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TV-Kritik "Tatort" Zwei Küsse zum Abschied


Ein Abtritt, wie er sich gehört: In ihrem letzten "Tatort" ermitteln Charlotte Sänger und Fritz Dellwo unprätentiös, wie man es von ihnen gewohnt ist. Mit "Am Ende des Tages" hat Regisseur Titus Selge einen Krimi erschaffen, der fast durchgehend ein düsteres Vergnügen ist. Und am Ende sogar die Hoffnung auf mehr weckt.
Von Ulrike Klode

Es ist kalt in diesem "Tatort". Kommissarin Charlotte Sänger geht nicht ohne Schal aus dem Haus, beim Sprechen kondensiert der Atem. Genauso kalt wie das Wetter ist der Fall "Am Ende des Tages" erzählt: Die Bilder sind düster, die Aussichten trostlos, die Morde sind kaltblütig, die Kommissare verzweifelt. Und doch taucht in dieser kühlen Trostlosigkeit hin und wieder ein Fünkchen Wärme auf. Titus Selge (Buch und Regie) verabschiedet das Frankfurter Ermittlerduo mit einem sehr guten, aber ganz und gar unglamourösen Krimi.

Wie beim Frankfurter "Tatort" üblich, stehen auch in diesem Krimi nicht die beiden Kommissare im Vordergrund, sondern der Fall. Rudi Fromm (Peter Lerchbaumer), der Chef der Mordkommission, gerät unter den Verdacht, erst seine Geliebte und dann einen Polizeispitzel umgebracht zu haben. Der Zuschauer weiß von Anfang an, dass nicht der Vorgesetzte von Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) der Mörder ist, sondern ein Mann, der diesem aus irgendeinem Grund nahe steht. Schnell wird klar: Da nimmt jemand Rache. Doch wofür? Und warum so grausam? Nach und nach werden dem Zuschauer diese Fragen beantwortet, während auch die Kommissare der Wahrheit immer näher kommen.

Sänger und Dellwo - ein gegensätzliches Paar

Charlotte Sänger, die Unnahbare, bleibt sich treu: Sie zweifelt an der Unschuld ihres langjährigen Chefs. "Wir ermitteln jeden Tag in Fällen, in denen Leute sich getäuscht haben", sagt sie zu ihrem Partner Dellwo. Der, ganz der Bodenständige, der er immer ist, glaubt an das Gute in seinem Vorgesetzten und setzt alles daran, die Unschuld zu beweisen. Es ist dieser Gegensatz, der die Frankfurter "Tatorte" auszeichnet. Das Duo, das zwar wie ein altes Ehepaar schon weiß, was der andere sagen wird, das aber gleichzeitig so grundverschieden an Fälle herangeht.

Was die beiden Kommissare in diesem "Tatort" eint: Sie zweifeln an sich und ihrer Rolle. "Vielleicht höre ich auch ganz auf. 'Hände hoch, Waffe weg, wo waren sie am Donnerstag.' Ist doch immer dasselbe!", schimpft Dellwo. Und Charlotte Sänger spricht von mulmigen Gefühlen, dass dieses der letzte gemeinsame Fall sein könnte. Das Charmante daran: Es wirkt nicht aufgesetzt oder nur eingebaut, weil es sich tatsächlich um den letzten "Tatort" der Kommissare handelt. Es wirkt selbstverständlich, dass diese beiden Ermittler nach langen Jahren im Job und vielen grausamen Morden den Sinn ihrer Arbeit nicht mehr sehen und sich nach etwas anderem sehnen.

Das Ende nach dem Ende

Gleichzeitig beschleicht den Zuschauer hin und wieder die Angst: Soll das alles darauf hindeuten, dass die beiden am Ende gar erschossen werden? So wird der Showdown, der mit einem Duell à la "High Noon" auf dem Eisernen Steg über dem Main eigentlich etwas überdreht wird, wieder spannend. Der Schluss ist klassisch: Täter tot, Ermittler leben.

Und glücklicherweise folgt dem einen Ende im winterlich-kalten Frankfurt ein anderes Ende, das das Herz ein ganz klein wenig erwärmt und auch ein Anfang sein könnte: Sänger und Dellwo genehmigen sich nach ihrem harten Arbeitstag in ihrem Büro ein Bier. Und küssen sich - wenn auch nur auf die Wange. Mit einem lapidaren allerletzten Satz, der gar nicht nach einem letzten Satz klingt, aber so perfekt zur "Tatort"-Reihe aus Frankfurt passt, verabschiedet sich das Duo: "Wir könnten ja im nächsten Sommer zusammen in die Ferien fahren."

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