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TV-Tipp 12.7.: "The Sixth Sense": Die schönste Kinovorstellung meines Lebens

Ein magisches Kino, ein großartiger Film: "The Sixth Sense" war die schönste Kinovorstellung meines Lebens. Und das lag vor allem an zwei alten Damen.

"Ich sehe tote Menschen": Um diese gruselige Gabe ist der achtjährige Cole (Haley Joel Osment mit Bruce Willis) wirklich nicht zu beneiden.

"Ich sehe tote Menschen": Um diese gruselige Gabe ist der achtjährige Cole (Haley Joel Osment mit Bruce Willis) wirklich nicht zu beneiden.

"The Sixth Sense"
20:15 Uhr, Servus-TV
GRUSEL-THRILLER Ich war gerade 18 geworden, als uns eine Freundin einlud, mit ihr "The Sixth Sense" zu schauen. Aber nicht in der damals so angesagten Ufa-Passage in Osnabrück, sondern in ihrem kleinen Heimatörtchen Hasbergen. Weder hatte ich etwas von dem Film gehört, noch davon, dass es in Hasbergen ein Kino gab. Es gab. Und "Sixth Sense" wurde die schönste Kinovorstellung meines Lebens.

Nicht, weil sie knutschend in der hintersten Reihe geendet hätte oder weil mich Regisseur M. Night Shyamalan mit seinem Plottwist in den letzten Minuten wirklich kalt erwischte. Ich habe einfach nie wieder in einem Kino gesessen, in dem die Liebe zum Film so sehr spürbar war. Ganz alleine hielten zwei ältere Damen, Geschwister beide, den Betrieb der "Berglichtspiele" seit über 40 Jahren aufrecht. Eine saß in einem aus der Zeit gefallenen Glaskasten am Eingang, verkaufte Popcorn und Abrisstickets. Die andere kümmerte sich darum, das im Saal alles funktionierte. Legte die Filmrolle in den Projektor, kurbelte den Vorhang auf und huschte während der Vorstellung durch die Reihen, um Bestellungen aufzunehmen.

Aber ich traute mich einfach nicht, den entsprechenden Knopf an meinem Sessel zu drücken. Wollte diese beiden so zerbrechlich wirkenden Omis nicht hin- und her scheuchen und orderte mein Bier lieber direkt bei ihnen an der Bar am hinteren Ende des Kinosaals. Ein paar Stammgäste saßen dort, verfolgten die Handlung von ihren Barhockern aus - und rauchten.

Und dann machte es plötzlich "Pling"! Der kleine Haley Joel Osment hatte Bruce Willis gerade DIESEN EINEN Satz zugeflüstert, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Ich schaute mich verwirrt um und ein wenig verärgert. Wer hatte es gewagt, diesen besonderen Moment zu stören? Dann sah ich, wie eine der Damen hinter dem Tresen eine Mikrowelle öffnete. Und musste wieder lächeln.

PS: Leider, leider gibt es die "Berglichtspiele Hasbergen" nicht mehr. 2003 fiel der letzte Vorhang.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Bugsy"
22.05 Uhr, Servus TV
EPOS über den Mann, der Las Vegas erschuf. Mit seiner Gangstergala beeindruckte Warren Beatty alias "Bugsy" Siegel 1991 Fans, Kritiker und Annette Bening. Die gab im Film die Diva und nach Drehschluss Beatty das Jawort. In Nebenrollen sind Ben Kingsley und Harvey Keitel dabei. (bis 0.30

"Gastmahl der Liebe"
16.55 Uhr, Eins Festival

DOKUMENTARFILM 1963 reiste der spätere Regie- Exzentriker Pier Paolo Pasolini durch Italien und befragte seine Landsleute nach ihren sexuellen Vorlieben. Man bedenke: Das war sieben Jahre, bevor im katholischen Italien die Scheidung legalisiert wurde. (bis 18.25)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo