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"Tatort" aus München: Eine Stadt in Angst: Dieser Krimi erinnert an den Anschlag in München

Im Sommer 2016 tötete ein Jugendlicher im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen. In ihrem neuen Fall haben die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr mit einem ganz ähnlichen Einsatz zu tun.

"Tatort: Unklare Lage" aus München

Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) ermitteln nach einem Schusswechsel in einem Bus

ARD
  • 4 von 5 Punkten
  • Spannender Fall, der sich an wahren Ereignissen orientiert

Worum geht's?

Mitten am Tag fallen in einem Münchner Linienbus Schüsse. Der Fahrkartenkontrolleur liegt blutüberströmt am Boden, die Fahrgäste verharren panisch im Fahrzeug. Der Schütze ist der Schüler Tom Scheuer (Manuel Steitz). Er kann fliehen, wird aber wenig später aufgespürt und während eines SEK-Einsatzes erschossen. Für die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) ist der Fall jedoch noch lange nicht abgeschlossen: Sie sind sich sicher, dass Scheuer einen Komplizen hatte, der die geplante Tat zu Ende führt. Denn auf dem Computer des Jugendlichen findet sich die Anleitung zum Bau einer Nagelbombe. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, der die gesamte Stadt in Panik versetzt.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Regisseurin Pia Strietmann wählte für ihr "Tatort"-Debüt ein Ereignis, das bundesweit für Entsetzen sorgte. Am 22. Juli 2016 erschoss der Teenager David Sonboly neun Menschen im Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) und tötete sich anschließend selbst. Lange Zeit war unklar, ob es sich um einen Amoklauf oder ein terroristisches Attentat handelte, ob es einen oder mehrere Täter gab. Erst eine Woche zuvor hatte sich der Anschlag auf der Strandpromenade von Nizza ereignet und auch der Terror aus Paris im November 2015 war noch sehr präsent. Strietmann gelingt es, dieses Gefühl der Panik und Verunsicherung in ihrem Film glaubwürdig zu transportieren. Einerseits das Abwägen der Polizei, wie viele Informationen sie an die Öffentlichkeit geben kann, andererseits die Sorgen der Bevölkerung, dass sie absichtlich im Unklaren gelassen wird. Und zusätzlich die Hysterie durch soziale Medien, in denen immer wieder neue Fotos, Videos und Theorien verbreitet werden. Sie habe "das schwelende, sich steigernde Gefühl von einer bedrohlichen unklaren Lage an einem solchen Tag" zeigen wollen, sagt Regisseurin Strietmann. Das ist ihr gelungen.

Was stört?

Drehbuchautor Holger Joos und Regisseurin Pia Strietmann wollten einen Polizeifilm schaffen und bewusst nicht die Täter und ihre Angehörigen in den Fokus rücken. Dennoch stellt sich die Frage nach dem Motiv. Das wird nur vage angerissen, bleibt aber letztlich ungeklärt. Auch über die Hintergründe oder familiären Vorgeschichten der Beteiligten erfährt der Zuschauer gar nichts. Die Polizei-Direktorin Karola Saalmüller (Corinna Kirchhoff) bringt es zum Schluss auf den Punkt: "Wir müssen herausfinden, warum sie es gemacht haben." Diese Frage beantwortet der Film nur ungenügend.

Die Kommissare?

Während Batic und Leitmayr auf der Straße im Einsatz sind, wird Kriminalkommissar Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) in den Führungsstab verfrachtet. Zunächst fühlt sich der junge Polizist geschmeichelt, denn in dieser Schaltzentrale der Macht sitzen alle wichtigen Leute. Doch Kalli wird zum Diener zweier Herren: Am Telefon soll er die Wünsche von Batic und Leitmayr erfüllen, im Krisenstab muss er sich mit Polizei-Direktorin Saalmüller auseinandersetzen. Am Ende liefert Kalli schließlich den entscheidenden Hinweis - durch simple Zeugenbefragungen.

Tatort-Fakten: Das müssen Sie über die Münchner Kommissare wissen

Ein- oder Ausschalten?

Die Anspielungen auf den Anschlag im Münchner OEZ im Sommer 2016 sind unverkennbar. Wem das zu nahe geht, der sollte den Film vielleicht nicht sehen.