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TV-Kritik "Günther Jauch": Fall Schumacher - Promis sind auch nur Menschen

Wie weit darf man im Privatleben einer öffentlichen Person herumstochern? Am Beispiel Michael Schumacher spricht Günther Jauch über die Grenzen der Berichterstattung. Mit dabei: Schumis Managerin.

Von Simone Deckner

Michael Schumacher zeigt "kleine Fortschritte". Er hat "Momente des Bewusstseins". Das sind gute Nachrichten für alle, die um Schumi bangen, seitdem er vor über 100 Tagen nach einem Skiunfall ins Koma fiel. Seine Managerin und Vertraute Sabine Kehm überbringt sie bei "Günther Jauch". Dabei macht sie klar, dass sie sich zu Details auch weiterhin nicht öffentlich äußern wird. Weil diese Dinge privat sind, wie sie sagt.

Jauch nimmt das allgemeine Durchdrehen der Medien im Fall Schumacher zum Anlass, um über "Prominente und die Grenzen der Berichterstattung" zu diskutieren – oder über das Fehlen eben dieser. Welches Recht auf Privatsphäre haben Promis? Ein spannendes Thema. Mit spannenden Gästen: Neben Kehm sitzt mit Alfred Draxler ein Schwergewicht der "Bild"-Zeitung (bis Januar stellvertretender Chefredakteur, jetzt "Sportbild") bei Jauch. Hans Paul verdient sein Geld als Paparazzo mit dem Abschießen von Promis. Rolf Hellgardt ist Lebensgefährte von Sportmoderatorin Monica Lierhaus, die 2009 nach einer Hirn-OP vier Monate im künstlichen Koma lag. Mit Dominik Höch komplettiert ein Fachanwalt für Medienrecht die Runde.

„Ferndiagnosen sind ein großes Ärgernis“

Zu Beginn spricht Jauch mit Sabine Kehm allein. Die ehemalige Journalistin kennt den Nachrichtendruck, der in Redaktionen herrscht. Es soll berichtet werden, auch wenn es eigentlich gar nichts Neues zu berichten gibt. Das führt bisweilen zu etwas, das man Mutmaßungsjournalismus nennen könnte. Als "ein großes Ärgernis" bezeichnet Kehm die "Ferndiagnosen" diverser Mediziner. Immer wieder würden sich diese von außen einschalten und "den Gesundheitszustand von Michael interpretieren", so Kehm.

Mit der Realität habe dies rein gar nichts zu tun. Da aber alle voneinander abschreiben "manifestiert sich eine virtuelle Wirklichkeit." Man fühle sich gezwungen, zu reagieren. Dabei brauche die Familie von Schumacher vor allem Ruhe. Auch Aussagen wie zuletzt von Schumacher-Kollege Jean Alesi, der von einer großartigen Entwicklung gesprochen hatte, seien wenig hilfreich. "Das bringt wieder Unruhe. Man muss sich wieder mit den Medien auseinandersetzen." Nur positive Worte fand Kehm hingegen für das "liebevolle Interesse der Fans".

Fotograf in der Mülltonne

Bild-Mann Draxler unterstreicht das "immense öffentliche Interesse" am Schicksal Schumachers, das nicht zuletzt seine Zeitung fleißig befeuert. Draxler staatsmännisch: "Ich glaube, es gelingt uns, damit verantwortungsvoll umzugehen." Ein Satz, dem Managerin Kehm nicht widerspricht. Da auch Jauch nicht weiter nachhakt, nutzt Draxler die Zeit ungeniert für weitere Werbung in eigener Sache: Man habe sich auch im Fall Robert Enke und Rudi Assauer nicht so verhalten, wie man es der Boulevard-Zeitung oft nachsage. Man wünschte sich einen kritischen Kollegen wie Stefan Niggemeier herbei, dem vermutlich spontan 185 Gegenbeispiele zum Thema "über Leichen gehen" eingefallen wären.

Dick im Boulevard-Geschäft ist Paparazzo Hans Paul. Sein Metier: Prominente abschießen. Wenn es sein muss, auch aus der selbst gebauten Mülltonne mit Sehschlitzen heraus. Jauch: "Haben sie keine Skrupel?" Paul: "Ob das rechtswidrig ist, entscheidet die Redaktion." Er liefere nur das Material, entscheiden müssten andere. "Ich bin nicht böse. Das ist ein Spiel", so Paul. Sein erstes, großes Honorar brachte ihm 1997 ausgerechnet ein Foto von Michael Schumacher. Ein Bild von Schumi im Krankenbett interessiere ihn hingegen gar nicht. "Dafür gibt es gar keinen Markt", behauptet Paul. Niemand würde ein solches Foto drucken – aus Angst vor den juristischen Folgen.

