HOME

Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 4.6: "Und dann der Regen": Wasser ist das neue Gold

Ein Film, der wütend macht: Das Trinkwasser einer Stadt in Bolivien wird privatisiert, die Armen können es sich nicht mehr leisten. "Und dann der Regen" ist unser TV-Tipp des Tages.

Für die Aufnahmen widersetzt er sich Christoph Kolumbus, in der Realität kämpft er gegen die Unterbrechung der Wasserversorgung des Dorfes: Daniel (Carlos Aduviri) ist ein doppeltes Symbol des Widerstands.

Für die Aufnahmen widersetzt er sich Christoph Kolumbus, in der Realität kämpft er gegen die Unterbrechung der Wasserversorgung des Dorfes: Daniel (Carlos Aduviri) ist ein doppeltes Symbol des Widerstands.

"Und dann der Regen"
22.45 Uhr, Arte
DRAMA Ach, wäre dieser Film doch wirklich nur Fiktion. Aber die Geschichte, die Icíar Bollaín in "Und dann der Regen" erzählt, ist verdammt nah dran an der Realität. Anfang 2000 wurde in Bolivien die Wasserversorgung einer ganzen Stadt an ein Konsortium multinationaler Konzerne verhökert. Einen eigenen Brunnen zu graben, selbst Regenwasser zu sammeln, war verboten. Wasser wurde so teuer, dass es sich die Armen kaum noch leisten konnten.

Die spanische Regisseurin wählte "den Wasserkrieg von Cochabamba" als Hintergrund für ihren Film, der den Widerstand der Ureinwohner Amerikas gegen Christoph Kolumbus und seine Männer mit dem Widerstand der Bevölkerung Cochabambas gegen die Privatisierung ihres Wassers parallelisiert.

Der Filmemacher Sebastián will Spaniens Nationalheld Kolumbus als grausamen Kolonialherren demaskieren. Doch das Geld für die Produktion ist knapp, weshalb nicht an Originalschauplätzen, sondern in Cochabamba gedreht wird. Echte indianische Statisten sind hier schon für zwei Dollar am Tag zu haben ("Two fucking dollars, and they feel like kings!"). Mit dem charismatischen Daniel findet Sebastián zudem einen idealen Darsteller für Taíno-Häuptling Hatuey (Juan Carlos Aduviri), der sich als erster gegen Kolumbus aufgelehnt hatte und dafür verbrannt wurde. Doch Daniel ist gleichzeitig auch Anführer der Aufstände gegen den Wasserkonzern - was dem pragmatischen Produzenten Costa (Luis Tosar) gar nicht in den Kram passt.

Man könnte sich jetzt darüber echauffieren, dass ein Filmemacher Europa mal wieder den Spiegel vorhält. Aber mal ehrlich: Wir haben ihn auch verdient. Was hier in Europa in schier unendlichen Mengen verfügbar ist, dafür riskieren andernorts Menschen ihr Leben. Darüber lohnt es sich nachzudenken - allen wirtschaftlichen Verstrickungen zum Trotz.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Macht der Bilder"
20.15 Uhr, 3Sat

DOKU Der Erste Weltkrieg war auch der erste Medienkrieg. Während das Publikum glaubte, authentische Filme zu sehen, waren die Aufnahmen der Schlachten teilweise manipuliert. Die Fotos aus der Zeit sprechen eine andere Sprache. Erhellende Doku über Wahrheit, Lüge und Propaganda. (bis 21.00)

"Sylvette - Das Modell Picassos"
21.50 Uhr, Arte

KULTUR 1954 inspirierte sie Pablo Picasso zu einer Serie von Porträts. Sylvette David einzige noch lebende Picasso- Muse aus dem südfranzösischen Künstlerort Vallauris, erinnert sich. In der Bremer Kunsthalle läuft bis zum 22.6. die passende Ausstellung. (bis 22.45)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo