HOME

TV-Kritik "Günther Jauch": Ausgebeutet und allein gelassen

Mitten in Deutschland arbeiten Menschen für Hungerlöhne von 900 Euro oder weniger. Was tun gegen Lohnsklaverei? Die Runde bei Jauch befand: Arbeitgeber besser kontrollieren und Mindestlohn einführen.

Von Simone Deckner

Stellen Sie sich das mal vor: Um zwei Uhr nachts klingelt das Telefon. Ihr Chef ist dran. Sie sollen sofort zur Arbeit kommen. In eine Fabrik, in der sie körperlich schwer schuften müssen. Nach drei Stunden gibt es nichts mehr zu tun. Sie gehen übermüdet zurück in ihre Unterkunft, die sie sich mit vielen ihrer Arbeitskollegen teilen: Es ist eng. Sie schlafen im Stockbett. So geht das tagein tagaus. Am Ende des Monats kriegen sie ihren Lohn ausgezahlt: Bar auf die Hand. Ganze 900 Euro.

Kein schlechter Scherz, sondern für viele Leiharbeiter in Deutschland bittere Realität. Viele davon kommen aus Osteuropa. Im Gepäck: Die Hoffnung auf ein besseres Leben. Es sind Menschen wie Marie Eckl. Die Frau aus Tschechien hat in einem Schlachthof in Süddeutschland als Hilfskraft gearbeitet. Angestellt war sie bei einem Subunternehmen. Ihre Schichten begannen um Mitternacht. Verdiente die Hilfsarbeiterin anfangs noch 1500 Euro, wurde ihr der Lohn für die gleiche Arbeit immer weiter gekürzt. Bei 900 Euro war für Eckl und viele ihrer Kollegen Schluss: Sie erschienen nicht mehr zur Schicht. "Davon kann man nicht leben", sagt sie bei Günter Jauch.

Schwer verdauliche Arbeitsbedingungen

Derartige Meldungen über Lohndumping und schikanöse Arbeitsbedingungen mitten in Deutschland häufen sich in letzter Zeit. Der Versandriese Amazon hat ein massives Imageproblem, seitdem herauskam, dass er ein dubioses Subunternehmen beauftragt hat, das Mitarbeiter schikanierte. Bei anderen Paketdiensten klagen Fahrer über Stundenlöhne zwischen drei und vier Euro. Und Autobauer Daimler steht in der Kritik wegen undurchsichtiger Werksvertragskonstruktionen. Die berechtigte Frage bei Günther Jauch lautete daher: "Lohnsklaven und Menschenschinder - verkommen wir zum Billiglohnland?".

Neben Marie Eckl saß der freie TV-Journalist Michael Nieberg. Gemeinsam mit seinem Kollegen Marius Meyer hat er monatelang nachgeforscht, unter welchen Bedingungen Osteuropäer in der hiesigen Fleischbranche arbeiten. Seine Ergebnisse: äußerst schwer verdaulich. Nieberg spricht von systematischer Ausbeutung. Auch mittelständische Betriebe würden sich über Subunternehmen jeglicher arbeitsrechtlicher Verantwortung entziehen. Schlimmer noch: Arbeiter, die es wagen, aufzumucken, werden massiv bedroht. "Es geht nie um die Menschen. Es geht immer nur ums Geld", sagt er. Die ARD zeigt am 24. Juni um 22.45 Uhr die Reportage "Lohnsklaven in Deutschland".

Gesetze ändern oder nur besser kontrollieren?

Rainer Wagner, Präsident des Bundesfachverbandes Fleisch und Metzger in vierter Generation, versuchte dann auch erst gar nicht, das Problem zu leugnen. Eine "Schweinerei" seien solche Methoden, wetterte Wagner. Er sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, die "schwarzen Schafe" zu bestrafen. Der einzige Politiker in der Runde, FDP-Fraktionsvize Martin Lindner, antwortete leicht genervt: Die entsprechenden Gesetze gäbe es längst. Das Problem sei jedoch, deren Einhaltung zu kontrollieren.

Wie schwierig das ist, wusste Journalistin Diana Löbl. Sie hatte mit ihrer TV-Doku vor vier Monaten den Amazon-Skandal ins Rollen gebracht. Löbl rechnete vor, dass 18.500 Leiharbeitsfirmen hierzulande nur 55 Kontrolleure gegenüberstehen. Die Journalistin trocken: "Eigentlich kontrolliert diesen Bereich niemand." Das wollte Gewerkschafter Klaus Wiesehügel, der auch Mitglied des Kompetenzteams von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist, nicht auf sich sitzen lassen. Die Gewerkschaften würden sich sehr wohl um Leih- und Wanderarbeiter kümmern. Viele ausländische Arbeiter kämen etwa zu Beratungsstellen, weil ihnen der Lohn nicht ausgezahlt würde. Wiesehügel besorgt: "Es entwickelt sich da eine Kultur bei uns, die nicht hinnehmbar ist."

"Moderne Form der Sklaverei"

Das hat auch Kirchenmann Peter Kossen, Prälat aus Vechta, festgestellt. Er spricht unverhohlen von "einer modernen Form der Sklaverei" und verweist darauf, dass immer mehr Menschen zu Tafeln gehen müssten, um überhaupt noch etwas zu essen zu bekommen. Viele lebten zudem zusammengepfercht in menschenunwürdigen Unterkünften. Klassens Appell: "Wir müssen die Leute aus der Isolation holen!"

Wie das gehen soll, darüber waren sich die Diskutanten uneinig. Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn könnte ein erster Schritt sein, findet Gewerkschafter Wiesehügel. Derzeit würden rund 7 bis 8 Millionen Menschen für weniger als 8,50 Euro die Stunde arbeiten. Es dürfe keine Sub-Sub-Sub-Sub-Unternehmerketten mehr geben. Wieso nicht Rumänen direkt anstellen? Dass das erst ab 1. Januar 2014 geht, wenn auch Bulgaren und Rumänen die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit genießen, darüber musste er sich von Kossen und Nieberg belehren lassen. Letzterer glaubt daran, dass man die Lohndrücker am härtesten damit treffen kann, indem man sie "gesellschaftlich ächtet." Wie eine solche Ächtung konkret aussehen könnte, blieb leider unbeantwortet.

Immerhin: Marie Eckl, die ehemalige Schlachthofarbeiterin, sieht optimistisch in die Zukunft. Sie hat sich umschulen lassen und will künftig in der Pflege arbeiten. Hoffentlich nie wieder für einen Dumpinglohn.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(