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Schnellcheck

Heute aus Stuttgart: Eine Stadt im Stau: Darum sollten sie zum "Tatort" einschalten

In der Sommerpause wiederholt die ARD einen "Tatort" aus Stuttgart, der sich lohnt: Ein Mädchen wird vom Auto überfahren, doch der Täter kann nicht weit sein, denn halb Stuttgart steckt im Stau. Die Kommissare Lannert und Bootz bekommen es mit einer Reihe verdächtiger Autofahrer zu tun.

Tatort

Tina Klingelhöfer (Susanne Wuest) erzählt Thorsten Lannert (Richy Müller), dass sie nicht weiß, durch welche Straßen sie fuhr, als sie ihre Tochter Miris (Anastasia Clara Zander) vom Ballett abholte. Klingt zwar unwahrscheinlich, aber eine Fahrt mit Miris würde wohl jeden verwirren.

Dieser "Tatort" aus Stuttgart wurde zuerst im September 2017 ausgestrahlt. Anlässlich der Wiederholung veröffentlichen wir noch einmal unseren Schnell-Check von damals:

Bewertung

  • 4 von 5 Punkten
  • Ein ungewöhnlicher "Tatort" in Agatha-Christie-Manier, der deutschen Alltag erschreckend gut wiedergibt

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Stuttgart im Feierabendverkehr: Wegen eines Rohrbruchs kommt die halbe Stadt zum Stehen, die Autofahrer sind genervt. Nicht weit vom Stau entfernt wird eine 14-Jährige tot am Straßenrand gefunden. Offenbar wurde sie angefahren, der Täter ist verschwunden. Doch die einzig mögliche Fluchtroute führt direkt in den Stau. Die Kommissare Lannert (Richy Müller ) und Bootz (Felix Klare) wittern dort ihre Chance, denn der einzige Zeuge der Tat ist erst drei Jahre alt. 

Warum lohnt er sich?

Hier das streitende Ehepaar auf dem Weg zur Paartherapie, dort der grantige Rentner, dazwischen eine Karrierefrau, die im Dienstwagen am Handy klebt und Eltern, die verzweifelt ihre Kinder bespaßen: Durch die Prämisse mit dem Stau wird der Krimi zum klassischen "Whodunnit" mit einem Ensemble von kuriosen Verdächtigen im Stil von Agatha Christie. Der jeweils passende Soundtrack in den Autos liefert einen ironischen Kommentar, von Peter Lichts "Wettentspannen" bis zur Richard-Sanderson-Schnulze "Dreams are my reality" ist alles dabei. Schön auch gleich der Einstieg, in der eine Kindergärtnerin quasi die Prenzlschwäbin gibt und herrlich authentisch über die bösen Eltern der Ottokars und Noahs herzieht. Der Film hat Humor und erzählt den Kriminalfall gleichzeitig sehr unaufgeregt.

Was nervt?

In diesem "Tatort" sind fast alle Protagonisten genervt - aber der Zuschauer zum Glück nicht. Nur gelegentlich überdreht der Krimi leicht, etwa wenn ein Wutbürger-Aufstand der Autofahrer arg gekünstelt wirkt oder die Rotzgöre auf der Rückbank sich allzu leicht von Kommissar Lannert bestechen lässt. 

Die Kommissare?

Ermitteln hier über weite Strecken getrennt: Bootz nutzt am Unfallort die Chance, mit der alleinerziehenden Mutter des Zeugen zu flirten, Lannert muss sich im Stau mit den Kollegen von der Streifenpolizei streiten. Leider lässt Richy Müller seinen Lannert manchmal etwas arg steif rechtliche Belehrungen aufsagen - aber hey: So ist das eben im Polizei-Alltag.

Ein- oder Ausschalten?

Unbedingt einschalten, miträtseln und froh sein, dass man gerade nicht im Stau steckt.

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