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TV-Tipp 30.8.: "Der Name der Rose": Sherlock Holmes im Mittelalter

Mystik, Religion, Schatzsuche und Kriminalfall in einem: "Der Name der Rose" ist ein spannender Mittelalter-Krimi mit Sean Connery in Bestform. Unser TV-Tipp des Tages.

"Der Name der Rose"
22.20 Uhr, rbb
KLOSTERKRIMI Es war der größte Alptraum meiner Kindheit: Ein Blitz schlägt in unser Haus ein und vernichtet auf einen Schlag meine gesamte Comic-Sammlung. Wie oft war ich schweißgebadet aufgewacht, das Bild noch frisch vor Augen, wie ich verzweifelt zu meinem Bücherschrank stürze, wahllos einige Micky-Maus-Hefte herausgreife und von meinen Eltern aus der brennenden Wohnung herausgezerrt werde.

Wahrscheinlich liegt es an diesem Alptraum, dass mich "Der Name der Rose" so nachhaltig beeindruckt hat. Wenn die Klosterbibliothek im Film in Flammen aufgeht, ein ganz besonderes Buch dabei verbrennt und Sean Connery versucht, wenigstens ein paar dieser unersetzbaren Folianten vor dem Feuer zu retten, dann geht mir das Herz auf. Ich kann Bücher einfach nicht brennen sehen.

Aber auch ohne traumatische Kindheitserinnerung im Gepäck ist "Der Name der Rose" ein Film, den man nicht verpassen sollte. Es sei denn, Sie planen gerade ins Kloster einzutreten. Denn hinter den Klostermauern, die der Franziskanermönch William von Baskerville (Sean Connery) mit seinem Adlatus Adson von Melk (Christian Slater), besucht, treiben sich gruselige Gestalten herum. Und es wird gehurt und gestohlen, vergewaltigt und gemordet, als gebe es kein Morgen. Von wegen Nächstenliebe und so. Die landet nämlich ganz schnell auf dem Scheiterhaufen, sobald die Doktrin der Heiligen Mutter Kirche in Gefahr ist.

Regisseur Jean-Jacques Annaud hat das Abenteuerliche und Geheimnisvolle aus dem Bestseller von Umberto Eco genommen, die langatmigen Intermezzi verworfen und die Geschichte in einen atmosphärischen und durchgehend spannenden Klosterkrimi destilliert. Sean Connery verkörpert dabei als neugieriger Franziskanermönch nicht nur einen mittelalterlichen Sherlock Holmes, sondern auch das Ideal einer Versöhnung von Religion und Vernunft. William von Baskerville ist Mönch und Gelehrter zugleich, offen für die Bibel und für Aristoteles. Und kommt damit mindestens 600 Jahre zu früh.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern