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"Tatort" aus Wien: Ibiza liegt jetzt an der Donau - ein Krimi zur Lage in Österreich

Eine ukrainische Oligarchin, ein Verbrechen und ein Innenminister, der die Ermittlungen behindert: Der neue "Tatort" aus Wien wirkt auf den ersten Blick erschreckend aktuell. Leider verzettelt er sich etwas.

"Tatort" aus Wien

Szene aus dem Wien-"Tatort": Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) befragen den Politiker Raoul Ladurner (Cornelius Obonya, r.), in dessen Haus sich ein Blutbad abgespielt hat.

ARD Degeto
  • 3 von 5 Punkten
  • Solider, etwas verschwurbelter "Tatort" aus Österreich.

Worum geht's?

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sitzen mit ihrem Vorgesetzten beim Abendessen, als bei allen das Telefon klingelt. Die Ermittler werden zu einem Tatort gerufen, ihr Chef bekommt währenddessen die Ansage vom Innenminister, dass die beiden gerade nicht ermitteln sollen. Eine Ansage, an die sich die beiden Dickköpfe selbstredend nicht halten. Im Haus des Politikers Raoul Ladurner (Cornelius Obonya) finden sie ein Blutbad vor: Seine Frau wurde mit einem Messer erstochen, und auch die Tochter erliegt kurze Zeit später ihren Verletzungen. War es ein Raubmord? Oder steckt eine ukrainische Geschäftsfrau dahinter, gegen die der Politiker im Untersuchungsausschuss vorgeht? Moritz Eisner favorisiert eine dritte Variante und verdächtigt Ladurner.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Ein Verbrechen, das bis in die erste Reihe der Politik hineinreicht - angesichts der Ibiza-Affäre um den früheren FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache scheint dieser Stoff brennend aktuell. Wie Eisner und Fellner immer wieder die Einmischung des Innenministers umgehen und den Fall nach und nach aufdecken, das ist sehenswert.

Was stört?

Ein etwas sinistrer Politiker. Zwei Töchter gleichen Namens, von denen eine vor langer Zeit starb. Eine ukrainische Geschäftsfrau. Ein Hehler. Und der Innenminister. Die meisten der maßgeblichen Figuren werden nur kurz angerissen. Ihre Verwicklung in den Fall wird nicht gezeigt, es wird immer nur darüber gesprochen. Das macht es für den Zuschauer enorm schwierig, den Überblick zu behalten. Gutes Fernsehen zeigt, anstatt immer nur zu behaupten. Davon ist dieser "Tatort" leider weit entfernt.

Die Kommissare?

So angespannt hat man Moritz Eisner selten erlebt. Der Ermittler verbeißt sich regelrecht in den Fall und gerät immer wieder mit dem Politiker Raoul Ladurner aneinander. Der erinnert Eisner offenbar an seinen eigenen Vater, der ihn immer provoziert hat - nur um ihn zu schlagen.Als Kompensation kaufen sich Eisner und Fellner eine Packung Zigaretten und qualmen sich den Stress von der Seele.

Ein- oder Ausschalten?

Ein etwas umständlich erzählter, aber leidlich unterhaltsamer "Tatort" aus Wien. Wer einschaltet, macht nichts falsch. 

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