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"Tatort" aus Stuttgart: Nette Pflegerin oder Todesengel? Dieser Krimi wirft Fragen auf

Eine rätselhafte Todesserie steht im Zentrum des neuen Stuttgart-"Tatorts": Mehrere Senioren sind gestorben, die alle von der gleichen Altenpflegerin betreut wurden. Ein Zufall? Die Folge "Anne und der Tod" ist ein erhellender Film über den Umgang mit Alten.

Tatort aus Stuttgart

Die "Tatort"-Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller, l.) und Sebastian Bootz (Felix Klare) verdächtigen die Pflegerin Anne Werner (Katharina-Marie Schubert), einige ihrer Patienten getötet zu haben.

ARD
  • 4 von 5 Punkten
  • Schweres Thema, überzeugend umgesetzt - ein überdurchschnittlicher "Tatort" aus Stuttgart.

Worum geht's?

Ein pflegebedürftiger Senior ist gestorben. Er fiel die Treppe hinunter. Oder wurde er gestoßen? Das glaubt zumindest seine Witwe und beschuldigt die Altenpflegerin Anne Werner (herausragend: Katharina Marie Schubert). Die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) finden zwar keine Hinweise auf eine Straftat. Dennoch werden sie stutzig: Bereits zwei Wochen zuvor verstarb ein Rentner unter ungeklärten Umständen, der von Werners mobilem Pflegedienst betreut wurde. Um Licht in die Angelegenheit zu bringen, laden die Ermittler die Frau vor - und nehmen sie zwei Tage ins Verhör.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

"Anne und der Tod " widmet sich einem im Fernsehen selten thematisierten Problem: dem Pflegenotstand. Eine gute, menschengerechte Betreuung von Senioren ist zeitintensiv und teuer. Um die Kosten im Rahmen zu halten, ist der Pflegebetrieb komplett durchrationalisiert. Alles ist durchgetaktet und wirtschaftlich optimiert, jede Leistung zeitlich genau bemessen: Drei Minuten für die Haarpflege, fünf Minuten fürs Waschen. Da können Zuneigung und Wärme schon mal auf der Strecke bleiben.

Der "Tatort" wirft aber auch einen Blick auf das Leben der Pflegerin, die für ihren harten Job mit 1500 Euro entlohnt wird und davon auch noch alleinerziehend ihren Sohn unterstützen muss. Der soll es einmal besser haben als sie. Damit er auf dem Gymnasium unter lauter Bürger-Kindern nicht auffällt, versucht sie seine soziale Herkunft zu verschleiern. Auf seine Billig-Jeans näht sie Designer-Etiketten, für den Discounter-Einkauf fährt sie 20 Kilometer weit, damit die Nachbarn nichts merken. Denn ihr Sohn soll kein "Alpha-Kevin" sein. Selten sind die sozialen Folgen von relativer Armut so klar beschrieben worden.

Was stört?

Lange Zeit ist dies ein packender Film, der in der Schwebe hält, wie die Rentner zu Tode gekommen sind. Doch leider wird die Spannung nicht bis zum Schluss gehalten. Dem Fall geht ein wenig die Luft aus, die Auflösung ist ein wenig enttäuschend.

Die Kommissare?

Mit dem Schicksal pflegebedürftiger Menschen konfrontiert, machen sich die Komissare Gedanken über ihre eigene Zukunft als Senioren. Klammern sie sich an jeden Tag, der ihnen noch bleibt - oder sehnen sie sich nach dem schnellen Ende?  

Ein- oder Ausschalten?

In gleichem Maße Gesellschaftsdrama wie Krimi - diesen "Tatort" sollten sie nicht verpassen. 

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