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TV-Tipp 27.5: "Lost in Translation": Ungewollt in Bill Murrays Fußstapfen

Der Autor unseres "TV-Tipps des Tages" amüsierte sich köstlich über Bill Murray in "Lost in Translation". Bis er eines Tages selbst von einer japanischen Regisseurin herumkommandiert wurde.

Gemeinsam einsam: Bob (Bill Murray) und Charlotte (Scarlett Johansson)

Gemeinsam einsam: Bob (Bill Murray) und Charlotte (Scarlett Johansson)

"Lost in Translation"
23.15 Uhr, WDR
MELANKOMÖDIE "For relaxing times, make it Suntory time." Lange bevor der erste, echte Suntory-Whisky meinen Gaumen kitzelte, war der Werbespruch von Bill Murray zu einem Running Gag in unserer WG geworden. Und wenn wir kein Glas Whisky zur Hand hatten, musste eben eine Tasse Kamillentee herhalten. "For relaxing times, make it chamomile time."

"Lost in Translation" war Kult, seitdem wir ihn zum ersten Mal auf DVD gesehen hatten. Die feine Melancholie, die die Begegnung zwischen Bill Murray als abgehalfterten Hollywoodstar und Scarlett Johansson als gelangweilte Ehefrau eines Fotografen umweht. Das Setting in der Hotelbar, einer Zwischenwelt, die doch niemandes Heimat sein kann. Die Situationskomik, die aus dem Zusammenprall zwischen westlicher und asiatischer Welt entsteht, aber niemals krachend wird. Ein feiner, leiser Humor gewürzt mit einer Note Tragik.

Aber diese eine Szene, in der Bill Murray versucht, die Regieanweisungen seines japanischen Regisseurs zu verstehen ("More intense!") und zwischen gelangweilt, resigniert und peinlich berührt changiert, ist und bliebt bis heute mein persönlicher Höhepunkt des Films.

Das liegt auch daran, dass ich mich einige Jahre später in einer ähnlichen Lage wie damals im Film befand. Ich war für einen dreimonatigen Sprachkurs nach Taiwan gereist, mein erstes Mal in Asien. Gleich in der ersten Woche bat mich eine hübsche Kommilitonin in gebrochenem Englisch um Hilfe. Ich verstand nicht genau, worum es ging, sagte aber erstmal ja und fand mich plötzlich auf einem Filmset wieder - mit einem Fahrradhelm auf dem Kopf als mormonischer Priester verkleidet. Und mit Leuten, die sehr wortreich auf mich einredeten - leider in einer Sprache, die ich nicht verstand. Man hatte mich offenbar mit einem Schauspieler verwechselt. Ein fataler Fehler für die Crew: Meinen einzigen Satz, den ich auf Chinesisch sagen sollte, verbockte ich dann auch so oft, dass man meine Szene schließlich untertiteln musste. Seitdem muss ich jedes Mal, wenn ich mir "Lost in Translation" anschaue, an diesen völlig absurden Moment meines Lebens denken. Und proste vor meinem Fernseher der unbekannten Filmcrew von einst zu - natürlich nur mir Suntory-Whisky ...

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs"
21.45 Uhr, ARD

DOKUDRAMA Vierteilige Kurzversion eines europäischen Projekts: Erinnerungen von 14 Zeitzeugen, darunter Käthe Kollwitz (Christina Große), lassen die Tragödie des Krieges lebendig werden. (bis 22.30)

"Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs"
23.55 Uhr, Bayern

KOMÖDIE Per Anrufbeantworter erfährt Pepa (Carmen Maura), dass Ivan sie verlässt. Soll sie sich oder ihn zuerst umbringen? - Pedro Almodóvars schrille Farce ist längst ein Klassiker. (bis 1.20)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo