HOME

Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 16.6.: "Unser Willi ist der Beste": Der Blechschaden war nur gering

"Ob Kaffee, ob Kartoffelbrei, die Star-Elektrik ist dabei!" Heinz Erhardt geht immer - als mopsfideler Willi Winzig lässt er in unserem TV-Tipp des Tages die Sorgen des Alltags vergessen.

Schenkelklopfend in die Nacht: Im Studio der Fernsehköchin Elsetraut Knöpfke (Edith Hancke) richtet der Vertreter Willi Winzig (Heinz Erhardt) ein heilloses Durcheinander an.

Schenkelklopfend in die Nacht: Im Studio der Fernsehköchin Elsetraut Knöpfke (Edith Hancke) richtet der Vertreter Willi Winzig (Heinz Erhardt) ein heilloses Durcheinander an.

"Unser Willi ist der Beste"
20.15 Uhr, NDR
KOMÖDIE Heinz Erhardt ist so eine Art inoffizielles Vorbild für mich. Ich kannte den Mann nicht persönlich, er starb, noch bevor ich geboren wurde. Aber alles, was ich von ihm weiß, gelesen, gesehen und gehört habe, sagt mir: Das steht jemand, der hatte Spaß am Leben. Der wusste, wie man den Widrigkeiten des Lebens am besten zu begegnen hat, um nicht dem Wahnsinn zu verfallen: mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einem flapsigen Spruch auf den Lippen.

Am deutlichsten wird das wohl in Erhardts Paraderolle als Willi Winzig, ein kleiner Finanzbeamter mit großem Bauch und großem Herzen. Eigentlich im verdienten Ruhestand, nimmt Onkel Willi in dieser Episode einen Job als Hausierer für Küchengeräte an, um seine erweiterte Familie zu ernähren. Und natürlich geht alles schief. Und natürlich wird alles gut.

Es ist schon seltsam, wie sehr sich die beiden großen Spaßmacher der Bundesrepublik voneinander unterscheiden. Bei Loriot, dem Humoristen des Bürgertums, war Witz erkennbar immer auch das Produkt harte Arbeit. Heinz Erhardt dagegen umwehte diese ungeheure Leichtigkeit, wenn er den Pausenclown gab. Wo auf der einen Seite der fein austarierte Scherz stand, das Streben, die Absurdität des Alltags in perfekt durchgeplanten Sketchen zu entlarven, lauerte auf der anderen der Kalauer. Und kalauern, das konnte Heinz Erhardt meisterhaft.

Wo ein Wort verdreht, ein Reim gedrechselt, eine Wendung verballhornt werden konnte, da schlug er gnadenlos zu. Mamrika statt Paprika? Machen wir. Vatermal statt Muttermal? Türlich, Türlich, sicher, Dicker. Von Erhardts Liedern und Gedichten ganz zu schweigen. Der Spaßmacher schenkte mir den Soundtrack zu meinem ersten, richtigen Besäufnis und sein Ritter Fips (natürlich in voller Rüstung an seines Schlosses Brüstung) war noch in der sechsten Klasse voll zitatwürdig. Und wie bei so vielen Pausenclowns versteckte sich hinter Erhardts Lachern oft ein tieferer, gar trauriger Kern.

"Immer wenn ich traurig bin, trink ich noch 'n Korn!" Ja, man kann das Lied grölen, dazu schunkeln und sich besinnungslos besaufen. Und gleichzeitig spricht es eine tieftraurige, unbequeme Wahrheit unserer Gesellschaft an. Statt Korn gibt es deswegen nur noch Kaffee bei mir. Denn wie sagte Willi Winzig noch so schön: "Ob Schälchen, Tässchen oder Gläschen - Kaffeeduft zieht durch jedes Näschen!"

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Liebeswahn"
20.15 Uhr, Eins Festival

PSYCHODRAMA 007 kann auch anders: Der Philosophiedozent Joe (Daniel Craig) fängt sich einen Liebhaber ein, der sich nicht abschütteln lässt. In der Rolle des stalkenden Soziopathen sorgt Rhys Ifans für Gänsehaut. - Großartig gespielter Spaziergang am Abgrund. (bis 21.50)

"Tage des Sturms"
23.45 Uhr, MDR

DRAMA Familie Mannschatz aus Bitterfeld hat sich mit dem Sozialismus deutscher Prägung arrangiert. Im Juni 53 gerät alles aus dem Lot. In Berlin rollen Panzer... Der in Polen gedrehte Film überzeugt durch Erfahrung: Peter Sodann hat als 17-Jähriger den Aufstand in Berlin miterlebt. (bis 1.20)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo