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TV-Tipp 27.9.: "Gegen die Wand": Der Film, der Sibel Kekillis Leben veränderte

Kaum zu glauben: "Gegen die Wand" ist Sibel Kekillis erste Filmrolle - und sie spielt mit einer Wucht, die ihr der "Tatort" leider nur selten zugesteht. Unser TV-Tipp des Tages.

Fühlt sich eingesperrt in ihrer Familie, ihrem Leben: Sibel (Sibel Kekilli). Nach einem Selbstmordversuch lernt sie in der Klinik den vom Leben müden Alkoholiker Cahit kennen und überrredet ihn zu einer Hochzeit

Fühlt sich eingesperrt in ihrer Familie, ihrem Leben: Sibel (Sibel Kekilli). Nach einem Selbstmordversuch lernt sie in der Klinik den vom Leben müden Alkoholiker Cahit kennen und überrredet ihn zu einer Hochzeit

"Wieso ich? Ich bin n Penner?" - "Weil meine Eltern dich akzeptieren können. Du bist 'n Türke, Mann!" - Sibel antwortet Cahit

"Gegen die Wand"
23.05 Uhr, RBB

DRAMA Manchmal ist es so schön, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und zu sehen, wie sich die Dinge entwickelt haben. Da war 2004 eine junge Frau, die ganz zufällig für einen ganz besonderen Film entdeckt wurde. "Gegen die Wand" von Fatih Akim wurde zu einem dieser Überraschungserfolge, den man allen Beteiligten aufs Herzlichste gönnt. Das Drama um den 40-jährigen Cahit (Birol Ünel) und die viel jüngere Sibel, die beide zwischen zwei Kulturen, zwischen zwei Welten stehen, ließ die Kritiker jubeln und konnte Filmpreis um Filmpreis absahnen.

Dann kam die "Bild"-Zeitung und grub. Grub in der Vergangenheit von Sibel Kekilli, dieser jungen Unbekannten, die so plötzlich am Filmhimmel erschienen war. Bedrängte Familienmitglieder, Freunde, ehemalige Lehrer und Vorgesetzte auf ihrer Suche nach jedem Fitzelchen Information. Als die Reporter schließlich herausfanden, dass Kekilli in mehreren Hardcore-Pornoproduktionen mitgespielt hatte, war der Aufmacher perfekt. Die Eltern der Deutsch-Türkin wussten davon nichts, verstießen ihre Tochter. Auch darüber schrieb die "Bild". Es war eine Hetzkampagne. Es war widerlich.

"Man sollte Sibel endlich in Ruhe lassen, sie hat ihre Arbeit wunderbar getan und ist ein ganz großes Talent. Sie wird sich mit Sicherheit in den nächsten Jahren profilieren und that's it, basta." Sagte Kekillis Filmpartner Briol Ünel 2004 im stern - und sollte recht behalten. Kekilli spielte weiter, bis ihr 2010 mit "Der Fremde" der zweite Durchbruch gelang. Was dann folgte ist Geschichte: Ermittlerin im Kieler Tatort, Engagement für die US-Hit-Serie "Game of Thrones".

Ohne Zweifel, Kekilli hat es geschafft. Für mich zählt ihre allererste Rolle allerdings noch immer zu meinen liebsten. Gerade weil sie noch so roh, so ungeschliffen war - und weil Akim sich nicht scheute, an die Grenzen zu gehen. Davon, liebe "Tatort"-Schreiber, seid ihr leider ein weites Stück entfernt. Ihr habt eine tolle Schauspielerin in eurem Cast. Fordert sie endlich!

PS: Im Anschluss zeigt der RBB ab 1.00 Uhr "Auf der anderen Seite", ebenfalls von Fatih Akim und ebenfalls sehr empfehlenswert.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo