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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 28.5: "Hotel Very Welcome": Sinnsuche mit Rucksack

Auf der Flucht vor sich selbst: Fünf europäische Rucksacktouristen suchen in Asien das Glück. "Hotel Very Welcome" bringt das Gefühl der Generation Sinnsuche auf den Punkt. Unser TV-Tipp des Tages.

Lässt sich treiben: der Brite Josh (Ricky Champ) in Indien

Lässt sich treiben: der Brite Josh (Ricky Champ) in Indien

"Hotel Very Welcome"
21.40 Uhr, ZDFkultur

EPISODENFILM Manchmal drückt das Leben zu Hause zu schwer: Ein One-Night-Stand klopft mit Babynews an die Tür, die Beziehung ist im Eimer, die Einsamkeit erdrückt einen. Oder wir wissen überhaupt nicht, wohin uns das Leben führen soll. Die Flucht vor den Problemen des Alltags führt oft ins Ausland. Der Urlaub wird zur Sinnsuche. Schnöde Entspannung steht längst nicht mehr im Vordergrund, sondern der Zwang, als neuer Mensch zurückzukehren oder gleich in der Fremde ein generalüberholtes Leben zu starten.

So ist der noch das leichteste, woran die fünf Backpacker Josh, Adam, Marion, Liam und Svenja zu tragen haben, deren Weg Regisseurin Sonja Heiss in "Hotel Very Welcome" begleitet. Obwohl keine Dokumentation, schafft es der Spielfilm doch, das besondere Lebensgefühl der Generation Backpacker einzufangen: die Dialoge über die Schwierigkeit, mit "Einheimischen" echte Freundschaftsbande zu knüpfen, die Meckerei darüber, dass es den Menschen nie um "das echte Gefühl", sondern nur um Geld der Touristen gehe.

Obwohl an Originalschauplätzen in gedreht wurde, ist "Hotel Very Welcome" ein zutiefst eurozentrischer Film. Wer Einblicke in die indische oder thailändische Kultur erwartet, könnte enttäuscht werden. Wir erleben die "Anderen" stets nur durch die Augen der reisenden Europäer. Was in diesem Fall eine gute Sache ist: Denn auf dem Seziertisch liegt eine andere Kultur - die von Zurückgebliebenen oft idealisierte Welt der Backpacker. Sonja Heiss entzaubert auf mitunter schmerzhafte Weise das Idyll des Dauerreisenden - und lässt doch durchscheinen, was daran so verlockend sein kann.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Monsieur Lazhar"
20.15 Uhr, ARTE

DRAMA Der Algerier Bachir Lazhar (Mohamed Fellag) hofft in Kanada auf politisches Asyl. Als es ihm gelingt, als Aushilfslehrer den Respekt der Schüler zu gewinnen, scheint nicht nur sein Traum in Erfüllung zu gehen. -Der Herzwärmer war 2012 für den Auslands-Oscar nominiert. (bis 21.45)

"Space Night live"
21.15 Uhr, Bayern

REPORTAGE Der Deutsche Alexander Gerst erfüllt sich heute einen Traum: Er fliegt mit zwei weiteren Astronauten ins All, um sechs Monate auf der Internationalen Raumstation ISS zu verbringen. Neben Reportagen rund um die Mission wird auch der Start der Sojus in Baikonur live übertragen. Auch stern.de begleitet den Raumfahrer auf seinem Weg ins All - von den Vorbereitungen, über den Start bis hin zur Ankunft. (bis 22.30)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo