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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 25.6.: "Der Mann mit dem goldenen Arm": Frank Sinatra hängt an der Nadel

Zu realistisch für das prüde Amerika: Otto Premingers Film über Heroinsucht ließ die Sittenwächter 1955 Sturm laufen. Und ebnete den Weg für mehr Gewalt und Sex im Kino. Unser TV-Tipp des Tages.

Frankie Machine (Frank Sinatra, l.) hat sich geschworen, nie wieder zu spritzen. Doch sein ehemaliger Dealer (Darren McGavin) hat etwas dagegen.

Frankie Machine (Frank Sinatra, l.) hat sich geschworen, nie wieder zu spritzen. Doch sein ehemaliger Dealer (Darren McGavin) hat etwas dagegen.

"Der Mann mit dem goldenen Arm"
23.15 Uhr, HR
DRAMA Die Prüderie im US-amerikanischen Free-TV treibt mitunter seltsame Blüten. Da darf das Blut meterhoch spritzen, aber banalste Schimpfwörter werden ausgepiepst. Und während eine ganze Nation aufschreit, wenn für Sekundenbruchteile eine weibliche Brustwarze im Live-TV zu sehen ist ("Nipplegate"), erinnern wir uns schon gar nicht mehr daran, wie Matthew McConaughey eigentlich 'oben mit' aussieht.

Noch viel düsterer sah es 1955 für Otto Preminger aus. Der Regisseur wollte den Drogenroman "Der Mann mit dem goldenen Arm" von Nelson Algren verfilmen. Doch der Hays Code, eine Art Moralzensur, die sich die US-amerikanische Filmindustrie zur besseren Vermarktung ihrer Produkte selbst auferlegt hatte, verhinderte eine ehrliche Darstellung der Sucht. Wie lange durfte ein Filmkuss höchstens dauern (drei Sekunden!)? Wie viel nackte Haut durfte gezeigt werden? Wie sexy getanzt werden? Wer den Okay-Stempel der Production Code Administration erhalten wollte - ohne den viele US-Kinos nicht bereit waren, einen Film zu zeigen - musste sich den rigiden Moralvorstellungen beugen oder sie auf fantasievolle Weise umgehen.

Preminger ging einen anderen Weg: Er weigerte sich rundheraus, machte sein eigenes Ding und fand mit United Artists tatsächlich einen Verleih, der bereit war, seinen Film auch ohne Sittenstempel zu vertreiben. Und wie es mit Verbotenem so ist: "Der Mann mit dem goldenen Arm" wurde ein Publikumserfolg und ebnete den Weg für die Abschaffung des Codes im Jahr 1968. Freilich - aus heutiger Perspektive ist an der Darstellung, wie der heroinabhängige Frankie (Frank Sinatra) daran scheitert, seiner Sucht zu entkommen, nur noch wenig Skandalöses zu entdecken. Trotzdem erzählt er eine gute Geschichte - und sollte schon aufgrund seiner Rolle in der Filmgeschichte in kleiner Sammlung fehlen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Zerrissene Umarmungen"
23.10 Uhr, Bayern

DRAMA Regisseur Blanco (Lluís Homar) verliert bei einem Autounfall das Augenlicht und seine Geliebte (Penélope Cruz). 14 Jahre später drängt ihn ein Fremder zu einem Filmprojekt, das mit den Ereignissen von damals zusammenhängt… Virtuoses Filmrätsel von Pedro Almodóvar. (bis 1.10)

"Vier Mal — Le Quattro Volte"
23.05 Uhr, Arte

EXPERIMENT Michelangelo Frammartino erzählt von der Seelenwanderung eines Ziegenhirten. Die kontemplativen Bilder brachten Kritiker zum Schwärmen, andere versuchen verzweifelt, den Ton einzustellen. Auch wer sich für die Herstellung von Holzkohle interessiert, lernt eine Menge dazu. (bis 0.30)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo