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TV-Tipps des Tages für den 30.12.: DDR meets Barbarella

Im Spätprogramm des MDR versteckt sich ein Kleinod des DDR-Films. "Im Staub der Sterne" ist herrlicher SF-Trash der Siebziger - unser TV-Tipp des Tages.

Falsches Lächeln, laszive Pose: Ronk (Milan Beli), Leiter der Überwachungszentrale auf TEM 4 begrüßt die Gäste aus dem All

Falsches Lächeln, laszive Pose: Ronk (Milan Beli), Leiter der Überwachungszentrale auf TEM 4 begrüßt die Gäste aus dem All

"Im Staub der Sterne"
23.15 Uhr, MDR

SCIENCE FICTION Was für eine Perle, die der MDR zu nachtschlafender Zeit versendet! Dabei gehört "Im Staub der Sterne" zu jenen fast vergessenen Filmen, die das Prädikat Kult wirklich verdient hätten. Knallig-bunt, überraschend freizügig und herrlich abgedreht kommt diese ostdeutsche Antwort auf "Flash Gordon" und "Barbarella" daher. Freilich - ein Spritzer Klassenkampf darf in dieser Defa-Produktion von 1976 nicht fehlen. Aber der ist momentan ja sowieso wieder in.

Kommandantin Akala (Jana Brejchová) erreicht mit ihrer fast ausschließlich weiblichen Besatzung den Planeten TEM 4, nachdem sie von dort einen Notruf aufgefangen hat. Alles nur ein Missverständnis, beteuern die Herrscher des Planeten - und schmeißen flugs eine Riesensause, um die Gäste mit Wein, Weib und Hypnosestrahlen in Sicherheit zu wiegen. ("Du siehst doch, alles taube Nüsse, aber schön!") Dumm nur, dass Navigator Suko (Alfred Struwe) als einziger im Raumschiff geblieben ist und nun erst recht Verdacht schöpft.

Die Handlung ist natürlich Nebensache: "Im Staub der Sterne" genießt man am besten angeschickert mit guten Freunden - und prostet dem Zeitgeist der 70er zu, den diese Produktion aus jeder Pore atmet. Kostümbildner und Ausstatter hatten offenbar freie Hand und genügend Budget in den Taschen, um ihren Fantasien bonbongrellen Lauf zu lassen. Die Besatzungsmitglieder wechseln ihre Garderobe häufiger als Lady Gaga, blauhaarige Diktatoren schmusen mit Würgeschlangen, im Herrscherpalast hängen mehr Spiegel als im Schloss von Versailles. Dass die Handlung immer wieder durch schräge Tanzeinlagen unterbrochen wird, wie sie zuletzt auf dem Raumschiff Orion gesichtet wurden, erscheint da nur folgerichtig. Also - Verstand aus und rein ins Getümmel!

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die rote Herberge"
20.15 Uhr, Arte
KRIMIFARCE Ein Mönch gerät an ein mörderisches Wirtshausehepaar, doch das Beichtgelübde hindert ihn daran, den Rest der Übernachtungsgäste zu warnen. Er versucht es trotzdem - ohne Worte und zum Amüsement der Zuschauer. Bitterböse übt diese französische Komödie Kritik an Bürgertum und Kirche und zog damit in ihrem Erscheinungsjahr 1951 den Zorn des Establishments auf sich. (bis 21.55)

"Sex! Sex! Sex! Sex! Sex!"
23.45 Uhr, NDR

MOCKUMENTARY Alles, was sie schon immer über Sex wissen wollten, sich aber nie...? Wie? Schon wieder eine ultimative Doku über Freud und Leid des Beischlafs? Genau: Dennis Kaupp und Jesko Friedrich, bekannt aus "extra 3", führen als ungleiches Zwillingsbrüderpaar Gisbert und Johannes Schlüter durch "die irrwitzige Kulturgeschichte des Sex". Dumm nur, dass sich die beiden eigentlich nie einig sind. Vielleicht liegt's ja an ihren Berufen: Der eine ist Keuschheitsbeauftragter der katholischen Kirche, der andere Pornodarsteller. Und der Klapperstorch bringt die Kinder, genau! (bis 00.30)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo