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"Tatort"-Kritik: Kindergarten-Zoff statt Sonntags-Krimi

Der nervige Dauer-Streit im "Tatort" aus Ludwigshafen geht weiter: Kopper, Odenthal und Stern werden sich nicht grün - und die Zuschauer nicht warm mit dem Fall.

Tatort aus Ludwigsburg: Lena Odenthal bei der Arbeit

Szene aus dem "Tatort" aus Ludwigshafen: Es ist noch kein reibungslos funktionierendes Team aus Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Johanna Stern (Lisa Bitter) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) geworden.

SOS! Der " " aus Ludwigshafen braucht dringend Hilfe - und zwar am besten von der Super-Nanny. So nervig und penetrant entwickeln sich die kindischen Streitereien zwischen den drei Kommissaren Odenthal (Ulrike Folkerts), Kopper (Andreas Hopper) und Stern (Lisa Bitter). Da wird gestichelt und gekeift, geschrien und gemeckert und keine Gelegenheit ausgelassen, den anderen zurechtzuweisen.

Das, was die drei veranstalten, ist schlimmer als jede Scripted-Reality-Auseinandersetzung im Nachmittags-TV. Und lenkt auch nicht vom durchschaubaren und melodramatisch gestalteten Fall ab. Das einzige, was an der Folge "Du gehörst mir" wirklich schockt, ist die Vorstellung, in einem Büro mit dieser Stimmung arbeiten zu müssen. Als Zuschauer hat man seine eigenen Kollegen danach gleich etwas lieber.

Gleich zwei brutale Morde im "Tatort" aus Ludwighafen

Dabei startet der Krimi mit allem, was man für einen spannenden Fall brauchen kann: Die junge, schöne Ballerina Marie (Elisa Afie Agbaglah) liegt im Koma, sie wurde vergewaltigt. Der Täter ist kurze Zeit später auch tot  - brutal und absichtlich von einem Auto überfahren. Wollte sich hier jemand rächen? Die verzweifelte Mutter (Sandra Nedeleff) etwa, für die sich Kommissarin Odenthal auch nach Dienstschluss verantwortlich fühlt? Die Spur führt ins Bodybuilder-Milieu und zu Anabolika-Dealern. Und zum Freund der zugerichteten Tänzerin, einem bösen Buben, der auf Spanisch unter dem Namen "El Macho" rappt.

In Rückblenden werden Ausschnitte aus seinen Musikclips und Handyvideos von Maries bester Freundin Evelyn (Lilli Fichtner) gezeigt - leider in so hoher Dosis, dass es übertrieben kitschig wirkt. Überhaupt hat der Krimi ein Problem mit seiner Klischeehaftigkeit: Die naive Blondine vom Tresen im Fitnesstudio schreckt nicht vor heimlichen Sex-Selfies zurück. Um bei Facebook Likes zu sammeln, versteht sich. Die Rapper tragen Muskelshirts und provozieren die Polizei. Die Bodybuilder-Jungs sind böse Machos.

Ein vorhersehbares Ende

Und gerade weil alles so schablonenhaft wirkt, ist bereits in der ersten Viertelstunde klar, wer der Täter ist. Ungünstig, wenn es dann nur noch motzende Kommissare zu sehen gibt - deren schlechte Laune noch nicht einmal ausreichend erklärt wird. Kopper ist sauer auf Odenthal, weil diese einen Burn-out hatte und bei ihm ausgezogen ist. Odenthal ist sauer auf Stern, weil die sich auf Fakten konzentriert und den Alleswisser raushängen lässt. Und Stern ist sauer auf alle, weil zuhause bei Mann und Kindern wohl nicht alles in Ordnung ist. Doch das wird nur angedeutet. Wenn der Zuchauer beim nächsten Mal in Ludwigshafen jedoch stärker mit den Ermittlern mitfühlen soll, braucht es mehr echte Emotionen und weniger albernen Dauer-Streit. Und einen Fall, der mehr Rätsel aufgibt.

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