Interview neue "Tatort"-Kommissare "Felix hat gelitten als Beifahrer"


Stuttgart hat zwei neue "Tatort"-Kommissare. Statt des behäbigen Bienzles sind jetzt zwei kernige Großstadt-Typen auf Verbrecherjagd: Richy Müller und Felix Klare. Im stern.de-Interview sprechen sie über Verfolgungsjagden, Schwulenszenen und soziale Schichten.

Herr Müller, Herr Klare, haben Sie mit der Rolle als "Tatort"-Kommissar ihre Lebensaufgabe gefunden?

Richy Müller: Wir machen erst mal vier Sendungen, dann sehen wir, wie es weitergeht. Bei mir ist es eine weitere Aufgabe in meiner Laufbahn als Schauspieler. Im Alter von Felix hätte ich so ein Angebot wahrscheinlich weit weg von mir geschoben. Felix Klare: Ich sehe das als Station und werde weiterhin auf der Bühne stehen.

Herr Klare, Sie sind ein Fernseh-Frischling. War "Tatort"-Kommissar zu werden, ein großer Schritt für Sie?

Aufgeregt war ich schon, aber ich habe mir keine Gedanken gemacht, wer da noch im Rennen um die Rolle ist. Und nach zwei Wochen hatte ich die Zusage. Was für mich besonders ist: Beim Theater kann man das Publikum besser einschätzen, da man eine direkte Reaktion bekommt. Beim Fernsehen weiß man nicht, wer einem zusieht.

Herr Müller, Sie spielen Kommissar Thorsten Lannert, außen grobschlächtiges Raubein, innen steckt eine sensible Seele. Hatten Sie Einfluss auf den Charakter der Figur?

Mein Input waren Wesenszüge, die ich der Figur mitgegeben habe. Den Gerechtigkeitssinn, seine Unbestechlichkeit, die aber nicht seinem menschlichen Gespür im Wege steht. Es war schön, dass meine Wünsche miteinbezogen wurden, dass da Leute waren, die meine Energie genutzt haben. Das ist eine gute Voraussetzung zum Arbeiten, das zeugt von gegenseitigem Respekt.

Herr Klare, Sie sind das Pendant zu Lannert, jung, smart, ein etwas glattgebügelter Karrierist ist dieser Kommissar Sebastian Bootz. Haben Sie diese Figur mitentwickelt?

Dass Bootz Frau und Kinder hat und ehrgeizig ist, war schon vorgegeben. Der Charakter war noch etwas penibler angelegt. Es gab eine Szene, in der er sein Lineal gerade rückt. Der Regisseur hätte es auch gut gefunden, wenn ich eine Brille gehabt hätte, aber das war mir zu dick aufgetragen. Mit den Werten, die die Figur hat, die dahinter stecken, kann ich etwas anfangen. Trotzdem wollte ich, dass die Figur mir nah ist.

Sie haben etliche Actionszenen, die in dieser Form nicht in jedem "Tatort" vorkommen. Die Autoverfolgungsjagd...

...Müller: Felix hat gelitten. Er musste zwei Tage nur auf dem Beifahrersitz sitzen und durfte nichts machen. Er war genervt. Die einzige Aktivität war sich festzuhalten. Da hat er mir leid getan. Ich selbst bin ein unsäglicher Beifahrer. Verdammt zum Nichtstun kann ich nicht haben. Und Felix musste das zwei Tage lang ertragen. Klare: Ja, könnte man so sagen.

Wurden Sie von Stuntmen gedoubelt?

Müller: Die Fahrszenen habe ich weitgehend selbst gemacht, aber die ganzen Crashs, das macht natürlich ein Stuntman. Es wäre falsche Eitelkeit, das selbst zu machen. Was hat man davon, wenn man sich so einen Vierpunkt- oder Sechspunktgurt in den Unterleib reinrammt?

Dann formiert sich das neue Team, der raubeinige Lannert und der penible Bootz. Und gleich beim ersten Einsatz müssen sie ein schwules Pärchen mimen, um in der illegalen Adoptionsszene zu recherchieren. Eine äußerst komische Szene.

Müller: Also dazu muss ich sagen - oder willst du erst was sagen? Klare: Wir hatten die Szene geprobt, wenn du das auch noch weißt, nämlich noch vor dem ersten Drehtag, und haben uns dabei ziemlich kaputt gelacht. Müller: Was mir im Nachhinein aufgefallen ist: Während wir das mimen, bekommen wir so weiche Gesichter, so zerfließend, ohne dass wir dieses tuckige Gehabe annehmen. Als wir aus der Agentur rauskommen und bei unserem Auto stehen, sind unsere Gesichter plötzlich wieder markant.

Im "Tatort" werden derzeit verstärkt Geschichten aufgegriffen, die für Aufschreie in der Öffentlichkeit sorgen, die brisant sind. Gibt es Themen, die Sie gerne verarbeitet hätten?

Klage: Ich fände gut, eine soziale Schicht zu zeigen, die am Rande einer großen Stadt lebt, die Kluft zu zeigen zwischen arm und reich. Müller: Da gäbe es an jeder Ecke eine Geschichte zu erzählen. Aber dafür sind wir noch nicht lange genug dabei.

Interview: Kathrin Buchner

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