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"Polizeiruf 110" aus Brandenburg: Ein bisschen Weltuntergang

Sie will nur ein paar Tage auf dem Land verbringen, doch dabei gerät Kommissarin Lenski an einen Schrat, der in Erwartung des nahenden Weltuntergangs zum Selbstversorger geworden ist. Dieser "Polizeiruf 110" malt ein Bedrohungsszenario an die Wand, das leider kaum glaubwürdig wirkt.

"Polizeiruf 110" aus Brandenburg

Szene aus dem "Polizeiruf 110": Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel) wartet auf den nahenden Weltuntergang, Olga Lenski (Maria Simon) will dagegen nur ein paar Tage Landluft schnappen.

ARD
  • 2 von 5 Punkten
  • Ein "Polizeiruf 110" erzählt eine Geschichte über Selbstversorger und Anarchisten, die jedoch konstruiert und unglaubwürdig wirkt.

Worum geht's?

Weil bei ihr zuhause eingebrochen wurde, beschließt Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) ein paar Tage allein auf dem Land zu verbringen. Dabei gerät sie in eine merkwürdige Familie: Der frühere Arzt Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel) ist ein Prepper, ein Selbstversorger, der sich auf den Weltuntergang vorbereitet. Staatlichen Behörden misstraut er grundsätzlich, seine Kinder gehen nicht zur Schule. Kurz darauf ist seine Ehefrau tot. Valeska Kohlmorgen hatte kurz zuvor die Familie verlassen und sich einer Gruppe von Hackern angeschlossen, die mittels eines Angriffs auf die Energienetze den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung herbeiführen wollte. Und tatsächlich fällt der Strom aus...

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf"?

Wir sehen Polizei und Gesetze bisweilen als Einschränkung der persönlichen Freiheit an. Doch was ist, wenn die staatliche Ordnung zusammenbricht: Können wir uns dann uneingeschränkt entfalten - oder entsteht dann ein der Zustand der Anarchie, der uns willkürlicher Gewalt und damit viel größerer Unfreiheit aussetzt? Dieser Film wirft Fragen auf, die durch das Erstarken verfassungsfeindlicher Gruppen wie den Reichsbürgern an Aktualität gewinnen. 

Was nervt?

Wenn sich große Regisseure an Genrefilme wagen, können fantastische Resultate entstehen. Ein gutes Beispiel sind die Matthias-Brandt-"Polizeirufe" von Christian Petzold. Im Fall von Matthias Glasner ("Der freie Wille"), der auch das Drehbuch mitgeschrieben hat, ist jedoch eine arg konstruierte Geschichte herausgekommen, mit Figuren, die wie am Reißbrett entworfen wirken. Man merkt dem Film an, dass er nicht aus den Charakteren heraus erzählt wird, sondern einer übergeordneten Idee folgt.

Die einzelnen Personen sind nur mehr Träger verschiedener Anschauungen, so muss Olga Lenski auf plumpe Weise Konsumkritik von sich geben: "Das ist die Logik des modernen Menschen: Arbeiten um zu Kaufen. Mehr arbeiten, um mehr zu kaufen. Und dann irgendwann zwischen dem ganzen gekauften Zeug tot umfallen."

Die Kommissare?

Der Einbruch in ihre Privatsphäre setzt Olga Lenski mehr zu, als ihr lieb ist. So ist ihre Flucht aufs Land auch der Versuch, zu alter Stärke zurückzufinden. Ihr Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) hat da ganz andere Probleme: Er hat eine Beschwerde wegen sexueller Belästigung am Hast, weil er eine Kollegin aufforderte, sie solle ihren "süßen Arsch" hochkriegen.

Ein- oder Ausschalten?

Zwar enthält der "Polizeiruf 110" nachdenkenswerte Ansätze. Insgesamt überwiegen aber die Schwächen.

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