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"Tatort"-Wiederholung: Warum wird eine Schülerin IS-Terroristin? Borowski unter Islamisten

Die Ermittlungen zum Tod einer 17-Jährigen führen den Kieler "Tatort"-Kommissar Borowski in eine von radikalen Islamisten unterwanderte Moschee. Die ARD wiederholt dieses starkes Stück Gegenwartsfernsehen.

Tatort aus Kiel mit Klaus Borowski

Szene aus dem Kiel-"Tatort": Kommissar Borowski (Axel Milberg) bringt die zum Islam konvertierte Julia (Mala Emde) nach Hause.

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Die Leiche einer 17-Jährigen wird aus der Kieler Förde gezogen. Ihre Mitschülerin Julia (Mala Emde) sucht das Kommissariat auf und belastet ihren eigenen Bruder. Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) schauen sich die Familie genauer an, und entdecken, dass Julia zum Islam konvertiert ist. Sie sind jedoch nicht die einzigen, die sich für das Mädchen und ihre neuen Glaubensbrüder in der Kieler Moschee interessieren. Auch der Staatsschutz um den sinistren Leiter Kesting (Jürgen Prochnow) mischt mit. Dann geschieht noch ein zweiter Mord.

Warum lohnt sich der Krimi?

"Euer Leben ist nicht mein Leben. Das sind nicht meine Wünsche. (...) Alles ist zu haben und nichts ist von Wert. Es gibt eine Wohnung, aber kein Zuhause": Selten ist im deutschen Fernsehen so nachvollziehbar dargestellt worden, wieso ein junger Mensch in unserer Gesellschaft in eine Sinnkrise geraten kann und auf der Suche nach Orientierung an eine rigide Religion gerät, die dem Leben Struktur gibt. Bei der Ausgestaltung der Figur der zum radikalen Islam konvertierten Julia haben sich die Macher (Buch: Charlotte I. Pehlivani, Regie: Raymond Ley) an wahren Geschichten von Konvertiten orientiert. Auch wenn die Wandlung innerhalb eines 90-minütigen Krimis nur holzschnittartig beschrieben werden kann - Julias Wandlung zur Salafistin, die den Dschihad unterstützt, wird nachvollziehbar dargestellt.

Was nervt?

Der Film ist bisweilen unnötig kompliziert erzählt. Gerade zu Beginn dauert es eine Weile, bis sich der Zuschauer angesichts der vielen parallel angerissenen Handlungsstränge zurechtfindet. Dabei ist das Thema dieses "Tatorts" ohnehin schon recht komplex, da hätte eine geradlinigere Erzählweise gut getan.

Die Kommissare?

Die übliche Rahmengeschichte um die Ermittler passt diesmal perfekt zum Fall: Während Borowski und Brandt in der Kieler Moschee auf den Busch klopfen, rückt der Islam ganz nah an ihren Arbeitsplatz heran. Im Kommissariat soll ein Flüchtlingsheim untergebracht werden. Damit macht der "Tatort" deutlich, wie sehr beides zusammenhängt: Die jungen, radikalisierten Deutschen, die im Nahen Osten für den IS kämpfen. Und die Opfer dieser Ideologie, die in Deutschland Zuflucht suchen.

Ein- oder Ausschalten?

Einschalten. "Borowski und das verlorene Mädchen" ist keine leichte Kost für den Sonntagabend. Kein sanft dahinschnurrender Krimi, kein Schenkelklopfer à la Thiel und Boerne. Dafür bringt dieser "Tatort" ein relevantes Thema auf die Tagesordnung - und verzichtet dabei auf die im "Tatort" häufig durchschimmernde Sozialromantik.

"Borowski und das verlorene Mädchen" wurde erstmals am 6. November 2016 ausgestrahlt. Die ARD wiederholt diese "Tatort"-Folge am Freitag, 12. April, um 22 Uhr.

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