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"Tatort"-Kritik: Stadt-Amazonen, die wild rumballern

Waffen-Duelle im Wald, Banküberfälle mit Masken, Frauen, deren Hobby das Schießen ist - kaum ist Kollege Dellwo nicht da, gerät "Tatort"-Kommissarin Charlotte Sänger in schlechte Kreise, unter die "Waffenschwestern". Sie ermittelt mit weiblicher Intuition und scharfer Munition.

Von Kathrin Buchner

Na, das kann ja heiter werden: Die sowieso schon leicht psychotisch veranlagte Kommissarin Charlotte Sänger leidet unter Ladehemmung und wird vom Dienst suspendiert. Doch bis Ende dieser "Tatort"-Folge bekommt sie ihr Problem in den Griff: Zum ersten Mal in ihrer Polizei-Laufbahn macht die Kommissarin, deren Eltern ermordet wurden, von ihrer Waffe Gebrauch und erschießt jemanden.

Wie es dazu kam, ist eine ziemlich krude, nicht gerade aus dem Leben gegriffene Geschichte um Großstadt-Amazonen, die sich einen Kick holen, indem sie mit Waffen rumballern. Am liebsten treffen sie sich nachts im Wald. Dann spielen sie historische Duelle von Puschkin bis Lasalle nach. Nebenbei überfallen sie Banken. Getarnt mit Teufelsmasken, die sie über den Kopf ziehen - eine Referenz an den Hollywood-Film "Gefährliche Brandung" mit Patrick Swayze, der mit seiner Surferclique ebenfalls Banken überfällt. Sie verwenden als Tarnung Masken der amerikanischen Präsidenten.

Banküberfälle mit Teufelsmasken à la Hollywood

Keanu Reeves ist es in diesem Film, der sich als Undercover FBI-Agent in die Surferclique einschleicht, und irgendwann nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden kann. Auch Charlotte Sänger erreicht eine gefährliche Nähe zu der Anführerin der "Waffenschwestern": Jule Fischer (Nina Kronjäger) ist eine abgebrühte Selbstdarstellerin mit weichem Kern, eine Feministin der Straße, die im Zuge ihres Rachefeldzugs Solidarität mit Sänger walten lässt. Denn Sänger hatte nicht auf Fischers Halbschwester geschossen, die unter Drogeneinfluss wahllos auf Passanten in einer Frankfurter Straße gezielt hatte. Den Job hat ein Streifenpolizist erledigt, Typ Chauvi, der dafür von den Waffenschwestern exekutiert werden wird.

Scheues Reh und scharfe Analystin

Eine komplizierte und arg konstruierte Geschichte, in der einerseits weibliche Intuition hoch gehalten wird, andererseits Frauen wie Kerle mit scharfer Munition ballern. Fast wie ein Drama ist es angelegt, das Kräftemessen zwischen zwei starken Frauen, die sowohl gegeneinander als auch gegen die Männerwelt kämpfen. Schauspielerin Sawatzki als Kommissarin Sänger zieht dabei alle Register: mal scheues Reh, mal unsicheres Psychowrack, mal kühle Analystin, eine Frau, die auf eigene Faust loszieht. Die Opfer und Täter, Beute und Jäger zugleich ist. Und am Ende ist es ihre Gegenspielerin, die Sawatzki auffordert, sie zu erschießen - und sie damit wieder für den Polizeidienst rehabiliert.