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Entsetzen im spanischen Benidorm: Party-Touristen sollen Obdachlosen für Stirn-Tattoo bezahlt haben

Während eines Junggesellenabschieds im spanischen Benidorm soll ein Obdachloser auf der Stirn tätowiert worden sein - für eine Zahlung von 100 Euro. Der Gefeierte erzählt eine ganz andere Geschichte.

Entsetzen in Benidorm: Party-Touristen sollen Obdachlosem ein Stirn-Tattoo für Geldzahlung aufgeschwatzt haben

Im spanischen Benidorm (Archivbild) soll ein Obdachloser zu einem Stirn-Tattoo gedrängt worden sein - doch es kursieren zwei Versionen der Geschichte

AFP

Er hält zwei Finger in die Kamera und grinst ein unbeholfenes Grinsen, während die Nadel der Tätowirmaschine über seiner Stirn brummt. "Jede obdachlose Person würde 100 Euro annehmen, wenn sie ihm angeboten werden", sagt Karen Maling Cowles zu der unglaublichen Szene. "Das passiert verwundbaren Menschen, leider." 

Was Maling Cowles dem britischen "Guardian" schildert, schreibt gerade international Schlagzeilen: Eine Männergruppe, ein Junggesellenabschied aus Großbritannien, soll einem Obdachlosen in der spanischen Stadt Benidorm 100 Euro angeboten haben - damit dieser sich im Gegenzug ein Tattoo stechen lässt. Nun prangt unter anderem der Name des Bräutigams, "Jamie Blake", auf der Stirn des 34-jährigen Tomek. "Ich habe damit nichts zu tun", sagt der Gefeierte und streitet die Vorwürfe ab. "Auf menschlicher Ebene ist das widerlich", sagt Maling Cowles, die entsetzt ist und Tomek helfen möchte. 

So schildert Tomeks "Engel" den Vorfall ...

"Ich war schockiert, als ich sah, wie es dich förmlich anstarrt", berichtet Maling Cowles. Die Präsidentin des Hotelverbands "Benidorm British Business Association" meint das (mittlerweile gelöschte) Facebook-Posting des Shops, der Tomek das Tattoo verpasst hat und ihn auf dem Tätowiertisch zeigt - und schließlich Maling Cowles auf den Plan gerufen hat. 

Nach jenem Schock-Foto habe sie Tomek gesucht und ausfindig gemacht, schlafend am Strand liegend, voller Sand im Gesicht und "peinlich" berührt. "Ich sagte ihm: 'Ich werde versuchen dir zu helfen', woraufhin er meine Hand küsste und sagte: 'Du bist ein Engel'." Tomeks "Engel" sammelt nun Geld, damit er das Tattoo wieder entfernen lassen kann und medizinische Hilfe bekommt. "Er braucht sie dringend", schreibt Maling Cowles im Spendenaufruf

Es kursieren mehrere Versionen des Vorfalls. Und eine, die von Maling Cowles, geht so: Tomek, 34 Jahre alt, sei nach einem Zerwürfnis mit seiner Partnerin von Polen aus nach Benidorm gelaufen. Er habe gelblich ausgesehen und Blessuren am Rücken davongetragen, berichtet Maling Cowles dem "Guardian", immerhin habe er laut eigener Aussage eine Strecke von rund 2700 Kilometern zurückgelegt. Obendrein sei er Alkoholiker, habe Tomek ihr erzählt. Eines Abends seien ihm von der Feiermeute dann offenbar 100 Euro angeboten worden, damit er sich "Jamie Blake, North Shields NE28" (Name und Adresse des Bräutigams) auf die Stirn tätowieren lasse. Aber nach "Jamie Blake, No" war Schluss - zu schmerzhaft sei die Prozedur gewesen, sodass diese abgebrochen werden musste. Einen Teil des übrigen Geldes habe er dann noch ausgeben können, bevor ihm der Rest (17 Euro) am Strand gestohlen worden sei.  

... und das sagt der angeblich unschuldige (Ex-)Bräutigam

Die Version des Bräutigams geht hingegen so: Tomek ist gar nicht obdachlos, der Freund eines Freundes und wurde für das Tattoo nicht bezahlt. Das sagt der 37-Jährige zumindest im Gespräch mit "Chronicle Live" und streitet alle Vorwürfe vehement ab. 

"Ich war zu der Zeit nicht dort", beteuert der Bräutigam - der eigentlich keiner war, weil er sich von seiner Verlobten zu dem Zeitpunkt bereits getrennt hatte, aber trotzdem feiern wollte. "Ich war betrunken und wurde gebeten, die Bar zu verlassen", berichtet Blake dem Online-Portal. "Ich war niemals in dem Tattoo-Shop und soweit ich weiß, wurde ihm (Tomek, Anm. d. Red.) auch kein Geld gezahlt." Laut Blake sei Tomek auch nicht obdachlos: "Er wohnt mit einem Freund von mir zusammen und arbeitet auf dem Strip." Auf dem Strip, gemeint ist wohl die Party-Meile auf Benidorm, arbeite auch der 37-Jährige. Er sei vor drei Monaten vom britischen North Tyneside ins spanische Benidorm gezogen und habe von dem Vorfall (und den Schlagzeilen) angeblich erst von Freunden und Familie erfahren. "Es ist ein Albtraum. Ich muss vielleicht nach Hause fliegen und verliere meinen Job", sagt Blake. 

"Das Entfernen des Tattoos ist wichtig, weil es zeigt, dass wir das nicht akzeptieren"

"Die Gemeinde ist angewidert und viele Touristen sind es auch", beschwert sich Maling Cowles im "Guardian". Es sei furchtbar, die Situation von hilfsbedürftigen Menschen derart auszunutzen. "Das Entfernen des Tattoos ist wichtig, weil es zeigt, dass wir das nicht akzeptieren." Aber auch die Zukunft von Tomek sei wichtig. "Ich möchte ihm die Hilfe geben, die er braucht." Darüber hinaus mahnt sie generell einen kritischeren Umgang mit britischen Touristen in Benidorm an. "Wir müssen verstehen, warum dieses Verhalten stattfindet." Das könnte in diesem Fall wohl lange dauern.

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fs