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Neu im Kino: Schutzengel, Vampire und Männer mit Kajal

In der letzten Woche des Jahres wird im Kino noch einmal richtig aufgefahren: Neben der lang erwarteten "Medicus"-Adaption und einer neuen Bully-Komödie liefert Jim Jarmusch ein Vampir-Meisterwerk ab.

Von Patrick Heidmann und Nicky Wong

"Buddy"

Kinotrailer: "Buddy"

Wen Sie kennen könnten: Regisseur und Darsteller Michael Herbig ("Der Schuh des Manitu") und die Darsteller Alexander Fehling ("Inglourious Basterds"), Mina Tander ("Maria, ihm schmeckt's nicht!") und Christian Berkel ("Der Untergang")

Die Geschichte in einem Satz:

Schnösel Eddie steht kurz davor, die geerbte Firma zu verzocken und sich zwischen seinen Bettgeschichten zu verlieren, als er plötzlich seinem Schutzengel begegnet, den nur er sehen kann und der scheinbar nebenbei auch Amor spielen will.

Geschwister im Kinoversum:

"Der fast perfekte Mann", "Ghost - Nachricht von Sam"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Weil Michael 'Bully' Herbig mit dieser flotten Mischung aus Buddy-Komödie, Romanze und Fantasy-Abenteuer samt Schlagereinlagen und rüstigen Rentnern mal wieder beweist, dass sich im deutschen Kino niemand so gut auf wie Mechanismen Hollywoods versteht wie er. Dass ist mitunter sehr gefühlig und gefällig. Macht aber in Sachen Mainstream-Unterhaltung mehr Spaß als alles, was die Schweigers und Schweighöfers dieser Welt zuletzt auf die Leinwand gebracht haben.

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"Der Medicus"

Kinotrailer: "Der Medicus"

Wen Sie kennen könnten: die Darsteller Stellan Skarsgård ("Fluch der Karibik 2"), Ben Kingsley ("Schindlers Liste"), Olivier Martinez ("Knight and Day") und Elyas M'Barek ("Fack Ju Göhte")

Die Geschichte in einem Satz:

Jahre nach dem mysteriösen Krankheitstod seiner Mutter zieht es im 11. Jahrhundert einen jungen Engländer nach Persien, wo er nicht nur zum Arzt ausgebildet wird und die große Liebe erlebt, sondern auch zwischen Christenverfolgung und muslimischen Fundamentalisten in Bedrängnis gerät.

Geschwister im Kinoversum:

"Prince of Persia - Der Sand der Zeit", "Die Päpstin"

Warum Sie den Film sehen sollten:

27 Jahre dauerte es, bis aus dem millionenfach verkauften Bestseller ein Film wurde, da will man sich als Fan natürlich selbst ein Bild machen, ob sich das Warten gelohnt hat. Das Ende wurde (nicht unbedingt zum Besseren) verändert, mitunter sind die zweieinhalb Stunden ganz schön lang und wie so oft im europäischen Kino verhindert ein zu geringes Budget das ganz große Breitwand-Epos. Wer das opulente Pathos der Vorlage zu schätzen wusste oder einfach nur mal wieder schöne Männer (darunter in einer gelockten Nebenrolle: "Fack ju Göhte"-Star Elyas M’Barek) mit viel Kajal im Gesicht sehen will, kommt trotzdem auf seine Kosten.

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"Only Lover Left Alive"

Kinotrailer: "Only Lovers Left Alive"

Wen Sie kennen könnten: Regisseur Jim Jarmusch ("Ghost Dog - Der Weg des Samurai") und die Darsteller Tilda Swinton ("Michael Clayton"), Tom Hiddleston ("The Avengers") und Mia Wasikowska ("Alice im Wunderland")

Die Geschichte in einem Satz:

Die feinsinnigen Untoten Adam und Eve führen eine Fernbeziehung, verstecken sich genau wie ein paar Leidensgenossen zwischen Tanger und Detroit vor den Menschen und leiden zusehends unter mangelnden Vorräten unverseuchten Blutes.

Geschwister im Kinoversum:

"Dead Man"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Jim Jarmusch, Autorenfilmen und Ikone des amerikanischen Independent-Kinos, ist eigentlich der letzte, von dem wir einen Vampir-Film erwartet hätten. Zum Glück haben wir uns getäuscht, denn sein Spiel mit Genre-Zitaten, Metaphern und kulturellen Referenzen ist unglaublich stimmungsvoll, visuell überzeugend und umwerfend komisch. Und von der unfehlbaren Tilda Swinton und unser aller Lieblings-Loki Tom Hiddleston ganz hervorragend gespielt. Großes Kino und einer der schönsten Filme des ganzen Jahres.

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"Das Mädchen und der Künstler"

Kinotrailer: "Das Mädchen und der Künstler"

Wen Sie kennen könnten: die Darsteller Jean Rochefort ("Mr. Bean macht Ferien") und Claudia Cardinale ("Fitzcarraldo")

Die Geschichte in einem Satz:

Als eine junge Katalanin 1943 auf der Flucht vor spanischen Faschisten Unterschlupf bei einem alten französischen Maler und seiner Frau findet, steht sie dem Künstler Modell und weckt in ihm noch einmal die Schaffenskraft.

Geschwister im Kinoversum:

"Renoir"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Weil Oscar-Gewinner Fernando Trueba ("Belle Epoque") mit Kino-Legenden wie Jean Rocherfort und Claudia Cardinale sowie wunderschönen Schwarzweiß-Bildern ein stimmungsvoll-melancholischer Film über die Kunst und das Alter gelungen ist.

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"Les Salauds - Dreckskerle"

Kinotrailer: "Les Salauds - Dreckskerle"

Wen Sie kennen könnten: die Darsteller Chiara Mastroianni ("Huhn mit Pflaumen") und Vincent Lindon ("Hass")

Die Geschichte in einem Satz:

Nachdem ihr Ehemann Selbstmord begangen hat und das Familienunternehmen fast pleite ist, erwartet Sandra, dass ihr nach Paris zurückgekehrter Bruder sich an dem einflussreichen Geschäftsmann rächt, den sie für das Unglück verantwortlich macht.

Geschwister im Kinoversum:

"Only God Forgives" , "White Material"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Die Regisseurin Claire Denis gehört zu den großen Filmkünstlerinnen unserer Zeit, gerade weil sich ihre Arbeiten immer wieder gegen die Konventionen des Massengeschmacks sträuben. Immer wieder erweisen sich ihre Geschichten als hoch komplexe, abgründige Psychodramen, und dieser ebenso rätselhafte wie betörende Familienalbtraum stellt da keine Ausnahme dar. Mit eigenen Meisterwerken wie zuletzt "White Material" kann die Französin allerdings dieses Mal nicht ganz mithalten.

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