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TV-Tipps 8.5: "Kick-Ass": Schlecht gekleidet, verpeilt und gefährlich

Selbsternannte Superhelden wollen ohne Superkräfte und mit schlechter Ausrüstung das Böse bekämpfen. Dabei geht es eher derbe zu. Die wüste Comicverfilmung "Kick-Ass" ist unser TV-Tipp des Tages.

"Kick-Ass"
23.10 Uhr, Vox
COMICVERFILMUNG Im Buch sah das Leben als Superheld irgendwie weniger schmerzhaft aus. Doch Comicfan Dave Lizewski (Aaron Johnson) muss auf die harte Tour lernen, dass ein halbcooler Kampfname ("Kick-Ass") und eine aus einem gebrauchten Neoprenanzug geschnippelte Superheldenklamotte nicht unverwundbar machen. Der erste Versuch des nerdigen Teenagers, die Straßen New Yorks sicherer zu machen, endet im Krankenhaus. Doch beim ersten Treffer tut's noch weh, danach wird's einfach taub. Als Handyvideos seiner späteren erfolgreichen Einsätze im Internet veröffentlicht werden, inspiriert er eine ganze Bürgerwehr schlecht kostümierter Amateure. Und dann sind da noch das selbstjustizerfahrene Vater-Tochter-Gespann Big Daddy und Hit-Girl sowie ein Mafiaboss mit einem Sohn, der ebenfalls gerne Superheld wäre... Willkommen in der kranken Welt von "Kick-Ass", einer der wildesten und witzigsten Comicverfilmungen - die Vox heute Abend um 23.10 Uhr hoffentlich nicht allzu verstümmelt zeigt.

Wie schon die von Mike Millar geschriebene, sehr krasse Comicvorlage ist auch der Film nichts für sensible Gemüter: Der Humor ist schwarz, die Sprache derbe, die gezeigte Gewalt grotesk überzeichnet - und dem guten Geschmack wird häufig in den Hintern getreten. Regisseur Matthew Vaughn zeichnet bewusst einen Gegenentwurf zu klinisch reinen Blockbustern wie "Spiderman" & Co. und erschafft mit viel geringerem Budget einige umwerfende Actionsequenzen, die keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Vaughns Hauptverdienst ist allerdings, Chloe Grace Moretz entdeckt zu haben. Als elfjährige Kampfmaschine Hit-Girl prügelt und pöbelt sie sich so wüst durch den Film, dass einem bisweilen der Atem stockt. In anderen Szenen - mit ihrem schwer gestörten Vater Big Daddy (Nicolas Cage zur Abwechslung mal in Spiellaune) - hingegen ist sie kindlich und verletzlich. Überhaupt bildet die Familiengeschichte der beiden das dunkle Herz des Films.

Dass "Kick-Ass" genau meinen Geschmack getroffen hat, ist wohl deutlich geworden. Ich will aber nicht verschweigen, dass meine geschätzte Kollegin Sophie Albers beim Kinostart den Film für einen gefährlichen Haufen Schrott hielt.

Ein TV-Tipp von Ralf Sander, Redakteur bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der Aufsteiger"
23.15 Uhr, WDR
DRAMA Bei einem Busunglück in den Ardennen kommen neun Jugendliche ums Leben. Der neue Verkehrsminister Bertrand Saint-Jean (Olivier Gourmet) eilt sofort zum Unfallort, um Betroffenheit zu demonstrieren. Während seine Popularitätswerte im Volk steigen, entscheidet die geplante Privatisierung von Bahnhöfen über das Fortkommen des Politikers... Regisseur Pierre Schoeller ("Versailles") seziert die Mechanismen der Macht. Eine bittere, mit bissiger Ironie inszenierte Abrechnung mit den Karrieristen und Intriganten im Politikbetrieb. Drehbuch, Ton und Michel Blanc als Saint-Jeans Sekretär Gilles wurden 2011 mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet. (bis 1.05)

"Vertrag mit meinem Killer"
22.25 Uhr, 3Sat

TRAGIKOMÖDIE Kündigung nach 30 Jahren, als Dank nur eine schnöde Uhr. Henri (Jean-Pierre Léaud) will Schluss machen. Und weil er auch noch feige ist, engagiert er für den Job einen Killer. Kurz bevor er sich verliebt... Verliererkino in höchster Vollendung. Regie: Aki Kaurismäki. (bis 23.40)