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TV-Tipp 29.7.: "Einer mit Herz": Wie das künstliche Las Vegas den Filmgott ruinierte

Unser TV-Tipp des Tages widmet sich einem Wendepunkt der Filmgeschichte: In den 70ern galt Francis Ford Coppola als größter lebender Regisseur. Mit der Romanze "Einer mit Herz" wendete sich das Blatt.

"Einer mit Herz"
20.15 Uhr, Servus TV

ROMANZE Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber in den 70er Jahren war Francis Ford Coppola der unangefochtene König der Filmbrache, der größte Regisseur der Welt. Mit seinen ersten beiden Teilen der Mafia-Saga "Der Pate" landete er gigantische Erfolge beim Publikum und räumte bei den Oscars gleich reihenweise ab - als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Es war die Zeit, als in Hollywood die Autorenfilmer die Herrschaft übernahmen, um die angestaubte Industrie aufzumischten - und Coppola war ihr Pate. Doch der Filmemacher wurde nicht nur vom Publikum und der Academy geliebt - vor allem genoss er den höchsten Respekt der Kritiker, die insbesondere seinen kommerziell eher unbedeutenden Film "Der Dialog" liebten, ein Thriller über das Thema Hysterie und Verfolgungswahn. Bei den Filmfestspielen von Cannes den Grand Prix gewann "Der Dialog" 1975 die Goldene Palme, genau wie fünf Jahre später das Vietnam-Drama "Apocalypse Now". Nach Hollywood stürmte Coppola also auch den Olymp der europäischen Filmkunst - mehr geht nicht. Alles, was dieser Mann in den 70er Jahren anfasste, gelang.

Doch aus unerklärlichen Gründen riss seine Erfolgssträhne in den 80er Jahren jäh ab. Obwohl er einige sehr interessante Filme machte, mit denen Coppola in die 60er Jahre ("Die Outsider", "Der steinerne Garten", "Peggy Sue hat geheiratet") oder noch weiter zurück reiste ("Cotton Club", "Tucker"), konnte er nie wieder an die alten Erfolge anknüpfen. Gleich zu Beginn des Jahrzehnts machte er den Film, der ihn ruinierte: "Einer mit Herz". Die Romanze mit Nastassja Kinski in einer der Hauptrollen spielt im künstlich nachgebauten Las Vegas. Es waren wohl vor allem die Kulissen, die das Budget von geplanten zwei Millionen auf schließlich 25 Millionen Dollar aufblähten - bei einem Einspielergebnis von einigen hunderttausend Dollar ein ruinöses Unterfangen!

"Einer mit Herz" ist genau der Moment, wo ein Riese auf Normalmaß zurechtgestutzt wird. Wo der Filmgott Coppola zum Menschen wird. Allein das macht ihn sehenswert. Sieht man einmal von den Kulissen und so manchen Manierismen der Regie ab, so ist der Film heute aber ganz hübsch anzusehen - und die Musik von Tom Waits lohnt alleine schon das Einschalten.
Ein TV-Tipp von Carsten Heidböhmer, Redakteur bei stern.de