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"Tatort" aus Luzern: Reich frisst, arm stirbt: Ein "Tatort" über soziale Ungerechtigkeit

Eigentlich ermitteln die Kommissare Liz Ritschard und Reto Flückiger in einem Mordfall, doch dann geraten sie in eine Geiselnahme und werden selbst zu Opfern. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Mike Liebknecht (Mišel Matičević) nimmt Leonie (Cecilia Steiner), die Tochter des Schweizer Unternehmers Anton Seematter als Geisel

Mike Liebknecht (Mišel Matičević) nimmt Leonie (Cecilia Steiner), die Tochter des Schweizer Unternehmers Anton Seematter als Geisel

  • 4 von 5 Punkten
  • Ein packendes Kammerspiel, das soziale Ungerechtigkeiten thematisiert und am Ende eskaliert

Worum geht's?

Eine Wirtschaftsprofessorin wird erstochen in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Kommissare Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) ermitteln zunächst im beruflichen Umfeld des Opfers, stoßen dann jedoch auf den Unternehmer Anton Seematter. Dessen Tochter gehörte zu den Studentinnen der Dozentin. Als Ritschard und Flückiger Seematter auf seinem Anwesen aufsuchen, platzen sie mitten in eine Geiselnahme. Der deutsche Arbeitslose Mike Liebknecht (Mišel Matičević) hat die Schweizer Familie in seiner Gewalt. Es beginnen bange Stunden, in deren Verlauf sich private Dramen offenbaren.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Der Mord an der Dozentin ist nur die Rahmenhandlung für ein Kammerspiel, das sich in der Villa der Seematters abspielt. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und es ist nie klar, welche Wendung die Geschichte nehmen wird. Das macht den Fall "Friss oder stirb" bis zur letzten Sekunde spannend. Besonders überzeugend ist Mišel Matičević als nervöser Geiselnehmer. Zudem ist es ein "Tatort" zum Thema soziale Ungerechtigkeit: Auf der einen Seite die Superreichen, die glauben, mit Geld ließen sich alle Probleme lösen. Auf der anderen Seite die Abgehängten, die ihren Job verlieren, weil ein Unternehmen 13 Cent bei der Produktion eines Gewindes einsparen will. 

Was stört?

Der Film weiß zeitweise nicht, was er sein will: packendes Geiseldrama oder kindischer Klamauk. Dass sich Mike Liebknecht und Anton Seematter erst fast totprügeln und anschließend bei einem Bier Freundschaft schließen, passt nicht ins Bild. Auch Seematters Antwort auf die Frage, was er am Sonntagabend gemacht habe, ist albern. "Sonntag? Da schaue ich eigentlich immer 'Tatort'", sagt der Unternehmer.

Die Kommissare?

Reto Flückiger ist die ganze Zeit auf dem Sprung: Er hat seiner Freundin versprochen, mit ihr ins Konzert zu gehen. Doch daraus wird nichts, denn der Kommissar wird bei der Geiselnahme angeschossen und muss in der Villa ausharren. Seiner Kollegin Ritschard gelingt hingegen die Flucht und sie alarmiert die Kollegen. Die Ermittler sind in dem Fall aber nicht mehr als Statisten, der Fokus liegt auf dem Geiselnehmer Mike Liebknecht und der Familie Seematter. 

Ein- oder Ausschalten?

Es ist der letzte "Tatort" in diesem Jahr und eine der letzten Episoden aus Luzern. Ab 2020 ermittelt ein neues Team aus Zürich. Geben Sie Ritschard und Flückiger ruhig noch eine Chance - der Fall ist einer ihrer besten.

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