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TV-Tipp 15.7.: "Der Mann im weißen Anzug": Alec Guinness erfindet den Superstoff

Typisch britisch unterkühlt: Ein Mann erfindet eine reißfeste und schmutzabweisende Kunstfaser. Die Textilindustrie ist not amused. Unser TV-Tipp des Tages.

Ja, sie reißen sich um ihn, aber anders als es der junge Chemiker Sidney Stratton (Alec Guinness) geplant hat

Ja, sie reißen sich um ihn, aber anders als es der junge Chemiker Sidney Stratton (Alec Guinness) geplant hat

"Der Mann im weißen Anzug"
02:20 Uhr, 3Sat
WIRTSCHAFTSSATIRE Ganz schön dumm, wenn eine Erfindung zu perfekt ist. Zumindest für Leute, die sie verkaufen wollen. Am eindrucksvollsten beweist das wohl der Fall Glühbirne. Ja, es gab sie einmal, den praktisch unzerstörbaren Lichtbringer zum Einschrauben. Er leuchtete und leuchtete und leuchtete.. Eine Anschaffung für's Leben. Und dann kamen findige Unternehmer auf einen Gedanken, der für Ottonormalohr noch heute völlig absurd klingt, aber längst Usus in der Wirtschaft geworden ist: ein Selbstzerstörungsmechanismus.

Baut uns eine Glühbirne, riefen sie den Wissenschaftlern in ihren Entwicklungslabors zu, die nach 1000 Stunden Brenndauer ihren Geist aufgibt! Die Forscher wunderten sich: Warum denn an einem Produkt von minderer Qualität werkeln, wenn es ein besseres, leistungsfähigeres und umweltfreundlicheres längst gibt? Die Logik des Kapitalismus, herunter gebrochen auf eine kleine, wahre Geschichte.

Wussten Regisseur Alexander Mackendrick ("Ladykillers") und Drehbuchschreiber Roger MacDougall vom Phoebuskartell, als sie 1951 die Geschichte vom "Mann im weißen Anzug" erdachten? Ein Chemiker, gespielt vom jungen ("Star Wars", "Doktor Schiwago"), erfindet eine Textilfaser, die weder verschmutzt noch verschleißt. Doch niemand ist begeistert. Die Textilindustrie nicht, die ihre Erlöse dahin schmelzen sieht. Und die Arbeiter nicht, die um ihre Jobs fürchten. Am Ende steht der arme Mann alleine da, gejagt und gehasst von allen, obwohl er die Welt nur ein Stückchen besser machen wollte.

Eigentlich traurig, dass "Der Mann im weißen Anzug" auch nach 60 Jahren immer noch hochaktuell ist. Und wem die Kapitalismuskritik zu schwer wiegt, der freut sich am Ende über Alec Guinness in Unterhosen.

PS: Wer an mehr Hintergründen zum Thema interessiert ist, dem sei die Arte-Dokumentation "Kaufen für die Müllhalde" ans Herz gelegt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Mein Weg nach Olympia"
22.35 Uhr, ARD
DOKUMENTARFILM "Die Paralympics halte ich für eine dumme Idee", erklärt Regisseur Niko von Glasow. Er ist selbst contergangeschädigt, braucht kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Sein politisch unkorrekter Ansatz verdutzt die Gesprächspartner, bevor sie kontern. So erspüren wir das Feingefühl des Bocciaspielers Greg Polychronidis, die Unverwüstlichkeit des Sportschützen Matt Stutzman, die Willensstärke der Schwimmerin Christiane Reppe. Wir sehen, wie sehr die Tischtennisspielerin Aida Dahlen geliebt wird, und begreifen, wofür die Volleyballer aus Ruanda wirklich kämpfen. Athleten auf ihrem Weg zu den Paralympics in London 2012 - ohne falsche Zimperlichkeit beobachtet. (bis 0.05)

"Endstation Sonderflug"
21.40 Uhr, Arte

DOKU über abgewiesene Asylsuchende, die bis zu zwei Jahre lang in Schweizer "Ausschaffungszentren" auf ihre Abschiebung warten. "Ein Jahr danach" zeigt um 23.20 Uhr, was aus den Protagonisten der vielfach prämierten Doku wurde, die in Ketten das Land verlassen mussten. (bis 23.20)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo