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TV-Tipp 2.6: "Judith und der Mann von Schindlers Liste": Eine außergewöhliche Freundschaft

Eine Erinnerung daran, wieso die NS-Zeit niemals zu den Akten gehört: Die Geschichte der Freundschaft zwischen einer jungen Geigerin und einem Holocaustüberlebenden ist unser TV-Tipp des Tages.

Bewegende Geschichte: Michael erzählt Judith, wie er dank Fabrikant Oskar Schindler den Holocaust überlebte

Bewegende Geschichte: Michael erzählt Judith, wie er dank Fabrikant Oskar Schindler den Holocaust überlebte

"Judith und der Mann von Schindlers Liste"
0.10 Uhr, WDR
DOKUMENTATION Erna de Vries hat mein Leben verändert. Als sie uns, einer Gruppe nervöser Studenten, zum ersten Mal ihre Geschichte erzählte, davon berichtete, wie sie als junges Mädchen mit ihrer Mutter ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau kam, fast in den Gaskammern starb und als einzige ihrer Familie überlebte, fehlten uns die Worte. Trotzdem vertraute sie uns ihre Geschichte an. Wir durften einen Film über ihr Leben drehen und wurden Freunde, wie es wohl selten 80-jährige Damen und junge Mittzwanziger werden.

Judith Stapf ist etwas jünger - zehn Jahre alt - als sie Michael Emge zum ersten Mal trifft und zum Freund gewinnt. Auch Emge hat die Shoa überlebt, er stand auf Schindlers berühmter Liste. Als der Pole eines Tages erfährt, dass sich ein junges Mädchen, ein Kind noch, mit ihm treffen möchte, ist er zunächst skeptisch. Doch Judith und er teilen eine Leidenschaft: Sie spielt Geige - genau wie Emge, bevor ihm die Nationalsozialisten diesen Traum nahmen. Auf Youtube hatte das junge Ausnahmetalent nach Aufnahmen ihres Vorbilds Itzhak Perlman gesucht und war auf Perlmans Violinensolo im Film "Schindlers Liste" gestoßen. Die Thematik ließ sie nicht mehr los - und Judith war sich sicher, dass sie das Stück nur dann wirklich erfassen kann, wenn sie mehr über diese dunkle Zeit erfährt.

Die Geschichte, wie sich eine Freundschaft zwischen den beiden entwickelt, wie sich zwei Menschen aus ganz unterschiedlichen Generationen vorsichtig einander annähern, erzählt Martin Buchholz in ruhigen Bildern - und frei von jener schrecklichen Guido-Knopp-Dramatik, die meint, dem Grauen der Wirklichkeit im Schnittraum noch eins drauf setzen zu müssen. "Judith und der Mann von Schindlers Liste" ist die richtige Antwort für all jene, die meinen, man müsse "die Geschichte endlich ruhen lassen". Muss man nicht. Darf man nicht. Diese Lektion, so hart und ungemütlich sie auch ist, ist es wert, von jeder Generation neu gelernt zu werden.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Freedom Bus"
23.55 Uhr, ZDF

DOKUMENTARFILM Nein, mit Hippie-Nostalgie hat das nichts zu tun. Der Film dokumentiert den Versuch eines in Deutschland geborenen Ägypters, in der Heimat für Demokratie zu werben. Die Mission begann 2011 und wartet heute auf bessere Zeiten... Arabischer Frühling, revisited. (bis 1.30)

"Gone – Ich muss dich finden"
22.15 Uhr, ZDF

KRIMI Jill (Amanda Seyfried) glaubt, dass ihre Schwester von jenem Killer entführt wurde, dem sie selbst nur knapp entkam… Der schnörkellose Krimi verzichtet auf die genre üblichen Schockeffekte und auf jede Form von übertriebener Gewalt. Allein das macht "Gone" sehenswert. (bis 23.40)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo