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TV-Tipps des Tages für den 21.3.: Meine Nachbarin, die Femme Fatale

Ein erotisches Kammerspiel, so spannend wie von Hitchcock selbst: Jurastudent Martin lässt sich von der "Frau hinter der Wand", seiner mysteriösen Nachbarin, verführen. Unser TV-Tipp des Tages.

Von so einer Nachbarin träumt jeder Erstsemester: Katharina Heyer als verführerische Femme Fatale Simone

Von so einer Nachbarin träumt jeder Erstsemester: Katharina Heyer als verführerische Femme Fatale Simone

"Die Frau hinter der Wand"
22.00 Uhr, ZDFkultur
EROTIK-PSYCHOTHRILLER Wer in der nächsten Zeit eine Wohnung sucht, sollte um diesen Film einen weiten Bogen machen. Es sei denn, Sie stehen darauf, Ihre ersten Nächte allein schlotternd und bibbernd unter der Bettdecke zu verbringen. Dabei startet "Die Frau hinter der Wand" zunächst wie eine dieser mittelguten deutschen Komödien: Martin (Vincent Redetzki), Erstsemesterjurist, jung und naiv, begibt sich in Berlin auf Wohnungssuche - und findet ein verkommenes Loch vor. Die Zimmer starren vor Schmutz, verschimmeltes Obst gammelt vor sich hin, aus der Duschbrause tropft rostbraunes Wasser. Martin schlägt trotzdem ein - Wohnungsnot und so.

Doch schon, als der Hausmeister von ihm verlangt, für ein Bewerbungsfoto im Unterhemd zu posieren, beginnt die Stimmung ins Irritierende zu kippen. Und dann warnt ihn seine verlotterte Vermieterin auch noch vor "dem Bösen", das hinter der Tür seiner Nachbarwohnung lauert. Das Böse, soviel sei verraten, kommt äußerst attraktiv daher: Katharina Heyer spielt Martins Nachbarin Simone als eine der verstörendsten und verführerischsten Femme Fatales, die das deutsche Fernsehen in vergangenen Jahren zu Gesicht bekommen hat.

"Die Frau hinter der Wand" ist Grzegorz Muskalas Langfilmdebüt - und schon der Titel lässt erahnen, dass der junge Regisseur keine Angst vor den ganz großen Namen hatte. Sein Psychothriller vermischt Elemente aus Hitchcocks "Fenster zum Hof" mit David-Lynch-artigen Stimmungsbildern - und schafft es doch, eine ganz eigene Atmosphäre aus Beklemmung und Erotik zu schaffen. Unbedingt anschauen, auch weil die Filme aus der wunderbaren ZDF-Reihe "Das kleine Fernsehspiel" nur extrem schwer nach ihrer Erstausstrahlung zu bekommen sind.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Brick"
22.00 Uhr, ZDFneo
THRILLER Außenseiter Brendan fahndet nach dem Mörder seiner Exfreundin. Und kommt dabei obskuren Jugendcliquen in die Quere. – Regiedebütant Rian Johnson konstruierte ein raffiniertes Krimipuzzle. Der Film gewann den Spezialpreis der Jury beim Sundance Filmfestival 2005. (bis 23.40)

"WWW - What a Wonderful World"
20.15 Uhr, ZDFkultur

KRIMIKOMÖDIE Polizistin Kenza (Nezha Rahile) bessert ihr Gehalt mit dem Verleih ihres Handys auf. So gibt sie es auch an Hure Souad weiter, die sich mit einem kriminellen Kunden in Casablanca verabredet. Der wiederum verliebt sich in Kenzas Stimme... Magere Story, tolle Bilder. (bis 23.00)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo