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TV-Tipp 19.6.: "Harry und Sally" Schöner stöhnen mit Meg Ryan


Männer und Frauen können nie Freunde sein. Das haben wir von "Harry und Sally" gelernt. Und natürlich, dass Frauen überall Orgasmen vortäuschen können. Unser TV-Tipp des Tages.

"Harry und Sally"
20.15 Uhr, ZDFneo
KOMÖDIE Haaaalt - hiergeblieben! Wer beim Stichwort "Romantische Komödie" sofort Reißaus nehmen will, der sollte sich nur ein einziges Mal Zeit für "Harry und Sally" nehmen. Der Film ist der Klassiker des Genres und so witzig, scharfsinnig und zeitlos, dass selbst die größten Zyniker sich ein bisschen verlieben werden.

Warum? Weil die großartige Nora Ephron hier ihr bestes, daher auch Oscar-nominiertes, Drehbuch abgeliefert hat. Weil es zwischen Meg Ryan und Bill Crystal so glaubwürdig funkt. Weil sich sogar die Nebenrollen wie echte Menschen anfühlen. Und weil der Film einiges an Lebensweisheiten bereithält. Zum Beispiel: "Männer und Frauen können nie Freunde sein. Der Sex kommt ihnen immer dazwischen!" – "Das ist doch gar nicht wahr!" (hier im Original) Oder: "Die meisten Ehen zerbrechen nicht an Untreue. Sie ist nur ein Symptom, dass irgendwas nicht in Ordnung ist." - "Was du nicht sagst... dieses Symptom vögelt gerade meine Frau!"

"Harry und Sally" platzt vor Dialogen, die in die Filmgeschichte eingegangen sind und immer wieder auftauchen. In "Scrubs" zitiert Turk zum Beispiel einmal die Liebeserklärung von Harry an Sally. Denn, ja: Natürlich kriegen sich die beiden am Ende. Es gibt auch eine typische In-letzter-Minute-zum-Kuss-Rennen-Sequenz, es wird geheult und der Soundtrack ist voller Jazzklassiker: Frank Sinatra, Bing Crosby, Ella Fitzgerald und Harry Connick Jr. Aber die Komödie ist viel zu selbstreflexiv und humorvoll, als dass sie als flacher Liebesfilm durchgehen würde.

Die berühmteste Szene ist sicherlich der vorgetäuschte Orgasmus mitten in einem gut besuchten Restaurant. Wie Meg Ryan alias Sally ohne mit der Wimper zu zucken den gesamten Laden zusammen stöhnt - zur Überraschung des schockierten Harry - bringt mich immer wieder zum Lachen. "Ich nehm genau das, was sie hatte", ist deshalb wohl auch das kultigste Zitat des Films. Regisseur Bob Reiner erzählte übrigens einmal, dass die Episode bei den ersten Vorführungen die Frauen zum Lachen und die Männer zum Schweigen gebracht hatte. Dabei lief "Harry und Sally" nicht in den 50er Jahren, sondern 1989 im Kino.

Was mir an "Harry und Sally" auch gefällt, sind die Bilder. Die Komödie ist einfach gut gefilmt und wird immer wieder mit frühen Werken von Woody Allen verglichen. Tatsächlich ist der Film - wie oft bei Allen - eine Hommage an die Stadt New York. Aber auch an Beziehungen, an die Liebe und an Freundschaft. Und das trotz und zugleich wider aller romantischer Klischees. Ja, "Harry und Sally" ist einfach die beste aller romantischen Komödien.

Ein TV-Tipp von Sarah Stendel, Kulturredakteurin


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Was bleibt"
20.15 Uhr, Arte

DRAMA Marko (Lars Eidinger) besucht die Eltern am Rhein. Die Hoffnung auf ein paar ruhige Tage erfüllen sich nicht. Als seine psychisch labile Mutter (Corinna Harfouch) verkündet, sie käme jetzt ohne Medikamente aus, gerät der Familienrat in Panik. Während Marko ihr das Recht zubilligt, nicht länger wie ein Möbelstück behandelt zu werden, reagieren Vater und Bruder bestürzt... Menschen hinter Glas versuchen, das Lügen sein zu lassen und zivilisiert zu streiten. So weit, so bekannt. Was kommt: Bevor man die Dialoge mitsprechen kann, dreht Regisseur Hans- Christian Schmid auf stumm, konzentriert sich auf die Figur des Marko und verleiht seiner Version der Geschichte eine tiefere Note. (bis 21.35)

"Der Untergang des Römischen Reiches"
23.35 Uhr, MDR

EPOS mit Sophia Loren. Erbitterte Kämpfe um die Nachfolge von Kaiser Marc Aurel (Alec Guinness) läuten das Ende Roms ein. - Prachtvoller, starbesetzter Schinken von 1964. (bis 2.20)


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