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Der Fall Ingrid van Bergen: Nutten, Gin und ein toter Geliebter

Geständnis im Dschungelcamp: Ingrid van Bergen erzählt vor fünf Millionen RTL-Zuschauern von der Nacht, in der sie ihren Geliebten erschoss. Leider kann sie sich nicht an alles erinnern. Ein Blick ins stern-Archiv bietet jedoch Aufschluss im 30 Jahre alten Mordfall.

Von Katharina Miklis

Ingrid van Bergen

Schauspielerin Ingrid van Bergen: Vor 30 Jahren hinter Gittern, jetzt im RTL-Dschungel gefangen

Ingrid van Bergen überrascht alle. Nicht nur, dass die älteste Dschungelcamp-Teilnehmerin aller Zeiten einen erstaunlich fitten Eindruck im australischen Busch erweckt. Ihre weiblichen Camp-Mitbewohnerinnen schlägt die 77-Jährige in Sachen Klasse und Ausstrahlung um Längen. Während Giulia Siegel, 34, "Mausi" Lugner, 40, Lorielle London, 23, und Gundis Zámbó, 42, sich den ganzen Tag über Brust-Ops und ihren Stuhlgang unterhalten, ist van Bergen die einzige Frau im Camp, die wirklich etwas zu erzählen hat.

Im Gegensatz zu ihren Leidensgenossinnen im Dschungel war die 1931 in Danzig geborene Ingrid van Bergen mal ein richtiger Star. Keine DJane (Siegel), Ex-Frau ("Mausi" Lugner), Transsexuelle (London) oder zweitklassige Moderatorin (Zámbó). Van Bergen gehörte in den 1950er und 1960er Jahren zu den bekanntesten deutschsprachigen Filmschauspielerinnen ("Rosen für den Staatsanwalt", "Katz und Maus"). Neben O. W. Fischer und Heinz Rühmann spielte die blonde Schönheit mit der rauchigen Stimme oft Bardamen oder Prostituierte.

Wein, Gin und ein Geliebter, der nicht kommt...

Doch dann kam die Nacht auf den 3. Februar 1977, die Ingrid van Bergen gestern Abend im Dschungelcamp vor laufenden Kameras mit gesenkter Stimme schilderte. "Hast du es denn wirklich getan?", fragt Giulia Siegel am Lagerfeuer. "Ja", sagt van Bergen geheimnisvoll wie eine Märchen-Oma und beginnt ihn zu erzählen - einen der schillerndsten und spektakulärsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte.

Sie erinnert sich, wie sie von ihrem 33-jährigen Lebensgefährten Klaus Knaths, einem Finanzmakler und Frauenheld, gedemütigt wurde. Von Prostituierten musste sich die damals 46-Jährige sagen lassen, wie gut diese ihr gemeinsames Schlafzimmer kennen. Er kam oft spät nach Hause. Oder gar nicht. Van Bergen war sehr eifersüchtig. In der Tatnacht, so erzählte sie gestern, wartete sie wieder einmal in der Luxusvilla am Starnberger See auf ihren Freund. "Warum warst du mit diesem Idioten überhaupt zusammen?", fragt Günther Kaufmann. "Er war kein Idiot", antwortet van Bergen und schildert weiter. Wie sie ein Glas Wein und Gin nach dem anderen austrank. Wie sie Fotos im Kamin verbrannte. Wie sie wartete und sich das Hirn zermarterte. Sie erzählte von den Geldkoffern, die Knaths immer zu Hause hatte. Und seiner Waffe.

Dann kam Klaus Knaths nach Hause. Doch an die darauf folgenden Ereignisse - so versichert van Bergen im RTL-Dschungel - könne sie sich nicht mehr erinnern. Die Leiche vor dem Haus, das ist der erste Gedanke, an den sich die Grand Dame der 60er dann wieder erinnert. Wie ein Eisklotz habe sie sich gefühlt. Aber geliebt habe sie ihn wirklich.

Ingrid van Bergen trinkt Gin

Auch der stern berichtete im Jahr 1977 von diesem Fall, der mit dem Aktenzeichen 31 js 2733/77 in die Geschichte einging: ...Es ist die Nacht zum Donnerstag, dem 3. Februar, heißt es in dem Bericht von Rupp Doinet. Ingrid van Bergen (...) sitzt in der Luxusvilla und wartet auf Knaths. Unten, im Erdgeschoß, schlafen Andrea, 19, und Carolin, 12, die Kinder aus den beiden ersten von insgesamt vier Ehen der Schauspielerin. Es ist warm und gemütlich in dem 58 Quadratmeter großen Wohnraum. Ingrid van Bergen hat den Kamin angezündet. Sie trinkt Gin, während sie wartet.

Doch Klaus Rüdiger Knaths, der versprochen hatte, am frühen Abend dazusein, kommt nicht. (...) Szenen wie aus einem Zwei-Personen-Stück, bei dem der Regisseur einen Schauspieler gestrichen hat. (...) Als der Makler kurz nach ein Uhr schließlich doch kommt. Da sitzt Ingrid van Bergen nicht mehr wartend am Kamin, sondern leidlich betrunken auf dem großen Rundbett im gemeinsamen Schlafzimmer. Es kommt zu einem Wortwechsel. (...) Fest steht, dass hier im Schlafzimmer der erste Schuss fällt. Knaths (...) geht ins Wohnzimmer (...). Dort wählt er die Nummer seiner Mutter (...). Ingrid van Bergen ist ihm gefolgt. (...) Statt den Hörer hinzuwerfen und zu fliehen, sagt er ins Telefon: "Mutti, die schießt auf mich." Und Ingrid van Bergen schießt zum zweiten Mal. Es ist der erste Schuss, der ihren Geliebten trifft. Die Wucht des Schusses wirbelt Knaths herum. Er stürzt die Treppe hinunter. (...) Van Bergen schießt ein drittes Mal. Knaths taumelt nach draußen, wo er in den Rosen verblutet.

Idealer Stoff fürs lahme Dschungelcamp

Ingrid van Bergen wurde damals zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Nach fünf Jahren im Frauengefängnis Aichach in Bayern wurde sie entlassen. "Was vorbei ist, ist vorbei und Schluss", sagt Günther Kaufmann und beendet Ingrids Gruselstunde am Lagerfeuer. Leider. Es kommt nicht oft vor, dass im Dschungelcamp etwas Spannendes passiert. Nutten, Alkohol, Mord - idealer Stoff für das in die Belanglosigkeit abdriftende Lager.