro-Orchideen packen. 

Für eine kleine Überraschung sorgt immerhin der neue Assistent Tobias (Patrick Abozen). Er ist mittlerweile gut integriert, man spielt gemeinsam Billard, trinkt Kölsch. Nur Schenk wird aus unerfindlichen Gründen nicht warm mit ihm. Dafür flirtet die Hilfs-Ermittlerin vom ZKA den attraktiven Assistenten an. Und ganz nebenbei fällt dann ein Satz, den der Zuschauer nicht jeden Sonntag zu hören bekommt. Ob Kommissar Schenk seinen Kollegen nun bald besser leiden kann und nicht mehr in seinen Revolver-Tasse grummeln muss, bleibt abzuwarten.


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