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TV-Tipp 30.5: "Quax, der Bruchpilot": Heinz Rühmann wird flügge

Von den Nazis frenetisch gefeiert, nach Kriegsende verboten, dann wieder erlaubt: Heinz Rühmanns Fliegerkomödie "Quax, der Bruchpilot" ist bis heute umstritten - unser "TV-Tipp des Tages".

Den Nazis genehm: Heinz Rühmann als "Quax, der Bruchpilot"

Den Nazis genehm: Heinz Rühmann als "Quax, der Bruchpilot"

"Quax, der Bruchpilot"
14.10 Uhr, 3Sat
FLIEGERKOMÖDIE Ein ganzer Film nur über Quack, den Bruchpiloten? Mein allerliebster "Duck Tales"-Charakter in seinem eigenen, spielfilmlangen Abenteuer? Tagelang hatte ich auf den Moment hingefiebert, mir den bequemsten Platz auf dem Wohnzimmerteppich gesucht, die Chipstüten in Griffreichweite. Und dann diese Enttäuschung: Anstelle eines gezeichneten Entenhausens sah ich plötzlich echte Menschen durch die Heimat von Dagobert & Co. laufen. In Schwarzweiß! Und von Bruchpilot Quack weit und breit keine Spur.

Ich schaute den Film dennoch zu Ende. Nicht, weil mein sechsjähriges Selbst ihn so toll fand, sondern weil dieser kleine Funke Hoffnung bis zum Schluss blieb: Dass sich dieser Mensch mit Stupsnäschen und ohne Schnabel, den alle falsch mit "Quax" ansprachen, irgendwann in meinen Zeichentrickhelden verwandeln würde. Tat er nicht.

Jahrelang machte ich einen Bogen um diese seltsame Mogelpackung, die mir etwas versprochen hatte, was sie nicht halten konnte. Bis mir "Quax" im Geschichtsunterricht wieder begegnete. Dort erfuhr ich, dass der Film während der NS-Zeit entstanden war und zu den Lieblingsfilmen von Adolf Hitler zählte. Dass die locker-flockig erzählte Geschichte über den Verlierer Otto Groschenbügel (Heinz Rühmann), der zum Fliegerass wurde, sehr gerne in den Kinos der Nazis gezeigt wurde. In Kriegszeiten konnte man einen Film, der die Begeisterung für das Fliegen weckte und Kameradschaft und Disziplin predigte, nur zu gut gebrauchen.

Die wichtigste Lektion, die ich an jenem Tag lernte, war aber eine andere: Mein Quack heißt nur deshalb Quack, weil die deutschen "Duck Tales"-Synchronsprecher den Rühmann-Film kannten und so sehr mochten, dass sie die tolpatschige Pilotenente nach Otto Groschenbügel benannten.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die Lehrerin"
20.15 Uhr, ARTE

DRAMA mit Anna Loos und Meret Becker im Schuldienst. An der Oberfläche das Drama eines Amoklaufs und seiner Folgen, zeigt der Film, was es heute heißt, zu unterrichten und als Pädagoge unter Beschuss zu stehen. Nicht klischeefrei, aber gut beobachtet. (bis 21.45)

"Die Dolmetscherin"
20.15 Uhr, ZDFneo

POLITTHRILLER UN-Dolmetscherin Silvia (Nicole Kidman) belauscht zufällig ein Attentatskomplott. Der Diktator ihrer afrikanischen Heimat soll in New York sterben. Agent Keller (Sean Penn) traut ihr nicht. - Straff und geradlinig inszenierte Sydney Pollack diesen cleveren Thriller. (bis 22.15)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo