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TV-Tipp 9.7.: "The Honeymoon Killers": Die schwärzeste Witwe des Filmgeschichte

Schmetterlinge im Bauch? Dann sollten Sie diesen Film besser nicht sehen! "The Honeymoon Killers" ist ein bitterböser Streifen über ein mordendes Heiratsschwindlerpärchen. Unser TV-Tipp des Tages.

Diese Frau ist böse. Sehr sehr böse. Und verliebt. Krankenschwester Martha Beck (Shirley Stoler) befördert für ihren Freund, den Heiratsschwindler Ray Fernandez (Tony Lo Bianco), reihenweise Ehefrauen ins Jenseits.

Diese Frau ist böse. Sehr sehr böse. Und verliebt. Krankenschwester Martha Beck (Shirley Stoler) befördert für ihren Freund, den Heiratsschwindler Ray Fernandez (Tony Lo Bianco), reihenweise Ehefrauen ins Jenseits.

"The Honeymoon Killers
1.30 Uhr, 3Sat
B-MOVIE/THRILLER "Vergiftet! Zu Brei geschlagen! Erstickt! Ertränkt! Stranguliert! Unglaublich, aber WAHR!" Schon das Kinoplakat zu diesem Film von 1970 verspricht eine Menge - und dann ist da noch François Truffaut, der "The Honeymoon Killers" seinen liebsten amerikanischen Film nannte. Der Mann hatte Humor.

Der Film beginnt so herrlich übertrieben dramatisch, wie es nur B-Movies können. Eine Schrifttafel verspricht uns ein "unglaublich schockierendes Drama", die wohl "bizarrste Episode in den Annalen des amerikanischen Verbrechens", "unglaubliche Ereignisse" und natürlich diesen einen Satz: "Dies ist eine wahre Geschichte." Und dann spielt Mahler auf, 6. Symphonie. Bamm Bamm. Bamm Bamm. Bamm Ba Bamm.

So treffen wir Martha (Shirley Stoler) zum ersten Mal, Krankenschwester - ausgerechnet! - und zwar eine von der groben, stämmigeren Sorte. Ein einziger Blick ins Gesicht reicht, um sofort zu kapieren: Mit dieser Dame ist nicht gut Kirschen essen. Das muss dann auch Ray (Tony Lo Bianco) erfahren, ein Heiratsschwindler, der Martha als Opfer auserkoren, aber nicht mit der Hartnäckigkeit der evil Mrs. Doubtfire gerechnet hat. Sie bindet ihn an sich und wird seine Komplizin. Und dann gleitet die Geschichte in jene Sphären ab, die das Kinoplakat so blumig angekündigt hat. Okay, der beste amerikanische Film ist der einzige Kinofilm des Opernkomponisten (!) Leonard Kastle vielleicht nicht. Aber ein Heidenspaß für alle, die auf Pulp stehen!

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Walhalla Rising"
0.00 Uhr, 3Sat

MITTELALTERDRAMA Dieser Film gehört hierher, weil er zum ersten Mal läuft, weil er Mads Mikkelsen in grandioser Maske zeigt und weil die zweite TVPremiere des heutigen Abends noch trauriger ist. Aber - ehrlich? Wer müde ist, soll schlafen gehen. Der Rest folgt tapfer einem stummen Krieger, der an der Seite halbtoter Kreuzritter versehentlich in Amerika anlandet und dort vor die Hunde geht. Das war’s. Künstlerisch wertvoll und äußerst brutal. Ursprünglich wollte Nicolas Winding Refn ("Drive") den Einäugigen am Ende ein Raumschiff besteigen lassen, beschloss dann aber, es dem Zuschauer nicht so einfach zu machen. Danke dafür. Refns Psychothriller "Fear X" läuft morgen. (bis 1.35)

"Mein Glück"
23.15 Uhr, Arte

DRAMA Auf seiner Fahrt durch Russland wird Fernfahrer Georgy wiederholt mit Willkür, Niedertracht und Gewalt konfrontiert. - Sergei Loznitsa gelang ein gnadenloses Spielfilmdebüt von großer Bildkraft. Sponsoring durch die Tourismusbehörde halten wir für unwahrscheinlich. (bis 1.20)

"Männerherzen... und die ganz, ganz große Liebe"
20.15 Uhr, Sat.1

KOMÖDIE 2011 schickte Simon Verhoeven seine sechs Männer ein zweites Mal das Glück suchen. Schlagerfuzzi Bruce (Justus von Dohnányi) findet es im Hip-Hop. Groß! (bis 22.35)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo