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TV-Tipp 20.7.: "Sie küßten und sie schlugen ihn": Wie ein kleiner Bengel das Kino revolutionierte

Frankreich, Ende der 1950er: Eine Gruppe Filmkritiker erfindet das Kino neu. "Sie küßten und sie schlugen ihn" gehört zu den wichtigsten Filmen dieser Neuen Welle. Unser TV-Tipp des Tages.

"Sie küßten und sie schlugen ihn"
0.24 Uhr, Tele 5
DRAMA "Sie haben uns ein Denkmal gebaut, und jeder Vollidiot weiß, dass das die Liebe versaut." Die Helden hatten recht: Vor Klassikern steht man gerne in Ehrfurcht versteinert da. Und dieser Film ist ein Klassiker. "Sie küssten und sie schlugen ihn" läutete 1959 eine neue Ära in der Geschichte des Kinofilms ein: die Nouvelle Vague (Neue Welle). Nicht nur meckern - selber machen, war das Motto einer Gruppe französischer Filmkritiker, die genug hatten von den immer gleichen Handlungssträngen und der Vorhersehbarkeit in ihrem geliebten Kino. Ihre Idee: Der Regisseur müsse sich als auteur zum Herrscher über den gesamten Produktionsprozess des Films aufschwingen, um dem Werk so seine eigene, persönliche Handschrift zu verpassen.

Den Anfang machte François Truffaut mit einer persönlichen Geschichte, in der er Elemente aus seiner eigenen Kindheit verarbeitete. Antoine Doinel (Jean-Pierre Léaud), ein Junge aus ärmlichen Verhältnissen, gilt als schwer erziehbar. Weil er in der Schule durch Streiche auffällig wird, Balzac plagiiert und die Schreibmaschine seines ungeliebten Schwiegervaters stiehlt, schicken ihn seine Eltern in ein Heim für Schwererziehbare. Doch das Gefangensein und die Liebe vertragen sich nicht mit dem freien Geist Antoines - er sehnt sich nach dem Meer.

55 Jahre alt, gedreht in Schwarzweiß und behaftet mit einem großen Name. Zugegeben - "Sie küßten und sie schlugen ihn" ist kein Filmhäppchen, bei dem sich nebenbei noch bügeln lässt. Aber Truffauts Erstlingswerk ist eben auch kein übergroßes, unverdauliches Stück Kunst, das nur studierte Filmtheoretiker würdigen können. Einfach mal die Angst vor großen Namen überwinden, reinschauen und sich wundern: Große Kunst kann auch großartig unterhaltsam sein.

PS: Truffaut wird in seinen späteren Filmen immer wieder auf Antonie als sein Alter Ego zurückkommen. Wer wissen will, wie es mit dem Jungen weitergeht, wie er aufwächst, sich verliebt und heiratet, schaut (in dieser Reihenfolge) "Antoine und Colette", "Geraubte Küsse", "Tisch und Bett" und "Liebe auf der Flucht".

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Prometheus – Dunkle Zeichen"
20.15 Uhr, Pro Sieben
SCI-FI Wie bringt man Gott zum Lachen? Indem man Pläne macht. Alter Witz. Was aber, wenn es gar kein Gott war, der die Menschen geschaffen hat, sondern eine fremde Rasse auf einem fernen Planeten? Im Jahr 2089 (also 33 Jahre vor "Alien") überzeugen zwei Wissenschaftler (u. a. Noomi Rapace) den Weyland-Konzern, eine Expedition ins All zu finanzieren, um der These nachzugehen. Am Ziel zeigt sich, dass Androide David (Michael Fassbender) und Managerin Vickers (Charlize Theron) eigene Pläne verfolgen. Und dass sie alle auf dem fernen Planeten nicht allein sind. – 1979 revolutionierte sein „Alien“ das Genre, hier erzählt Ridley Scott eine holprige, aber bildstarke Vorgeschichte. (bis 23.00)

"Fordlandia – unterwegs wohin?r"
0.15 Uhr, ZDF

DRAMA Bessie (Diane Keaton) ist an Leukämie erkrankt. Nur eine Knochenmarkspende von Schwester Lee (Meryl Streep) oder deren Söhnen (u. a. Leo DiCaprio) könnte sie retten. Aber die beiden Frauen mögen sich nicht. - Ordentliche Dosis Herzwärme mit Starpower, zeitlos wirksam. (bis 22.00)

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