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"Polizeiruf 110" aus München: Gruseln und granteln: Darum dürfen Sie das Debüt von Verena Altenberger nicht verpassen

Sie spielte in der Serie "Magda macht das schon!" und erhielt für den Film "Die beste aller Welten" zahlreiche Preise. Jetzt debütiert Verena Altenberger als Ermittlerin im Polizeiruf - und glänzt auf ganzer Linie.

Polizeiruf 110 aus München

Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger) kümmert sich um den verstörten Polou

  • 4 von 5 Punkten
  • Ein packender Film und ein gelungener Einstand für Verena Altenberger als Polizeioberkommissarin Elisabeth Eyckhoff

Worum geht's?

Münchner Streifenpolizisten finden am Isarufer einen völlig verwahrlosten Jungen. Er ernährt sich von Tampons und Styroporflocken, spricht nicht, ist geistig zurückgeblieben und wurde schwer missshandelt. Polizeioberkommissarin Elisabeth "Bessie" Eyckhoff (Verena Altenberger) nimmt sich seiner an und gewinnt das Vertrauen des Kindes. Der Junge nennt sich Polou (Dennis Doms) und ist offenbar einer Art Kerker entkommen, in dem weitere Kinder gequält werden. Gemeinsam mit der Psychotherapeutin Dr. Judith Kutay (Katja Bürkle) versucht Eyckhoff unter Hypnose herauszufinden, wo der Junge gefangen gehalten wurde. Sie muss sich beeilen, denn Polous Peiniger sind ihm bereits auf der Spur und schrecken auch nicht vor einem Mord zurück.

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf 110"?

Im Dezember vergangenen Jahres verabschiedete sich Matthias Brandt nach sieben Jahren vom Münchner "Polizeiruf". Seit 2011 verkörperte er den Hauptkommissar Hanns von Meuffels. Seine Nachfolgerin ist nun Polizeioberkommissarin Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger) und die macht so einiges anders. Bessie, wie sie sich nennt, ist jung, schlagfertig und hört bei ihren Ermittlungen mehr auf ihren Bauch als auf ihren Kopf. Dass sie damit aneckt, ist vorprogrammiert. Zudem arbeitet sie nicht bei der Kripo, sondern ist Streifenpolizistin in Uniform. Jede Menge Neuerungen, die dem "Polizeiruf" gut tun. Ihr erster Fall überzeugt mit unkonventionellen Ermittlungsmethoden. Regisseur Florian Schwarz schuf bereits den hochgelobten Ulrich-Tukur-"Tatort" "Im Schmerz geboren" aus dem Jahr 2014. Für seinen "Polizeiruf" mit dem Titel "Der Ort, von dem die Wolken kommen" vermischt er Horror-Elemente mit einem verstörenden Kinder-Schicksal.

Was stört?

Der Film springt immer wieder zwischen zwei Ebenen: der Realität und der Hypnose. Wer nicht ganz genau aufpasst, verliert leicht den Überblick. Richtig nervig sind dafür die Klischees am Rande: Dass Kriminalhauptkommissar Christian Strasser (Norman Hacker) seine Kollegin Sissi ruft, nur weil sie aus Österreich kommt. Und dass Polizist Wolfgang Maurer jeder Frau hinterher steigt, mit den Sprüchen "Endlich darf ich wieder schießen" oder "Wenn sie nicht merken, dass du ihnen auf den Hintern blickst, dann ist das kein Sexismus". So etwas hat in einem modernen Drehbuch mit einer starken Ermittlerin nichts verloren.

Die Kommissare?

Bessie Eyckhoff arbeitet gemeinsam mit ihren Kollegen Wolfgang Maurer (Andreas Bittl) und Cem Halac (Cem Lukas Yeginer) an dem Fall. Wolfi, wie sie ihn nennt, "hat viel Freude am Durst, und Cem liebt Süßes so sehr, dass es am Ende bitter für ihn wird". Cem ist nicht nur Eyckhoffs Kollege, sondern auch ihr jüngerer Halbbruder, mit dem sie in einer WG zusammenlebt. Über die gemeinsame Vergangenheit der Geschwister erfährt der Zuschauer nicht viel, außer dass sie dieselbe Mutter haben. Bessie ist aber ganz klar diejenige, die die Ermittlungen vorantreibt, während Wolfi und Cem eher für Lacher sorgen. Nicht umsonst nennt Kriminalhauptkommissar Strasser die beiden "Dick und Doof".

Ein- oder Ausschalten?

Verena Altenberger liefert in ihrem ersten Fall einen starken Auftritt, den Sie nicht verpassen sollten - auch wenn Sie für den Krimi starke Nerven brauchen.