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TV-Tipp 27.8.: "Das Schmuckstück": Emanzipation in Technicolor

Ein Film mit Catherine Deneuve ist immer ein Erlebnis. In diesem Emanzipations-Märchen von François Ozon tritt sie den Herren der Schöpfung mächtig in den Allerwertesten.

"Das Schmuckstück"
22.45 Uhr, ARD
KOMÖDIE "Sie ist so schön, dass ein Film, in dem sie spielt, auch ohne Geschichte auskommt." Sagte einst François Truffaut über Catherine Deneuve. Und er hatte ja recht. Die Dame war eine Sexbombe. Einer dieser Damen, die gerade deshalb faszinierten, weil ihren Rollen stets das Verruchte umwehte - als Heiratsschwindlerin in Truffauts "Das Geheimnis der falschen Braut", als bisexuelle Vampirin in "Begierde", als dem Wahn verfallene Mörderin in Polańskis "Ekel".

Gleichzeitig möchte man Truffaut bei diesen Worten links und rechts eine schallern. Denn eine Dame wie Deneuve nur auf ihre Schönheit zu beschränken, hieße zu verkennen, dass diese Frau nicht nur hervorragend schauspielert, sondern sich auch für Frauenrechte, die Legalisierung von Abtreibung und gegen die Todesstrafe engagiert. Deneuve war nie nur Staffage, nie nur ein "Schmuckstück" ihrer Filme, sondern - ganz in Gegenteil - deren manchmal heimliches, aber immer wild schlagendes Herz.

Und so ist es natürlich ein doppelsinniges Spiel, das Regisseur François Ozon mit seiner Adaption des Bühnenstücks "Potiche" treibt. Satte Technicolorfarben dominieren die Leinwand, als wir Deneuve zum ersten Mal begegnen - im knallroten Adidas-Jogginganzug, der selbst Chas Tenenbaum neidisch machen dürfte. Der Vorspann, die Farben, die Kameraeinstellungen - die Illusion, sich mitten in einem Film der 1970er zu befinden, ist fast perfekt. Wäre da nicht das rammelnde Hasenpärchen.

Deneuve spielt Suzanne Pujol, die Ehefrau eines fiesen, Arbeiter hassenden Regenschirmfabrikanten. Sie führt ein bequemes Leben an der Seite ihres Mannes, bis der einen Herzanfall erleidet und sie nun selbst die Geschicke der Firma leiten muss. Und natürlich alles besser macht. Das klingt gottseidank nur nach "Anna-Maria - Eine Frau geht ihren Weg". Denn die Figuren sind stets den einen Hauch zu überzeichnet, um als real durchzugehen. (Auch wenn sich in der Figur des Robert Pujol - von Fabrice Luchini als herrlich unsympathischer Giftzwerg gespielt - klare Anspielungen an den damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy erkennen lassen.) Und das ist auch gut so, um dieses moderne Emanzipations-Märchen nicht in ein moralinsaures Emanzipations-Lehrstück kippen zu lassen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"How I Met Your Mother"
20.15 Uhr, Pro Sieben


SITCOM Entsetzen bei vielen Fans: Das vergurkte Finale der US-Sitcom stellt vieles auf den Kopf, was die Autoren in neun Jahren aufgebaut haben. Pro 7 zeigt die letzten drei Folgen am Stück und trauert um das Ende eines quotenträchtigen Programmfüllsels. Sicher wird bald wiederholt… (bis 20.45)

"Die Entführung des Michel Houellebecq"
21.40 Uhr, Arte


SATIRE Der französische Autor diskutiert mit seinen (fiktionalen) Geiselnehmern aus dem gemeinen Volk über Gott und die Welt. – Subtiler Spaß für Houellebecq-Kenner. (bis 23.15)