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TV-Show "Rette die Million!": Bügeln mit Pilawa

Jörg Pilawa läuft sich warm: Eine Woche nach der Rücktrittserklärung von Thomas Gottschalk gibt der größte Favorit für seine Nachfolge sein Samstagabend-Debüt im ZDF - mit dem Promi-Special von "Rette die Million!". Aber soll das wirklich Unterhaltung sein?

Von Katharina Miklis

Die Stimme aus dem Off legt vor: "Die Promis retten eine Million - und er rettet Ihren Samstagabend: Jörg Pilawa": Große Worte, mit denen der ZDF-Moderator am Samstagabend auf der Showbühne angekündigt wird. Zufall? Mitnichten. Als "Rette die Million!" kurz vor dem Wochenende aufgezeichnet wurde, war die Diskussion um den ehemaligen ARD-Mann Pilawa als Nachfolger von Thomas Gottschalk schon längst im Gange. Die Promi-Ausgabe seiner Quizshow sollte seine erste Samstagabendshow im ZDF werden. Eine Bewährungsprobe: Er läuft sich warm für "Wetten, dass..?" - und alle können dabei zusehen. Wenn der Schönwettermoderator bei seiner ersten Samstagabendshow im ZDF jedoch etwas deutlich gemacht hat, dann, dass er als Retter des Samstagabends nicht taugt.

Das Pilawa-Palaver - kein Vergleich mit Gottschalk

Natürlich kann man eine auf zweieinhalb Stunden aufgeblasene, vorproduzierte Ratesendung nicht mit einem Spektakel wie "Wetten, dass..?" vergleichen. Aber man kann sehen, wie Pilawa mit Promi-Gästen umgeht. Und vor allem: was er unter guter Unterhaltung versteht. In beiden Punkten konnte er am Samstag nicht gerade überzeugen. Keine Frage: Auch Gottschalk wurde stets dafür kritisiert, dass er nicht genügend auf seine Gäste vorbereitet sei, keine Interviews führen könne. Und doch erliegen die erlesenen Gäste seinem Charme, sobald sie neben ihm auf dem Sofa sitzen. Auch Pilawa ist ein netter Gastgeber, viel zu nett. Von Spontaneität keine Spur. Das Pilawa-Palaver ist manchmal sogar eine Katastrophe: "Wie findet ihr denn die Guttenbergs so?" fragt er die Schauspielkolleginnen Ulrike Kriener und Maren Kroymann. Von Schauspieler-Ehefrau Viktoria Lauterbach will er wissen, "wie denn der Heiner so zu Hause ist". Und die Frau von Torwart Jens Lehmann wird gefragt, ob der Jens "irgendwas im Haushalt tut". Die Gespräche mit den Lauterbachs und Lehmanns, die für einen guten Zweck spielen, drehen sich darum, wer zu Hause den Müll runterbringt und wer abspült. Pilawa selbst bügelt übrigens ganz gerne. Das passt.

Sein ganzes Programm ist so faltenfrei, dass es einfach nur langweilt. Pilawa ist ein Profi, keine Frage. Keine Fehler, keine Ausrutscher. Er rattert sein Programm routiniert runter. Aber Spaß macht das nicht. Man darf einen Gottschalk nicht kopieren, sagte der ehemalige "Wetten, dass..?"-Moderator Wolfgang Lippert gerade dem "Spiegel". Doch Pilawa scheint auch wenig Eigenes zu bieten zu haben. Er fällt nicht auf. Er steht da, steif, im schwarzen Anzug. Er liest Fragen ab, die seine prominenten Gäste ihm brav beantworten. Mal ein flacher Spruch - "zwischen Schlauberger und Katzenberger sind die Grenzen fließend" - aber das macht noch lange keinen Gottschalk.

Am Sonntagmorgen schon vergessen

Wenn etwas aufgefallen ist an diesem Samstagabend, dann, dass man ihn am Sonntagmorgen schon vergessen haben wird. "Alternativlos", das weiß das Ehepaar Lehmann, ist das Unwort des Jahres 2010 - korrekt. Alternativlos scheint auch die Gottschalk-Nachfolge bislang zu sein. Pilawa zumindest machte nicht den Eindruck, dass er beim ZDF die Zügel des Quoten-Zugpferdes in die Hand nehmen und es vor dem Gnadenhof retten könnte.

Ob der Auftritt Pilawas als Samstagabend-Entertainer dem ZDF die Entscheidung leichter machen wird, ist eine andere Frage. Schließlich soll ihm schon bei den Vertragsverhandlungen zugesichert worden sein, bedacht zu werden, sollte der Platz bei "Wetten, dass..?" frei werden. Allerdings soll auf dem Mainzer Lerchenberg nun auch die Idee einer Castingshow kursieren, wie sie Dieter Bohlen im Konkurrenzprogramm zu "Wetten, dass..?" vollführt, um einen passenden Gottschalk-Nachfolger zu finden. Ob Jörg Pilawa bei der Aufzeichnung von "Rette die Million!" davon schon gehört hat? Immerhin scheint er schon einen Plan B parat zu haben. "Wenn ich mal beim ZDF rausfliege", sagte er zu seinen Gästen Sonja Zietlow und Dirk Bach, "komme ich einfach zu euch ins Dschungelcamp". Vielleicht keine schlechte Alternative.