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TV-Kritik "Günther Jauch" Auf der Suche nach dem Hoeneß in uns


Uli Hoeneß hat die Schlagzeilen der vergangenen Woche bestimmt. Und widmete sich Günter Jauch dem Thema erneut. Dumm nur, dass zum Thema eigentlich längst alles gesagt war.
Von Dominik Brück

Kaum ein Thema war in der vergangenen Woche in den Medien so präsent wie der Prozess gegen Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Live-Ticker aus dem Gerichtssaal wurden eingerichtet, Freunde, Bekannte und Fans befragt und jedes Detail der Steuerhinterziehung sofort analysiert. Nach dem Urteil gab es dann Artikel, weitere Analysen und Kommentare – die einen für, die anderen gegen Hoeneß. Eigentlich war ziemlich schnell alles gesagt und man hätte sich wieder anderen Themen widmen können. Wäre da nicht die Sendung von Günther Jauch.

Mein Freund, der Hoeneß

Der Talkmaster griff das Urteil am Sonntagabend wieder auf und hatte dazu Gäste eingeladen, die mehr oder weniger etwas mit Uli Hoeneß zu tun hatten, oder zumindest etwas zum Steuersystem sagen konnten. Worüber genau sie nun eigentlich diskutieren sollten, war der Runde selbst nicht so ganz klar. So wandte man sich zunächst der offensichtlichsten Frage zu, obwohl auch die in unzähligen Kommentaren an den Vortagen bereits beleuchtet wurde: Ist das Urteil gerecht?

Die Antwort darauf war schnell gefunden. Im Prinzip waren sich alle einig, dass Uli Hoeneß eine angemessene Strafe für die Hinterziehung von rund 28,5 Millionen Euro bekommen hat. stern-Autor Hans-Ulrich Jörges nutzte die Gelegenheit, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass sein guter Freund Uli Hoeneß ja eigentlich ein guter Mensch sei. Die Steuerhinterziehung sei natürlich "asozial", aber der Umgang von Hoeneß mit dem Urteil könne ihn letztlich doch noch zu einem Vorbild machen. Dem pflichtete Sportjournalist Waldemar Hartmann bei und erzählte noch ein paar schöne Anekdoten von ihm und Uli Hoeneß. Publizist Jakob Augstein wies noch einmal darauf hin, dass er in dem Ex-Bayern-Manager eben kein Vorbild sehe: "Es gibt keine Steuersünder. Steuerhinterziehung ist eine Straftat."

Das Steuersystem ist (immer noch) ungerecht

Damit hatte sich die Personalie Uli Hoeneß schon fast erschöpft und man ging zu einer anderen bereits hundert Mal geführten Diskussion über – die Gerechtigkeit des Steuersystems in Deutschland. Natürlich gab es wie bei jedem Thema, das schon so häufig debattiert wurde, auch bei Günther Jauch nicht viel Neues zu erzählen. Der liberale Unternehmer Thomas Selter wetterte gegen zu hohe Steuern und sprach sich für mehr Spielräume für Privatunternehmen aus, und die sozialdemokratische ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin hielt dagegen.

Neue Erkenntnisse waren an diesem Abend eben selten: Je nachdem wie man es sehen wollte, werden die Reichen immer noch bevorzugt oder die Steuerlast ist noch immer viel zu hoch, was laut Unternehmer Selter zu Schwarzarbeit und Steuervermeidung führt. Selbstverständlich benötigt man zur Beseitigung dieser Probleme – hier waren sich beide Seiten einig – immer noch eine internationale Lösung. Wie diese aussehen sollte, konnte auch in den 60 Minuten Sendezeit niemand beantworten.

Der Hoeneß in uns

Viel zu spät lenkte Moderator Jauch dann das Gespräch auf die Frage, ob nicht ein kleiner Hoeneß in jedem von uns steckt, wo doch so viele Menschen regelmäßig bei der Steuer schummeln. Intensiv diskutieren konnte man eine der wenigen interessanten Fragen des Abends aber nicht mehr, da vor Ende der Sendung auch noch die Zukunft von Uli Hoeneß angesprochen werden musste. Wie diese aussieht, konnte keiner der Gäste sicher beantworten. Immerhin blieb so der rote Faden der Diskussion erhalten: viele Fragen, die schon oft gestellt wurden und ein Mangel an Antworten oder zumindest kreativen Beiträgen.


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