„Es lohnt sich, standhaft zu sein.“

Kein Problem hatte der selbst ernannte "Promi-Jäger" aber, sich als Arzt verkleidet in eine Klinik einzuschleichen, in der Harald Juhnke zu der Zeit Patient war. Von Jauch darauf angesprochen, wiegelt Paul ab. Er sei damals "noch jünger" gewesen. Außerdem habe Juhnke die Fotos später selber lanciert. Laut Paul eine übliche Praxis. Private Feiern wie Hochzeiten würden erst groß angekündigt, um dann unter größtmöglicher Abschottung stattzufinden. Kurze Zeit später verkauften die Promis die Fotos dann exklusiv. Paul leicht weltfremd: "Die Promis nehmen mir die Arbeit weg."

Darum gehe es heute aber nicht, so Medien-Anwalt Dominik Höch. Sondern um die Verletzung der Privatsphäre von Prominenten. Die müssten sich wehren, rät Höch. Es lohne sich "auf Dauer, standhaft zu sein". Irgendwann spreche es sich herum, dass Promi A sofort schwere Geschütze auffahre, während Promi C kaum Gegenwehr zeige. Wer, wie Paparazzo Hans Paul, heimlich Fotos aus präparierten Mülltonnen schieße, verhalte sich "moralisch verwerflich", so Höch. Und wer auch nur versuche, Fotos vom Schumis Krankenbett zu machen, verhalte sich bereits "eklatant rechtswidrig". Dass es diese Versuche gab, bestätigte Managerin Kehm. Es habe sich nicht nur ein Reporter als Priester verkleidet Zugang verschaffen wollen. Ein anderer habe sich sogar als Vater von Michael Schumacher ausgegeben.

Von der Regenbogenpresse ist niemand gekommen

Interessant in diesem Zusammenhang, was Rolf Hellgardt berichtet. Fast zwei Jahre lang verlor er kein Wort über den Gesundheitszustand seiner Freundin Monica Lierhaus. Keine Interviews, keine Pressemitteilungen, nichts. Das Schweigen sei aber keine bewusste Strategie gewesen, sondern habe sich aus der Situation heraus ergeben: "Uns wurde schnell klar: Hier gilt es etwas zu beschützen." Wie real die Sorge war, zeigte sich nicht zuletzt an diesem Vorfall: Ein Reporter schickte einen Blumenstrauß an die Sportmoderatorin, präpariert mit einem Mikrofon.

Besonders problematisch: die Berichterstattung der so genannten Regenbogenpresse. Titel wie "Freizeit Revue", "Das Goldene Blatt" oder "Das Neue". Die Leser: vornehmlich weiblich und über 70 Jahre alt. Aktuell gibt es rund 70 dieser Hefte hierzulande auf dem Markt – mit einer Millionenauflage. Von besagten Magazinen traut sich niemand zu Jauch. Und so dokumentiert Moritz Tschernak vom kritischen Blog "topfvollgold.de" – einer Art "Bildblog" für die Yellow Press – die üblichen Strickmuster: Typisch seien die "Wunder- und die Trauergeschichten". Mal heißt es da unter der Überschrift "Wach! Schumacher sei aus dem Koma aufgewacht. Dann liest man: "Bittere Tränen am Krankenbett".

"Das ist Schweinepresse"

Recherchen bestünden zum Großteil aus "Ferndiagnosen", die junge Journalistinnen zu einer story zusammen stricken würden. Tschernak: "Wenn aber de facto etwas Falsches berichtet wird, hört der Spaß auf." Bild-Mann Draxler drückt sich weniger diplomatisch aus: "Das ist kein Journalismus, das ist Schweinepresse." Anwalt Höch gibt zu Bedenken, dass sich auch die seriöse Presse immer mehr "boulevardisiert". Man könne nicht allein der Yellow Press den schwarzen Peter zuschieben.

Dazu passt auch, was Bild-Mann Draxler erzählt: Nicht selten seien Promis selbst so erpicht auf eine Berichterstattung, dass sie zu allem bereit seien. "Es kommt regelmäßig vor, dass uns Medienanwälte anrufen und sagen: Der X und de Y sind ja frisch verliebt und die werden morgen durch den Stadtpark gehen. Wenn sie das also fotografieren wollen …" Paparazzo Paul bestätigt routiniert: "Ja, ja das ist ein kontrollierter Abschuss." Und mit kokettem Blick zu Jauch: "Das gibt es sogar bei Fernseh-Moderatoren."

Und die Moral von der Geschicht’? Jauch überlässt das letzte Wort Schumachers Managerin Kehm. Die formuliert einen "Wunsch": Dass man Michael Schumacher spätestens dann in Frieden lasse, wenn die akute Gefahr gebannt ist. Man sollte das tatsächlich bei allem berechtigtem Interesse nicht vergessen: Auch Promis sind nur Menschen und haben als solche ein Recht auf Privatsphäre.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(